Büchsenkrautgewächse

Büchsenkrautgewächse

Torenia glabra

Systematik
Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Büchsenkrautgewächse
Wissenschaftlicher Name
Linderniaceae
(Rchb.) Borsch, Kai Müll. & Eb.Fisch.

Die Büchsenkrautgewächse (Linderniaceae) sind eine Pflanzenfamilie in der Ordnung der Lippenblütlerartigen (Lamiales). Je nach Autor gibt es 13 bis 22 Gattungen mit 195 bis 220 Arten, die fast weltweit von den Tropen bis in warmgemäßigte Gebiete verbreitet sind.

Beschreibung

Illustration von Artanema longifolium
Illustration aus Johann Georg Sturm (Zeichnung: Jacob Sturm), 1796 von Lindernia procumbens, Syn.: Lindernia pyxidaria auct.
Illustration von Schizotorenia atropurpurea
Illustration aus Favourite flowers of garden and greenhouse von Torenia fournieri

Vegetative Merkmale

Es handelt sich um ein-, zweijährige bis ausdauernde krautige Pflanzen oder Halbsträucher bis Sträucher. Die meisten Arten sind relativ klein und oft niederliegend bis kriechend, einige sind aufsteigend bis aufrecht. Es können Rhizome gebildet werden. Die oberirdischen Pflanzenteile sind kahl oder behaart. Die Sprossachsen sind vierkantig, zumindest am Anfang. Es werden oft an den Nodien Wurzeln gebildet.

Die grundständigen und meist gegenständig, selten wirtelig an der Sprossachse verteilt angeordneten Laubblätter sind gestielt oder sitzend. Manchmal sind die Blattstiele geflügelt. Die meist einfachen, ledrigen oder pergamentartigen Blattspreiten sind ganzrandig, gewellt, gekerbt oder gesägt. Die Blattnervatur ist handförmig. Es sind keine Nebenblätter vorhanden.

Generative Merkmale

Die Blüten stehen einzeln in den Blattachseln oder zu mehreren in seiten- oder endständigen traubigen oder kopfigen Blütenständen. Es sind keine Trag- und Deckblätter vorhanden. Es sind meist Blütenstiele vorhanden. Bei einigen Arten sind die Blüten resupiniert.

Die zwittrigen Blüten sind mehr oder weniger stark zygomorph und selten vier-, meist fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die selten vier, meist fünf haltbaren, grünen Kelchblätter sind mindestens an ihrer Basis zu einer Kelchröhre verwachsen; die freien Bereiche der Kelchblätter sind gleich oder ungleich. Die selten vier, meist fünf Kronblätter sind bis mindestens der Hälfte ihrer Länge zu einer Kronröhre verwachsen. Die innen drüsig behaarte Blütenkrone ist glocken- bis trichterförmig bis zweilippig. Die Kronoberlippe kann viel kürzer sein als die Unterlippe. Die Kronblätter können Anhängsel besitzen, die bei manchen Lindernia-Arten die Staubbeutel kappenförmig überdecken. Die Farbe der Blütenkrone ist weiß, purpurfarben bis blau; sie ist überall gleichgefärbt oder meist mit kontrastierenden Zeichnungen.

Es ist ein Nektardiskus vorhanden. Es ist nur der innere Staubblattkreis vorhanden. Die Staubblätter sind deutlich verschieden, meist sind vier oder seltener nur zwei oder fünf vorhanden, wobei wenn vier vorhanden sind die zwei oberen sehr verschieden zu den unteren sind. Das untere Paar Staubblätter kann reduziert sein oder fehlen. Die gebogenen oder knieförmigen Staubfäden sind mit der Kronröhre verwachsen und untereinander frei oder verwachsen; sie können Anhängsel, beispielsweise als Sporn ausgebildet, besitzen. Entweder sind alle Staubblätter fertil oder das untere Paar ist zu Staminodien reduziert. Die Staminodien sind mehr oder weniger Z-förmig mit gelblich granulärer Oberfläche und Anhängseln. Die dorsifixem Staubbeutel können untereinander frei sein oder miteinander verbunden sein. Die Theken sind parallel oder ihre oberen Enden neigen sich mehr oder weniger zueinander. Die blauen Pollenkörner sind selten fünf-, meist tricolpat. Die zwei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen, zweikammerigen Fruchtknoten verwachsen (bei Micranthemum manchmal nicht vollständig verwachsen). Je Fruchtknotenkammer sind 10 bis 50 orthotrope, unitegmische, tenuinucellate Samenanlagen in basaler oder zentralwinkelständiger Plazentation vorhanden. Der relativ lange Griffel endet in einer zweilappigen Narbe oder es sind zwei freie Griffel mit einfacher Narbe vorhanden. Die Narbenlappen sind sensitiv.

