
Leonora Helen Tyson, geborene Wolff (* 13. August 1883 in Bradford, Yorkshire; † 4. Februar 1959 in East Sheen, London) war eine englisch-britische Suffragette.
Tyson war die Tochter von Gustav Wolff (1840–1907), einem deutschen Komponisten und Musikwissenschaftler, und Rosa Helen Ashton geboren. Sie war das fünfte von sechs Geschwistern: Diana Katarina (* 1869), Florence Lilian (* 1873), Madeline (* 1874), Harold Langton (* 1876) und Norman Gustav (* 1885). 1901 zog die Familie nach London. 1908, während sie in der Drewstead Road in Streatham lebten, änderte die Familie ihren Namen von Wolff in Tyson. Etwa zu dieser Zeit begannen Rosa Tyson und ihre Töchter Diana und Leonora, sich in der Women’s Social and Political Union (WSPU) zu engagieren. Im Februar 1908 wurden Mutter und Schwester im House of Commons verhaftet, als sie an einem Protest teilnahmen. Auch für Tyson selbst ist eine Verhaftung im Juli 1909 verzeichnet.
Tyson selbst wurde innerhalb der Organisation sehr aktiv: 1909 amtierte sie als ehrenamtliche Sekretärin des Streatham‑Zweigs, 1910 als Sekretärin des Lambeth/Southwark‑Zweigs und nahm 1911 ihre Rolle in Streatham wieder auf. Tyson sprach auf zahlreichen Versammlungen in Streatham, Lambeth und darüber hinaus. Im Oktober 1911 vertrat Tyson, die fließend Deutsch sprach, die WSPU auf dem Frauenkongress in Hamburg, Deutschland.
Zu Weihnachten 1911 gab Tyson für die WSPU An Anti-Suffrage Alphabet, entworfen von Laurence Housman, heraus. Es enthält Spottverse über die ungerechte Unterordnung entrechteter Frauen gegen die Gegner des Frauenwahlrechts und in den Suffragetten-Farben Violett und Grün von mehreren Künstlerinnen geschaffene Illustrationen.
Anfang März 1912 beteiligte sich Tyson zusammen mit über 100 anderen Frauen an einer Protestaktion der WSPU in Form von Einschlagen von Schaufenstern im Zentrum Londons. Die Frauen verbargen große Steine und Hämmer unter ihren Röcken und zerstörten in einer koordinierten Aktion Schaufenster in der Regent Street, der Oxford Street und in der Umgebung. Sie wurde am 9. März verhaftet und vor dem Bow Street Magistrates’ Court zu einer Strafe im Holloway Prsion veruteilt. Im April 1912 ging sie in Hungerstreik und wurde, nachdem sie über drei Tage Wasser und Essen verweigert hatte, zwangsernährt. Im Mai 1912 wurde sie entlassen. Von Anfang Mai ist ein längerer Brief von Tyson an ihre Mutter und ihre Schwester Diana auf dem Briefpaper des Gefängnisses erhalten.
Nach ihrer Freilassung wurde sie von der WSPU-Führung mit der sogenannten „Hungerstreik-Medaille“ For Valour, datiert auf den 4. März 1912, dem Höhepunkt der Kampagne, ausgezeichnet. Tyson war eine von 68 Frauen, die ihre Unterschrift oder Initialen auf das von den Gefangenen in Holloway im März 1912 bestickte sogenannte „Suffragetten-Taschentuch“ setzten.
Tyson ist in der sogenannten Roll of Honour of Suffragette Prisoners der Suffragette Fellowship aufgeführt.
Tyson starb im Alter von 75 Jahren im Haus ihrer Nichte in East Sheen.
2009 wurde ein Wohnkomplex in West Dulwich, nahe Tysons Wohnort in Streatham, nach ihr als Leonora Tyson Mews benannt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Tyson, Leonora |
| ALTERNATIVNAMEN | Tyson, Leonora Helen; Wolff, Leonora Helen |
| KURZBESCHREIBUNG | englisch-britische Suffragette |
| GEBURTSDATUM | 13. August 1883 |
| GEBURTSORT | Bradford, Yorkshire, England, Vereinigtes Königreich |
| STERBEDATUM | 4. Februar 1959 |
| STERBEORT | East Sheen, London, England, Vereinigtes Königreich |