Linden-Museum

Linden-Museum Stuttgart. Staatliches Museum für Völkerkunde

Das Linden-Museum (2019)
Daten
Ort Stuttgart, Deutschland
Art
Völkerkundemuseum
Architekt Bihl & Woltz, Georg Eser
Eröffnung 28. Mai 1911
Besucheranzahl (jährlich) 45.000 (2024)
Leitung
Website
ISIL DE-MUS-129413

Das Linden-Museum in Stuttgart am Hegelplatz ist ein staatliches Museum für Völkerkunde. Das Museum wird vom Land Baden-Württemberg getragen; die Landeshauptstadt Stuttgart beteiligt sich zur Hälfte an der Finanzierung. Es gehört zu den größten Völkerkundemuseen in Europa. Insgesamt beherbergt das Museum rund 160.000 Kunst-, Ritual- und Alltagsobjekte aus Afrika, Nord- und Lateinamerika, dem Islamischen Orient, Süd- und Südostasien, Ostasien sowie Ozeanien. Präsentiert werden Sonder- und Dauerausstellungen. Direktorin des Museums ist Ines de Castro. Das Budget des Museums lag 2025 bei 4,84 Millionen Euro.

Geschichte

Graf Karl von Linden, Namensgeber des Linden-Museums Stuttgart

Führende Wirtschaftsvertreter aus der Region Stuttgart gründeten 1882 die Kolonialgesellschaft „Württembergischer Verein für Handelsgeographie und Förderung Deutscher Interessen im Ausland e. V.“ (später Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde zu Stuttgart e. V.) mit dem Ziel der Förderung von Erdkunde, Wirtschaft und Kultur. Der Name des Museums geht auf den Vorsitzenden des Vereins, Graf Karl von Linden (1838–1910), zurück, der jedoch vor der Einweihung verstarb. Das gastliche Haus des Grafen war damals einer der Mittelpunkte des geistigen Lebens in Stuttgart. Im Jahre 1889 wandelte Linden das daraus hervorgegangene so genannte Handelsgeographische Museum in der Gewerbehalle in ein auf wissenschaftlichen Grundsätzen basierendes Völkerkundemuseum um. Maßgebliche finanzielle Beiträge zum Aufbau der Sammlung leistete auch der letzte württembergische König Wilhelm II.

Das noch heute genutzte neoklassizistische Gebäude wurde nach den Plänen des Architekten Georg Eser gemeinsam mit der Stuttgarter Architektensozietät Bihl & Woltz im Jahr 1911, nach rund 18 Monaten Bauzeit, fertiggestellt und am 28. Mai 1911 eröffnet. Zu diesem Zeitpunkt zählten die Sammlungen bereits rund 63.000 Objekte.

Über 60 Jahre wurde das Museum privat durch den Betreiberverein geführt. Das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart übernahmen 1973 die öffentliche Trägerschaft für das Linden-Museum als Staatliches Museum für Völkerkunde. Die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde zu Stuttgart e. V. als Förderverein des Linden-Museums leistet weiterhin erd- und völkerkundlichen Vermittlungsarbeit.

Inhaltliche Ausrichtung ab 2000

Bodhisattva Padmapani, Kashmir 10. Jh.

Das Linden-Museum zeigt die kulturelle Vielfalt, erschließt kulturelle Kontexte und erklärt deren gesellschaftliche Relevanz. Es behandelt Grundthemen der Menschheit wie Gesellschaft, Identität, Kulturwandel oder Glaubensvorstellungen. Das Museum versteht sich als Ort für das interkulturelle Lernen und die Begegnung mit anderen Kulturen. Begleitprogramme wie Workshops, Vorträge, Konzerte, Vorführungen von Tanz bis Zeremonie, Filme, Thementage, Kinderveranstaltungen und Spezialführungen ergänzen das Ausstellungsangebot. Für Schulen und Kindergärten sowie die Erwachsenenbildung gibt es ausdifferenzierte Führungsprogramme.

