Lisa de Boor (* 23. Juli 1894 in Kirchhain; † 7. März 1957 in Marburg) war eine deutsche Lyrikerin, Schriftstellerin und Anthroposophin.
Lisa de Boor wurde als Elisabeth Hüttel als Tochter eines Lehrers geboren. 1914 heiratete sie den Offizier und Juristen Wolfgang de Boor, mit dem sie in Holstein einen Hof nach lebensreformerischen Grundsätzen bewirtschaftete. Nach 1918 lebte sie mit ihrer Familie in einer Künstlerkolonie an der Ostsee und ab 1922 in Marburg, wo ihr Mann als Jurist tätig war. Ihr ältestes Kind, Ursula de Boor, war Kinderärztin und Widerstandskämpferin, Mitglied der candidates of humanity, die später von der Forschung als Weiße Rose Hamburg bezeichnet wurde. Der jüngere Sohn, Wolfgang de Boor (1917–2014) war Professor für forensische Psychiatrie und Konfliktforscher, der zweite Sohn Psychoanalytiker und Leiter des Sigmund-Freud-Institut, Clemens de Boor (1920–2005).
Lisa de Boor gründete 1924 zusammen mit Pfarrer Friedrich Rittelmeyer in Marburg die von Rudolf Steiners Ideen geprägte Gemeinde der Christengemeinschaft.
Während der Zeit des Nationalsozialismus fand de Boor Halt in ihrem anthroposophisch inspirierten christlichen Glauben. In dieser Zeit betreute sie ihre Tochter Ursula von Dezember 1943 bis April 1945 in fünf verschiedenen Haftanstalten. Außerdem kümmerte sie sich um ihre Mutter, die wegen eines Gemütsleidens in einer Nervenheilanstalt untergebracht war, und bewahrte sie vor der Euthanasie. Sie half zusätzlich den Angehörigen Verhafteter und wurde 1941 kurzzeitig selbst verhaftet.
Was Lisa de Boor für viele bedeutete, fasste der jüdische Privatdozent Karl Löwith, der einige Zeit im Haus der Familie zur Untermiete gelebt hatte, in die Worte: „Sie hat uns nach 1933 mit Vertrauen, Verständnis und Hilfsbereitschaft durch trübe Tage begleitet, und an sie denke ich noch heute vor allem bei dem Wort ‚Marburg‘“.
Ab 1945 war de Boor an der Wiedereinrichtung der Christengemeinschaft aktiv beteiligt. Bereits am 30. März 1945, dem Todestag Rudolf Steiners, fand der erste Lesegottesdienst in ihrem Haus statt. Im November 1945 gründete sie in ihrem Wohnzimmer mit acht Frauen einen überparteilichen Frauenausschuss, den späteren überparteilichen Frauenverband. Für Sitzungen und wöchentliche Sprechstunden stellte sie ihr Heim zur Verfügung.
Sie trug Wesentliches zum kulturellen Wiederaufbau Marburgs nach dem Zweiten Weltkrieg bei, u. a. bei der Gründung der Volkshochschule und in der Beratung des eben begründeten Marburger Schauspiels. Sie zählte außerdem zu den Mitbegründern der Marburger Freien Waldorfschule.
Durch ihre verwandtschaftlichen Beziehungen konnte sie amerikanische Spenden nach Marburg lenken und damit die Armut lindern.
Ihre erste Veröffentlichung war 1938 Paradies der ersten Frühe, die Geschichte ihrer Kindheit. Es folgten frühe Reisebeschreibungen – sie hatte zahlreiche Reisen u. a. nach Schweden, Frankreich und in die Sowjetunion unternommen – sowie zahlreiche Gedichtbände. In den erst 1963 veröffentlichten Tagebuchaufzeichnungen aus den Jahren 1938–1945 hielt sie die damaligen Ereignisse „wie in einem Zeitraffer stichwortartig fest“.
Die nachfolgend genannten Erzählungen und Aufsätze von Lisa de Boor wurden veröffentlicht in: „Die Neue Schau. Monatsschrift für das kulturelle Leben im Deutschen Haus“.
Die nachfolgend genannten Arbeiten von Lisa de Boor wurden ebenfalls veröffentlicht in: „Die Neue Schau. Monatsschrift für das kulturelle Leben im Deutschen Haus“.
Die nachfolgend genannten Arbeiten von Lisa de Boor wurden ebenfalls veröffentlicht in: „Die Neue Schau. Monatsschrift für das kulturelle Leben im Deutschen Haus“.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Boor, Lisa de |
| ALTERNATIVNAMEN | Boor, Elisabeth de |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Lyrikerin, Schriftstellerin und Anthroposophin |
| GEBURTSDATUM | 23. Juli 1894 |
| GEBURTSORT | Kirchhain |
| STERBEDATUM | 7. März 1957 |
| STERBEORT | Marburg |