Die Kapselfrüchte öffnen sich scheidewandspaltig = septizid, unregelmäßig oder gelegentlich mit Poren und enthalten 15 bis 600 Samen. Die weißen, gelben oder goldenen Samen sind zylindrisch, ellipsoid, länglich bis schmal verkehrt-kegelförmig oder unregelmäßig kantig. Die Samen sind ungeflügelt. Das Endosperm ist ruminat. Der Embryo besitzt zwei Keimblätter (Kotyledonen).

Chromosomensätze

Die Chromosomengrundzahlen betragen x = 7 bis 9 oder 12 bis 14.

Ökologie

Alle Arten der Linderniaceae sind autotroph. Einige Arten der Gattung Craterostigma sind austrocknungstolerante (poikilohydre Pflanzen).

Die Bestäubung erfolgt meist durch Insekten (Entomophilie).

Systematik und Verbreitung

Der erste Name für diese Verwandtschaftsgruppe war Lindernieae Rchb. und wurde 1831 durch Ludwig Reichenbach in Fl. Germ. Excurs. Band 1, Nummer 3, S. 385. Dies stellt keinen gültigen Namen für eine Familie dar; deshalb veröffentlichte Thomas Borsch, Kai Müller und Eberhard Fischer 2005 für diese Familie den Namen Linderniaceae in The Linderniaceae and Gratiolaceae are further lineages distinct from the Scrophulariaceae (Lamiales). in Plant Biology, Volume 7, Issue 1, 2005, S. 67–78. Typusgattung ist Lindernia All. Der Gattungsname Lindernia ehrt den deutsch-französischen Arzt und Botaniker Franz Balthasar von Lindern (1682–1755).

Botanische Geschichte

Die Gattungen, die in die Familie Linderniaceae gestellt werden, gehörten traditionell zur Tribus Gratioleae in der Familie Scrophulariaceae D.Don, oder sie wurden zu den Familien Plantaginaceae oder Veronicaceae gerechnet. Oxelman et al. 2005 und Rahmanzadeh et al. 2005 waren daran beteiligt die Scrophulariaceae neu zu definieren und dabei war es erforderlich die Familie Linderniaceae zu reaktivieren um natürliche Verwandtschaften darzustellen.

Fischer et al. 2013 erarbeiteten durch eine breite Sammlung an Taxa eine Phylogenie der Familie Linderniaceae als monophyletische Verwandtschaftsgruppe. Dabei wurde der Umfang einiger Gattungen auch deutlich verändert.

Molekulargenetische Daten und die Inhaltsstoffe zeigen auch die Stellung der Familie Linderniaceae im System innerhalb der Ordnung. Nach Angiosperm Phylogeny Group APG III 2009 gehört die Familie Linderniaceae zur Ordnung Lamiales.

Der Umfang der Familie Linderniaceae wird kontrovers diskutiert.

In der Familie Linderniaceae gab es 2005 etwa 13 Gattungen mit etwa 195 Arten:

Gattungen und ihre Verbreitung

Die Familie Linderniaceae gedeiht mehr oder weniger weltweit von den Tropen bis in die warmgemäßigten Gebieten. Das Diversitätszentrum der Familie Linderniaceae liegt in der Paläotropis.