Idia-Elfenbeinanhänger, Edo / Benin, um 1500. Bis 2022 in der Afrika-Sammlung des Linden-Museums Stuttgart

Neubauprojekt/Sanierung

Aufgrund der nicht mehr zeitgemäßen räumlichen Situation wurde über einen längeren Zeitraum ein Neubau für das Linden-Museum auf dem künftig freiwerdenden Gelände im Rahmen des Neubaus des Stuttgarter Hauptbahnhofs diskutiert. 2023 wurde vom Verwaltungsrat des Museums der Grundsatzbeschluss gefasst, dass eine Erweiterung und ein Umbau des bestehenden Gebäudes erfolgen soll. Konkrete Pläne zur Umsetzung liegen noch nicht vor.

Vermittlungsbereiche

Das Linden-Museum hat vielfältige Möglichkeiten geschaffen, Wissen und Kultur zu vermitteln, die auf verschiedene Zielgruppen zugeschnitten sind.

Kinder können die Ausstellungen spielerisch erfahren, etwa durch experimentelle Forschungsaufträge oder kindgerechte Medien. Darüber hinaus ermöglichen spezielle Programme wie Führungen, Ferienaktivitäten und Workshops einen altersgerechten Zugang zu Kunst, Kultur und der Geschichte der Sammlungen. Für Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 14 Jahren gibt es einen Jugendclub, der eine vertiefte Beschäftigung mit ausgewählten Ausstellungen und Sammlungsobjekten ermöglicht. In diesem Rahmen entstehen kreative Projekte wie Themenhefte oder Präsentationen. Schulklassen erhalten die Möglichkeit, an Workshops und Führungen teilzunehmen, die dem Wissensstand der Schülerinnen und Schüler angepasst sind. Zusätzlich gibt es Veranstaltungen zur pädagogischen Weiterbildung, die sich an Lehrerinnen und Lehrer sowie pädagogische Fachkräfte richten.

Ausstellungen und wissenschaftliche Arbeit

Initiative für ethnologische Sammlungen

Das Linden-Museum Stuttgart verfügt über die größte Kamerun-Sammlung in Deutschland. Diese umfasste insgesamt 16.670 Inventarnummern, von denen 2023 noch 8871 im Bestand waren. Das Linden-Museum, wie auch das ethnologische Museum am Rothenbaum – Kulturen und Künste der Welt (MARKK) in Hamburg, gestalten ihre Einrichtungen um. Als erstes werden die Afrika-Abteilungen neu konzipiert. Die Kulturstiftung des Bundes unterstützt diesen Wandel von 2018 bis 2022 mit jeweils 1 Mio. Euro. Mit diesen Geldern sollen

entwickelt werden.

Forschungsprojekte

Das Museum ist Partner in nationalen und internationalen Forschungsprojekten: „Schwieriges Erbe – zum museologischen und wissenschaftlichen Umgang mit kolonialzeitlichen Objekten in ethnologischen Museen“ (2016–2018), EU-Projekt „SWICH – Sharing a World of Inclusion, Creativity and Heritage“ (2014–2018), „Mensch-Ding-Verflechtungen in indigenen Gesellschaften: intra- und transkulturelle Prozesse objektbasierten Wissensaustauschs in den Guyanas“ (2014–2017), „Khurasan – Land des Sonnenaufgangs“ (2014–2017). Ferner betreibt das Linden-Museum Stuttgart Provenienzforschung zur NS-Zeit (2016/17).

Sonderausstellungen

Neben Dauerausstellungen zu außereuropäischen Kulturen zeigt das Museum regelmäßig Sonderausstellungen, darunter:

Königsmaske Peru, 4. Jh.

