Der Leseturm war ein geplantes Gebäude in Wien. Es wurde ein schmales Hochhaus von zuerst 67, dann 57 m Höhe von Manfred Ortner und Laurids Ortner, den Architekten des Wiener MuseumsQuartiers als architektonisches Wahrzeichen dieses kulturellen Großbauvorhabens geplant, wurde aber dann nach heftigen, jahrelangen Debatten wegen anhaltender Widerstände nicht verwirklicht. Geplant war anfangs ebenso ein Medienturm, der auch nie verwirklicht wurde.
Manfred und Laurids Ortners Ende April 1990 als Ergebnis eines zweistufigen Architektenwettbewerbs prämierter Entwurf für eine Art Wiener Centre Pompidou im Bereich der alten Hofstallungen (später Messepalast) fand zunächst ein sehr positives Medienecho. Zunehmenden Widerstand erregte jedoch der als „Zeichen nach außen“ und Signal der Modernität vorgesehene Leseturm, ein zunächst gläsern und gleichsam transparent präsentiertes Hochhaus, auf sehr schmalem, nahezu elliptischen Grundriss. Der Leseturm hätte unmittelbar hinter dem Trakt Fischer von Erlachs als moderner Kontrapunkt zu den Museumsbauten Gottfried Sempers und dem unvollendet gebliebenen Kaiserforum stehen sollen.
Eine Bürgerinitiative sammelte Tausende von Unterschriften und fand Unterstützung unter anderem beim prominenten Querdenker Günther Nenning. Die mächtige, populären Anliegen stets aufgeschlossene Kronen Zeitung Hans Dichands machte sich zum Sprachrohr jener, die in der unmittelbaren Nähe der Wiener Ringstraße kein Hochhaus dulden wollten. Die Gebrüder Ortner waren zudem zur gleichen Zeit mit einem ähnlich umstrittenen Vorhaben in Innenstadtnähe, dem Hochhausprojekt Wien Mitte, engagiert, was die Konfrontation zu einer grundsätzlichen machte. Ein medial wenig rezipierter aber von viel Prominenz, etwa Sir Ernst Gombrich und Ieoh Ming Pei unterzeichneter internationaler Protestaufruf namhafter Kunsthistoriker wandte sich im Mai 1993 gegen das Ortner-Konzept und seinen Leseturm. Schlussendlich wurde auf den Bau des Leseturms, sehr zum Bedauern der Architekten, auf Betreiben der Wiener Stadtpolitiker Ursula Pasterk und Helmut Zilk im Oktober 1994 verzichtet.
Am 29. März 1995 wurde die Entscheidung für den Bau des MuseumsQuartiers ohne den vorgesehenen Leseturm getroffen. Er blieb Ungebautes Wien. Von Seiten anderer Architekten war auch die Funktionalität der schmalen Struktur mit ihren zehn Doppelgeschoßen und ihren räumlich durch die notwendige Infrastruktur (Treppen, Lifts, Nassräume) sehr eingeschränkten „Salons“ in Frage gestellt worden.