Lin May

Lin May (* 30. April 1973 in Würzburg; † 30. August 2023 in Berlin), voller Name Lin May Saeed, war eine deutsch-irakische Bildhauerin und Tierrechtsaktivistin.

Leben und Werdegang

Lin May Saeed wuchs in Wiesbaden auf. Sie hatte mütterlicherseits einen jüdisch-deutschen und väterlicherseits einen irakischen Familienhintergrund.

Saeed studierte von 1995 bis 2001 Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf bei Luise Kimme und Tony Cragg. Dort begann sie sich für Tierrechte zu interessieren, befasste sich mit dem Tierrechtsphilosophen Tom Regan und nahm an entsprechenden Aktionen (z. B. Protesten gegen Pelztierhandel) teil. Sie lebte seitdem vegan.

Nach ihrem Umzug von Düsseldorf nach Berlin gründete sie 2003 den Ausstellungsraum Center in Berlin-Tiergarten, den sie bis 2009 betrieb. Von 2008 bis 2010 hielt Lin May Saeed einen Lehrauftrag für Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf.

Lin May Saeed starb am 30. August 2023 an den Folgen eines Hirntumors im Alter von 50 Jahren, zwei Wochen vor der Eröffnung ihrer Einzelausstellung im Georg Kolbe Museum in Berlin.

Werk

Inhaltlich befasste sich Lin May Saeed fast zwei Jahrzehnte mit dem Verhältnis zwischen Mensch und Tier und der Zerstörung des Lebensraums der Tierwelt durch den Menschen, beginnend mit dem Sesshaftwerden im Neolithikum. Ihre Skulpturen, Reliefs, Tore und Scherenschnitt-Installationen beschäftigen sich mit der Ausbeutung der Tiere, ihrer Befreiung sowie der Utopie einer friedlichen Koexistenz von Tier und Mensch.

Saeeds Arbeiten sind meist aus Styropor, Pappe und Werkzeugstahl gefertigt. Insbesondere verwendete sie Styropor für ihre Arbeiten, da aus ihrer Sicht in ferner Zukunft nicht Bronze oder Marmor als bildhauerisches Material Zeugnis menschlichen Schaffens ablegen werden, denn sie würden irgendwann verfallen, Styropor hingegen bleibe intakt. Es steht für die Künstlerin als Mahnung der Auswirkungen des Menschen auf die Umwelt, dient jedoch zugleich als emanzipatorisches Material, das auch ohne viel Körperkraft leicht zu bearbeiten ist.

Ihr ikonografischer Bezugsrahmen umfasst unter anderem ägyptische Statuen, griechisch-römische Skulpturen sowie die Mythenwelt des Kulturraums Mesopotamiens.

Das Thema Tierrechte aus der weiblichen Perspektive darzustellen, war ein weiteres Anliegen der Künstlerin, da die vielen Frauen, die Teil der Bewegung sind, aus ihrer Sicht öffentlich kaum wahrgenommen werden. In ihren neueren Werken befasste sich Lin May Saeed darüber hinaus mit Speziesismus, der Diskriminierung nicht-menschlicher Spezies durch den Menschen in der anthropogen (auf die Bedürfnisse des Menschen) ausgerichteten Welt. Dabei verstand sie sich nicht nur als Künstlerin, sondern auch als politische Aktivistin.

Ausstellungen (Auswahl)

Einzelausstellungen

Gruppenausstellungen

Bibliographie

Stipendien

Einzelnachweise

  1. ↑ In Gedenken an Lin May Saeed (1973-2023). Georg Kolbe Museum, Berlin, 31. August 2023, abgerufen am 8. Oktober 2023.
  2. ↑ Robert Wiesenberger: Speciesism. On the Work of Lin May Saeed, in: Lin May Saeed: Arrival of the Animals. Hrsg.: Robert Wiesenberger. Clark Art Institute, Williamstown, MA, Yale University Press, 2020, ISBN 978-0-300-25086-2, S. 12 (englisch).
  3. 1 2 Von Aktivismus, Beuys und Tüpfelhyänen von Sabine Weier Schirn, Magazin der Schirn Kunsthalle Frankfurt, aufgerufen am 12. Mai 2022
  4. ↑ Catherine Peter: Abschied von Lin May Saeed | WELTKUNST. In: WELTKUNST, das Kunstmagazin der ZEIT. 1. September 2023, abgerufen am 2. September 2023.
  5. ↑ Vegane Künstlerin Lin May Saeed: Kunst und Tierbefreiung von Patrick Siegmund Deutschland ist vegan, aufgerufen am 12. Mai 2022
  6. ↑ Lin May Saeed – The Herd at the Watering Hole. In: kasteelwijlre.nl/nl. Abgerufen am 20. Juni 2025.
  7. ↑ Jacky Strenz. Exhibitions. 2021 Jacky Strenz, aufgerufen am 12. Mai 2022
  8. ↑ Ausstellung. Wildnis. 1. November 2018 – 3. Februar 2019 Schirn Kunsthalle Frankfurt, aufgerufen am 12. Mai 2022
Personendaten
NAME May, Lin
ALTERNATIVNAMEN Lin May Saeed
KURZBESCHREIBUNG deutsch-irakische Bildhauerin
GEBURTSDATUM 30. April 1973
GEBURTSORT Würzburg
STERBEDATUM 31. August 2023
STERBEORT Berlin