Leonhard Scherg (* 16. Juli 1944 in Miltenberg) ist ein deutscher Kommunalpolitiker (CSU) und Heimatforscher. Er ist ehemaliger Bürgermeister und Ehrenbürger der unterfränkischen Stadt Marktheidenfeld sowie Autor regionalgeschichtlicher Veröffentlichungen.
Leonhard Scherg wuchs in Reistenhausen (heute Ortsteil von Collenberg) bei seiner Mutter und seinen Großeltern auf. Sein Vater fiel noch vor seiner Geburt im Zweiten Weltkrieg. In Reistenhausen besuchte er die Volksschule. Später folgte das Gymnasium mit Oberrealschule (heute Johannes-Butzbach-Gymnasium) in Miltenberg. Anschließend studierte er an der Universität Würzburg von 1964 bis 1969 Germanistik, Geschichte und Sozialkunde für das Lehramt an Gymnasien.
Während seines Studiums an der Universität Würzburg (1964–1969) war er im Allgemeinen Studentenausschuss, im RCDS und in der Katholischen Hochschulgemeinde aktiv. Er ist Mitglied der wissenschaftlich-katholischen Studentenverbindung Unitas-Hetania Würzburg.
Scherg ist seit 1971 mit der promovierten Allgemeinärztin Christiane Scherg-Zeisner verheiratet. Gemeinsam haben sie drei Söhne.
1976 wurde Scherg an der Universität Würzburg mit einer Arbeit über die mittelalterliche Geschichte der Zisterzienserabtei Bronnbach promoviert.
Als Lehrer für Geschichte, Deutsch und Sozialkunde war Leonhard Scherg von 1973 bis 1984 am Balthasar-Neumann-Gymnasium in Marktheidenfeld tätig. In dieser Zeit war er als Kreisheimatpfleger aktiv.
Von 2008 bis 2025 war Scherg Kreisarchivpfleger für den Altkreis Marktheidenfeld und Rothenfels. Schwerpunkte seiner geschichtlichen Forschungen sind neben Bronnbach und den Zisterziensern Marktheidenfeld und der Raum Marktheidenfeld sowie die Geschichte der Juden im Raum Marktheidenfeld, im Kreis Main-Spessart und Unterfranken. Er veröffentlichte zu diesen Themen zahlreiche Aufsätze.
Von 1984 bis 2008 war er Erster Bürgermeister der Stadt Marktheidenfeld. 2008 wurde er zum Ehrenbürger und Altbürgermeister ernannt. Die Stadtkultur war Scherg ein besonderes Anliegen. Nach der Renovierung 1986 wurde das Alte Rathaus der Volkshochschule (VHS) zur Verfügung gestellt. Mit der Sanierung des Franck-Hauses erhielt Marktheidenfeld 1998 ein zweites Kulturzentrum. Begonnen wurde 1986 mit der Altstadtsanierung. Weitere Schwerpunkte waren der Ausbau des Gewerbestandorts Marktheidenfeld, in der Kernstadt und im Stadtteil Altfeld, die wohnbauliche Entwicklung, bes. Baugebiet Birken III, und die Förderung der Stadtteile und der Vereine. Im Dezember 2002 wurde die Nordbrücke von Marktheidenfeld dem Verkehr übergeben.
In seine Amtszeit fallen die beiden Städtepartnerschaften mit Montfort-sur-Meu (Frankreich) seit 1988 und mit Pobiedziska (Polen) seit 2007. Mit der amerikanischen Stadt Germantown (Ohio) intensivierte er die freundschaftlichen Beziehungen. Das Städtepartnerschaftskomitee Marktheidenfeld ernannte ihn am 3. Oktober 2008 zum Ehrenmitglied, die Stadt Monfort 2009 zum „Citoyen d’Honneur“.
Scherg war für die CSU von 1990 bis 2008 Mitglied des Kreistages Main-Spessart und von 1992 bis 1994 Mitglied des Bezirkstags Unterfranken. Im Bayerischen Städtetag war er von 1998 bis 2008 als Vertreter der kreisangehörigen unterfränkischen Städte aktiv. Der Freistaat Bayern ehrte Scherg 2003 mit der Kommunalen Verdienstmedaille in Bronze für seine besonderen Verdienste um die kommunale Selbstverwaltung. Der Landkreis Main-Spessart anerkannte die langjährige ehrenamtliche Tätigkeit 2018 mit der Verleihung der Silbernen Verdienstmedaille.
Im Zweckverband zur Wasserversorgung der Marktheidenfelder Gruppe war Scherg von 1984 bis 1988 stellvertretender Verbandsvorsitzender und von 1988 bis 2008 Verbandsvorsitzender. Nach Versorgungsschwierigkeiten konnte zwischen 1995 und 2004 ein zweites Wassergewinnungsgebiet mit drei Brunnen erschlossen werden. Am 13. Juli 2012 wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Ein vierter Brunnen soll nach dem Beschluss der Verbandsversammlung den Namen „Leonhardsbrunnen“ erhalten.
Von 1985 bis 2017 war Scherg Aufsichtsratsvorsitzender der Baugenossenschaft „Heimstättenwerk“ in Marktheidenfeld, die ihn am 5. Oktober 2018 zum Ehrenaufsichtsrat ernannte. Bereits 2010 erhielt er die Große Ehrennadel für langjährige Verdienste des Verbands bayerischer Wohnungsunternehmen. Von 1984 bis 2008 gehörte er der Vorstandschaft der Lebenshilfe für Behinderte Marktheidenfeld und Umgebung an.
Scherg war von 2004 bis 2022 Vorsitzender des Vereins VHS Marktheidenfeld. 2022 ging die vhs in die Verantwortung der Stadt Marktheidenfeld über. Scherg ist Mitglied des örtlichen Koordinierungskreises für die Zusammenarbeit mit dem Universitätsbund Würzburg und seit 2003 Mitglied des Gesellschaftsrates des Universitätsbundes.
Er ist Gründungsmitglied des Historischen Vereins Marktheidenfeld und Umgebung (1978), des Städtepartnerschaftskomitees (1987) und des Förderkreises Synagoge Urspringen (1990). Von 1978 bis 1984 war er 2. Vorsitzender des Historischen Vereins, von 1990 bis 2017 1. Vorsitzender des Förderkreises Synagoge Urspringen. Für den Förderkreis ist er weiterhin als Beiratsmitglied und Webmaster tätig. Er ist Ehrenmitglied der Fischer- und Schifferzunft Marktheidenfeld (1985), des Schiffervereins „Gute Fahrt Marktheidenfeld“ (1994), der Maler- und Lackiererinnung Main-Spessart (2008), des Historischen Vereins Marktheidenfeld und Umgebung (2014), des Volkshochschule Marktheidenfeld e.V. (2023) und des Förderkreises Synagoge Urspringen (2024). Vom German Jewish Community History Council, USA, erhielt er am 27. Januar 2009 in Anerkennung seines Einsatzes für die jüdische Geschichte ein „Certificate of Commendation“.
Siehe dazu unter Bibliotheksverbund Bayern (www.bib-bvb.de) und Bayerische Bibliographie (opac.bayerische-bibliographie.de)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Scherg, Leonhard |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Kommunalpolitiker und Heimatforscher |
| GEBURTSDATUM | 16. Juli 1944 |
| GEBURTSORT | Miltenberg |