Nach Olmstead 2016 gehören zur Familie Linderniaceae etwa 18 Gattungen mit 220 bis 250 Arten, nach 2016 wurden mehrere weitere Gattungen aufgestellt und der Umfang mancher Gattungen wird kontrovers diskutiert:

Nutzung

Die als Zierpflanze Clowngesicht, Torenie, oder Samtgesicht genannten Torenia-Hybriden (Torenia fournieri ist ein Elternteil) werden als Zierpflanzen für Zimmer und als Beet- und Balkonpflanzen in den gemäßigten Breiten kultiviert.

Bilder

Bei den als Zierpflanze Clowngesicht, Torenie, oder Samtgesicht genannten Torenia-Hybriden ist ein Elternteil Torenia fournieri: Torenia fournieri:

Lindernia crustacea:

Micranthemum umbrosum (J.F.Gmel.) S.F.Blake (Rundblättriges Perlenkraut):

Quellen

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Die Familie Linderniaceae bei der APWebsite. zuletzt eingesehen am 5. Februar 2022.
  2. 1 2 3 R. Rahmanzadeh, K. Müller, E. Fischer, D. Bartels, T. Borsch: The Linderniaceae and Gratiolaceae are further lineages distinct from the Scrophulariaceae (Lamiales). In: Plant Biology, Volume 7, Issue 1, 2005, S. 67–78. doi:10.1055/s-2004-830444 PDF.
  3. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 Richard Glenn Olmstead (Herausgeber): A Synoptical Classification of the Lamiales. Version 2.6.2 (2016 in prog.). 20 Seiten. PDF (Memento des Originals vom 20. Juli 2020 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis..
  4. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 Thomas Borsch, Kai Müller, Eberhard Fischer: In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 17: Magnoliophyta: Tetrachondraceae to Orobanchaceae, Oxford University Press, New York und Oxford, 2019, ISBN 978-0-19-086851-2. Linderniaceae. S. 352–353 - textgleich online in der Beta-Version wie gedrucktes Werk.
  5. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 Die Familie Linderniaceae bei The Families of Angiosperms von L. Watson, M. J. Dallwitz: DELTA.
  6. 1 2 3 4 5 6 7 M. J. M. Christenhusz: Flora Mesoamericana, Volume 5, 1, 224: Linderniaceae, 2009 S. 1–12. PDF.
  7. 1 2 Linderniaceae bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 5. Februar 2022.
  8. ↑ Lotte Burkhardt: Eine Enzyklopädie zu eponymischen Pflanzennamen: Von Menschen & ihren Pflanzen. Berlin: Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Freie Universität Berlin, 2022. doi:10.3372/epolist2022
  9. ↑ The Angiosperm Phylogeny Group: An update of the Angiosperm Phylogeny Group classification for the orders and families of flowering plants: APG III. In: Botanical Journal of the Linnean Society, Volume 161, Issue 3, 2009, S. 105–121. doi:10.1111/j.1095-8339.2009.00996.x
  10. 1 2 3 Ed Biffin, W. B. Barker, Bruce Wannan, Yi-Shuo Liang: Corrigendum to: The phylogenetic placement of Australian Linderniaceae and implications for generic taxonomy. In: Australian Systematic Botany, Volume 31, Issue 4, Dezember 2018, S. 373–373. doi:10.1071/SB17058_CO
  11. ↑ Linderniaceae im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 16. März 2014.
  12. 1 2 3 4 E. M. Almeida, A. M. Wanderley, A. D. S. Santos, J. I. M. De Melo, G. Souza, F. R. D. C. Batista, M. J. Christenhusz, L. P. Felix: Two new genera and species of Linderniaceae (Lamiales) from inselbergs in northeastern Brazil: morphological and karyological evidence. In: Phytotaxa, Volume 400, Issue 4, April 2019, S. 215–226. doi:10.11646/phytotaxa.400.4.1
  13. ↑ Lindernia dubia. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science, abgerufen am 14. November 2025.
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