Lise Enjalbert

Lise Enjalbert (* 1. Juli 1916 in Tiaret, Algerien; † 22. März 2015 in Toulouse, Frankreich) war eine französische Medizinerin, Bakteriologin und Hochschullehrerin. Sie war Professorin für Virologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Toulouse und gründete und leitete das erste Bakteriologie- und Hygienelabor in Toulouse.

Leben und Werk

Fassade des Hôtel-Dieu Saint-Jacques in Toulouse mit Spiegelungen in der Garonne

Enjalbert war die Tochter von Aimée Trulla und des Sektionschefs der algerischen Eisenbahn, Auguste Trulla. Nach dem Schulbesuch in Kabylie und Oren begann sie 1934 als eine von 10 weiblichen unter 120 männlichen Studenten ein Medizinstudium in Toulouse. Im Jahr 1941 promovierte sie mit einer Dissertation über die Probleme der serologischen Diagnose des Typhus.

Anschließend war sie Assistentin für Bakteriologie und Hygiene an der medizinischen Fakultät der Universität Toulouse. Sie ging 1949 mit ihrem Mann nach Boston, wo sie an der Harvard University im Laboratorium des Nobelpreisträgers John F. Enders forschte und die Methode der Gewebekultur des Poliomyelitisviruses kennenlernte. Nach ihrer Rückkehr nach Frankreich legte sie das Staatsexamen in Bakteriologie ab und gründete und leitete das erste Bakteriologie- und Hygienelabor in Toulouse. Sie erhielt 1956 eine Professur ohne Lehrstuhl und wurde 1965 Inhaberin des Lehrstuhls für Bakteriologie und Virologie, Krankenhausbiologin und Abteilungsleiterin.

Nach der Einführung der Virologie in den Krankenhäusern von Toulouse beteiligte sie sich an der Errichtung zentraler mikrobiologischer Laboratorien, entwickelte Vorschriften für die Krankenhaushygiene und gründete das Komitee zur Bekämpfung nosokomialer Infektionen.

Nach ihrer Pensionierung gründete sie 1985 die Association des amis de l'Hôtel-Dieu et de La Grave und schrieb zwei Bücher, 1989 über die Geschichte des Hôtel-Dieu Saint-Jacques in Toulouse und 1994 über die Geschichte des Hôpital de La Grave. Das Hôtel-Dieu Saint-Jacques wurde 1998 als Teil des Jakobsweges nach Santiago de Compostela in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.

Enjalbert war von 1988 bis 1990 die erste weibliche Präsidentin der Académie des Sciences Inscriptions et Belles Lettres de Toulouse, der sie seit 1964 angehört hatte.

Enjalbert starb 2015 im Alter von 98 Jahren.

Ehrungen

Veröffentlichungen (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Enjalbert. (matchid.io [abgerufen am 26. August 2022]).
  2. ↑ Lise Enjalbert Biographie, Publications, Notes et références, Bibliographie Wikipédia, l'encyclopédie libre. Abgerufen am 26. August 2022.
  3. ↑ Direct. Toulouse. Suivez l'inauguration de Téléo, le nouveau téléphérique urbain de Toulouse. Abgerufen am 26. August 2022 (französisch).
  4. ↑ Toulouse: Längste Stadtseilbahn Frankreichs eröffnet. Abgerufen am 26. August 2022.
Personendaten
NAME Enjalbert, Lise
KURZBESCHREIBUNG französische Medizinerin, Bakteriologin und Hochschullehrerin
GEBURTSDATUM 1. Juli 1916
GEBURTSORT Tiaret, Algerien
STERBEDATUM 22. März 2015
STERBEORT Toulouse, Frankreich