
Leonida Caldesi (* 16. Oktober 1822 in Faenza; † 11. Januar 1891 in Bologna) war ein italienischer Fotograf, der den Großteil seiner Karriere in London verbrachte und zu den führenden Fotografen der britischen Hauptstadt Mitte des 19. Jahrhunderts zählte. In mehreren Quellen wird sein Name fälschlicherweise als Luigi angegeben. Nach dem Urteil seiner Zeitgenossen war er einer der herausragendsten Fotografen von Kunstwerken zwischen den 1850er und 1870er Jahren. Er ist insbesondere für seine Porträtfotografien und Aufnahmen von Werken der bildenden Kunst bekannt. Zu seinen institutionellen Auftraggebern zählten die National Gallery, das British Museum und das South Kensington Museum in London. Für Letzteres fertigte er gemeinsam mit seinem Studio eine Reihe von Aufnahmen der Elgin Marbles an, die 1861 von P. & D. Colnaghi veröffentlicht wurden.
Leonida Caldesi entstammte einer Familie aus der Romagna. Er war der Bruder von Vincenzo Caldesi, der als Major unter dem italienischen Nationalisten und Revolutionär Giuseppe Garibaldi diente, sowie von Ludovico Caldesi, der als Botaniker tätig war. Im Zuge des Risorgimento, der italienischen Nationalbewegung, emigrierte er laut dem Fotografiehistoriker John Hannavy um 1850 nach London. Ob er bereits vor seiner Ankunft in England fotografiert hatte, ist nicht überliefert. 1863 heiratete er in London Mimily Giuseppina Vilmot. Ab 1870 war er Mitglied der Royal Photographic Society. Anfang der 1870er Jahre kehrte er vermutlich nach Italien zurück, wo er am 11. Januar 1891 in Bologna starb. Im Jahr 1871 veröffentlichte er in Bologna eine Gedenkschrift für seinen Bruder Vincenzo, der als Garibaldiner-Oberst ums Leben gekommen war (Alla memoria di Vincenzo Caldesi, colonnello garibaldino).

In London arbeitete Leonida Caldesi mit wechselnden Partnern in verschiedenen Ateliers zusammen. Von 1856 bis 1859 betrieb er gemeinsam mit Mattia, auch Matthew genannt, Montecchi das Studio Caldesi & Montecchi. Es befand sich zunächst in der 38 Porchester Terrace in Bayswater, Kensington. Ab 1857 war es zudem in der 13 Pall Mall East in Westminster zu finden. Letzteres befand sich auf dem Verlagsgelände des Kunstverlegers P. & D. Colnaghi. Die Eröffnung des Verlags wurde im selben Jahr im Art Journal vermerkt. Die Partnerschaft mit Montecchi wurde am 12. Juli 1859 durch Veröffentlichung im London Gazette aufgelöst. Von 1860 bis 1862 firmierte er unter dem Namen Caldesi, Blanford & Co., gemeinsam mit Ernest Blanford und John Anthony Scott. Die Adresse war weiterhin 13 Pall Mall East sowie 6 Victoria Grove in Kensington. Die Partnerschaft mit Scott wurde am 17. Mai 1862 aufgelöst.

Die langfristige Zusammenarbeit mit dem Verlag P. & D. Colnaghi begann im Jahr 1857 und wurde durch John Anthony Scott, einen Neffen Dominic Colnaghis, vermittelt. Im Auftrag Colnaghis fotografierten Caldesi, Montecchi und Robert Howlett die Gemälde der Ausstellung Manchester Art Treasures, die 1858 in dem zweibändigen Werk Photographs of the Gems of the Art Treasures Exhibition veröffentlicht wurden. Das Werk erschien auch in einer fünfbändigen Ausgabe. Im Jahr 1857 wurden Caldesi und Montecchi beauftragt, auf der Isle of Wight Porträts der Kinder der britischen Königsfamilie anzufertigen. Aufnahmen der Hochzeit der Prinzessin Royal waren im März 1858 bei Colnaghi zu besichtigen. In der Folge fotografierte Caldesi zahlreiche bekannte Persönlichkeiten seiner Zeit, darunter Sir Charles Lock Eastlake, den Direktor der National Gallery, sowie die italienischen Patrioten Giuseppe Garibaldi und Giuseppe Mazzini (1864). Diese Aufnahmen vertrieb er als Cartes de visite; einige Porträts erschienen auch als Holzstiche in der Illustrated London News.
Ende der 1850er Jahre erhielt Caldesi die Erlaubnis, Gemälde aus dem Buckingham Palace in sein Studio zu bringen, um sie dort zu fotografieren. Diese Aufnahmen wurden 1859 unter dem Titel Royal Collection of Pictures at Buckingham Palace von Caldesi, Blanford & Co. veröffentlicht. Im Jahr 1858 fotografierte er gemeinsam mit Charles Thurston Thompson in Hampton Court die Kartons Raffaels für die Tapisserien der Sixtinischen Kapelle. Die Aufnahmen wurden im selben Jahr auf der Jahresausstellung der Photographic Society präsentiert und im Januar 1859 im Art Journal besprochen. In den 1860er Jahren dokumentierte Caldesi verschiedene bedeutende Privatsammlungen, darunter Zeichnungen von J. M. W. Turner aus der Farnley Hall Collection (Colnaghi, 1864). Zwischen 1868 und 1873 verlegte Virtue & Co. eine Folge von 360 Aufnahmen von Gemälden der National Gallery unter dem Titel The Pictures by the Old Masters in the National Gallery, die auf Fotografien von Caldesi basieren.
Zu den weiteren überlieferten Alben und Publikationen zählen:

Werke Caldesis befinden sich heute in bedeutenden öffentlichen Sammlungen, darunter im British Museum und in der National Portrait Gallery in London, im J. Paul Getty Museum in Los Angeles, im Metropolitan Museum of Art in New York, im George Eastman House in Rochester, New York, im Harry Ransom Center der University of Texas in Austin, in der Massachusetts Historical Society und in der Public Library in Boston, im National Museum of American History in Washington, D.C., im Worcester Art Museum in Worcester, Massachusetts, sowie in Windsor Castle (Royal Collection).
Leonida Caldesi nahm mit seinen wechselnden Atelierpartnern an zahlreichen Ausstellungen teil, darunter 1857 in Manchester (Art Treasures Exhibition), 1858 und 1864 in Edinburgh (Photographic Society of Scotland), 1859 in Aberdeen (British Association) und Glasgow (Photographic Society), 1859 und 1861 in Paris (Société française de Photographie) sowie wiederholt in London, beispielsweise von 1859 bis 1861, 1863 und 1871 bei der Royal Photographic Society und 1862 in der Watercolour Academy.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Caldesi, Leonida |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Fotograf |
| GEBURTSDATUM | 16. Oktober 1822 |
| GEBURTSORT | Faenza |
| STERBEDATUM | 11. Januar 1891 |
| STERBEORT | Bologna |