Direktoren

Publikationen

Abteilungsführer
Ausstellungskataloge
Tribus – Jahrbuch des Linden-Museums, seit 1951 (aktuell Nr. 68, 2019)

Literatur

(chronologisch geordnet)

Commons: Linden-Museum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Staatshaushaltsplan 2025/2026 - Einzelplan 14 - Kapitel 1487 Linden-Museum Stuttgart. (PDF) Ministerium für Finanzen Baden-Württemberg, 18. Dezember 2024, abgerufen am 26. Oktober 2025.
  2. ↑ Biografie (Memento vom 2. März 2012 im Internet Archive), abgerufen am 4. Februar 2013
  3. ↑ Heidelberger historische Bestände, letzter Absatz eingereicht unter „Blümele“, abgerufen am 5. Mai 2012
  4. ↑ Heidelberger historische Bestände, abgerufen am 5. Mai 2012
  5. ↑ Linden-Museum soll saniert und erweitert werden. Staatsministerium Baden-Württemberg, 25. Juli 2023, abgerufen am 26. Oktober 2025.
  6. ↑ Linden-Museum Stuttgart: Der neue Glanz muss warten. Stuttgarter Nachrichten, 12. Januar 2024, abgerufen am 26. Oktober 2025.
  7. ↑ Das Linden-Museum in Stuttgart - FamilienkulTour. Archiviert vom Original am 3. August 2013; abgerufen am 12. Januar 2025.
  8. ↑ Kinder & Jugend im Museum. In: Linden-Museum Stuttgart. 12. Januar 2024, abgerufen am 1. Dezember 2024.
  9. ↑ Schule im Museum. In: Linden-Museum Stuttgart. Abgerufen am 1. Dezember 2024.
  10. ↑ Sebastian-Manès Sprute: Dislokation des kamerunischen Kulturerbes in Zahlen. In: Assilkinga, Mikaél et al. (Hrsg.): Atlas der Abwesenheit: Kameruns Kulturerbe in Deutschland. Reimer Verlag, Heidelberg 2023, ISBN 978-3-496-01700-4, S. 45.
  11. ↑ Initiative für ethnologische Sammlungen | Kulturstiftung des Bundes. 15. März 2019, archiviert vom Original am 15. März 2019; abgerufen am 21. März 2024.
  12. ↑ Schweres Erbe: Was sollen ethnologische Museen zeigen? (Memento vom 29. Juli 2017 im Internet Archive), Interview mit Projektkoordinator Jan Hinrichsen im Deutschlandfunk Kultur vom 29. Juli 2017
  13. ↑ Ausstellungsinformation Maori (Memento vom 6. Oktober 2012 im Internet Archive), abgerufen am 22. September 2012.
  14. ↑ Linden-Museum Maya-Code
  15. ↑ Linden-Museum Inka
  16. ↑ Linden-Museum Azteken
  17. ↑ Linden-Museum Schwieriges Erbe
  18. ↑ Schwieriges Erbe: Werkstattgespräch in der Mediathek
  19. ↑ Adrienne Braun: Württembergs schwieriges Kolonialerbe. In: Stuttgarter Nachrichten. 18. März 2021, abgerufen am 15. Mai 2022.
  20. ↑ Linden-Museum Chapter Germany
  21. ↑ Linden-Museum Ozeanien
  22. ↑ Adrienne Braun: Warum in der Ozeanien-Ausstellung viele Fragen offen bleiben. In: Stuttgarter Nachrichten. 12. April 2022, abgerufen am 15. Mai 2022.
  23. ↑ Linden-Museum Being in Place
  24. ↑ Vergangene Sonderausstellungen. Linden-Museum Stuttgart, abgerufen am 26. Oktober 2025.
  25. ↑ Vergangene Sonderausstellungen. Linden-Museum Stuttgart, abgerufen am 26. Oktober 2025.
  26. ↑ Celebrating Womanhood. Linden-Museum Stuttgart, abgerufen am 26. Oktober 2025.
  27. ↑ Digitalisat frei zugänglich auf digi-HUB (Ausgaben Nr. 2 bis 63), abgerufen am 24. August 2020

Koordinaten: 48° 46′ 57″ N, 9° 10′ 13″ O