
Lili Fischer (* 11. Juni 1947 auf dem Priwall in Lübeck-Travemünde) ist eine deutsche Künstlerin, Kunstpädagogin und ehemalige Professorin an der Kunstakademie Münster. Sie entwickelte eine eigene künstlerische Arbeitsweise, indem sie die ethnologische Feldforschung auf die bildende Kunst übertrug.
Lili Fischer ist die Tochter des Diplomingenieurs Hans Fischer und von Helene Reins und wuchs auf dem Priwall bei Travemünde und in Hamburg auf.
Sie studierte nach dem Abitur (1966) bei Dietrich Helms, Gotthard Graubner und Franz Erhard Walther an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Sie legte 1973 ihr Examen als Kunsterzieherin ab. Sie studierte zudem Kunstgeschichte, Ethnologie und Pädagogik an der Universität Hamburg und beschäftigte sich dabei insbesondere mit Ritualen der Beseelung. 1978 wurde sie mit einer Arbeit über Animation (im Sinne von Beseelung) an der Universität Hamburg im Fach Ethnologie promoviert.
Seither ist Fischer als freischaffende Künstlerin tätig. Sie übernahm an Universitäten und Kunstakademien in Essen, Mainz, Kassel, Frankfurt am Main und Berlin Lehraufträge und Gastprofessuren. 1994–2013 war sie als Professorin für Performance und Feldforschung an der Kunstakademie Münster tätig.
Fischer lebt und arbeitet in Hamburg.
Fischers Kunst entstand in den 1970er-Jahren im Umfeld von Happenings, der Fluxus-Bewegung und der künstlerischen Spurensicherung. Sie nutzte Methoden der Feldforschung für die Beobachtung von Alltagsgegenständen, menschlichem Verhalten und von Pflanzen und Tieren und übertrug die Ergebnisse in ihre Kunst. Ihre Arbeiten beschäftigen sich mit Natur- und Alltagsphänomenen, Rollenbildern, Ritualen und Bräuchen.
Sie zeichnet einerseits, um Gegenstände näher zu untersuchen und andererseits, um ihre Performances vorzubereiten und zu dokumentieren. Die Zeichnungen führt sie typischerweise mit Bleistift oder Tusche mit einem zum Teil ausladenden, kalligrafischen Duktus aus und erstellt mit ihnen Drehbücher für Bewegungsabläufe und Handlungsanweisungen.
Im Jahr 1983 lud sie zu einer Pflanzenkonferenz als Form partizipativer Kunst in die Hamburger Kunsthalle ein, wobei Besucher ihre eigenen Pflanzen mitbringen mussten. Während der Aktion wurden Kräuteranwendungen erprobt, Tee gereicht und die Teilnehmer wählten die schließlich die Brennnessel zum Friedenskraut und richteten hierfür eine Resolution an den Hamburger Bürgermeister.
Die Performance Besentanz (1986) war eine Auseinandersetzung mit Vorurteilen gegenüber Frauen; sie forderte die männlichen Zuschauer auf zum Aufschreiben ihrer negativen Ansichten über Frauen auf und benutzte anschließend Besen als Tanzrequisiten. Ebenfalls auf Geschlechterrollen, Konventionen und Bräuche bezog sich die Werkgruppe Mitgift und Beziehungskiste. Ihre Performance Waschlappendemo wurde in der Neuen Galerie auf der documenta 8 (1987) gezeigt.
In weiteren Werkphasen widmete sich Fischer wenig beachteten Tieren und Pflanzen; hierzu zählten Motten, Schnaken und Igeln, zu deren Körpern und Bewegungen sie Zeichnungen anfertigte, Objekte schuf und Performances durchführte. So übertrug sie im Jahr 2005 Schnaken in überdimensional vergrößerte und raumgreifende Objekte. Ihre Installation Testflug der Schnaken (2008) enthielt dreidimensionale Insektenobjekte, Zeichnungen und sogar einen interaktiven Schnakensimulator, mit dem Besucher die Objekte bewegen konnten. Anlässlich einer Igelstunde (2015) im Jenisch-Haus in Hamburg animierte sie die Besucher zur Auseinandersetzung mit den Bewegungen und Lauten eines Igels und einen Igelschnaubtanz durchzuführen.
Fischer nahm an zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen teil. 1984 war sie an der von Kasper König kuratierten Gruppenausstellung Von hier aus – Zwei Monate neue deutsche Kunst in Düsseldorf beteiligt. 1992 stellte sie im Kunstverein Ingolstadt aus.
Sie erhielt anlässlich der Verleihung des Kunstpreises der Schleswig-Holsteinischen Wirtschaft im Jahr 2008 eine Ausstellung mit Zeichnungen und Objekten zu Motten und Schnaken auf Schloss Gottorf.
Von Oktober 2018 bis Februar 2019 widmete die Hamburger Kunsthalle Fischers Zeichnungen die Einzelausstellung Lili Fischer: Alles beginnt mit Zeichnen … mit Werke aus verschiedenen Schaffensphasen. Von Dezember 2018 bis März 2019 zeigte das Museum Ostwall im Dortmunder U die Ausstellung Lili Fischer: Schnakengeist. Hierbei wurden Objekte und zeichnerische Studien der Werkgruppe Schnaken gezeigt und durch Arbeiten aus früheren Projekten, darunter Mitgift und Beziehungskiste, ergänzt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Fischer, Lili |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Künstlerin und Kunstpädagogin |
| GEBURTSDATUM | 11. Juni 1947 |
| GEBURTSORT | Lübeck-Travemünde |