Liselotte Buchenauer

Liselotte Buchenauer (geb. am 20. Dezember 1922 in Graz; gestorben am 25. April 2003 ebenda) war eine österreichische Kletterin und Bergsteigerin, Bergschriftstellerin und Journalistin. Sie war eine der ersten Kletterinnen, die durch ihre Publikationen übers Bergsteigen besonders in der Steiermark bekannt wurde. Im Laufe ihres Lebens gelangen ihr mehrere Erstbesteigungen. Bekannt wurde sie mit ihren Büchern und Veröffentlichungen, die Bergerlebnise beschreiben, Kletterführer waren oder diese kommentierten.

Leben

Buchenauer wurde in Graz geboren und hat ihr gesamten Leben in dieser Stadt verbracht. Sie war Absolventin der Handelsakademie. Im Anschluss an die Matura war sie bei verschiedenen Unternehmen als Sekretärin und im Rechnungswesen tätig. 1973 hat sie sich Schriftstellerin und Kolumnisten selbstständig gemacht. 1983 wurde ihr eine Ehrenprofessur verliehen.

Liselotte Buchenauer starb im Alter von 80 Jahren und fand ihre letzte Ruhestätte auf dem evangelischen Friedhof von Graz-Neuhart.

Alpinistische Karriere

Bereits im kindlichen Alter begleitete sie ihre Mutter an Sonntagen auf vielen Wanderungen, bei denen sie insgesamt oft bis zu 30 Kilometer am Tag zurücklegten, da sie sich die Straßenbahnfahrkarten nicht leisten konnten und schon durch die Stadt wanderten. Früh begann sie auch mit dem Klettern und führte Touren bis zum Schwierigkeitsgrad IV-V durch. Man darf sie durchaus als Protagonistin großartiger österreichischer Alpinistinnen bezeichnen. So gelang ihr mit Johann Fruhmann 1948 etwa die Erstbesteigung des Schrein in den südlichen Schladminger Tauern. 1949 gelangen ihr im Hochschwab mit Grete Weiß geb. Satori die Erstbegehung der Ostwand des Kleinen Brandsteins und, mit Max Puntigam, die Erstbegehung des Kleinen Türndls über den Südostgrat.

Über dreitausend Bergtouren und Gipfel hat sie in ihrem Tourenbuch vermerkt, darunter zehn Neutouren, touristische Erst-Ersteigungen und manche frühe Wiederholung von Kletterrouten. Durch die äußeren Umstände der Zeit blieben ihr die „Weltberge“ verwehrt. Die Alpen boten ihr reichlich Ersatz.

Buchenauers große Liebe galt Gebieten, die Einsamkeit und Urtümlichkeit versprachen, wie den Niederen Tauern, der Schobergruppe oder eben dem Hochschwab-Gebiet.

Bücher und Veröffentlichungen

Liselotte Buchenauer galt als eine der produktivsten deutschsprachigen Bergschriftstellerinnen. Sie schrieb 17 Bücher und unzählige Beiträge und Kommentare in Zeitschriften. Sie war auch Mitarbeiterin einiger alpiner Zeitschriften wie etwa „Land und Berge“, freie Mitarbeiterin der „Kärntner Tageszeitung“ und Autorin von Alpenvereinsführern. Zwischen 1955 und 1987 gestaltete sie Hörfunksendungen im ORF.

Als Autorin hatte Liselotte Buchenauer überwiegend alpine Monografien verfasst. Ihr erstes Werk Hochschwab erschien 1960 und hat sich rasch zu einem Bestseller entwickelt. Auch ihre weiteren Werke wie Sanfte Kuppen – schroffe Berge (1977), Hohe Tauern, 2 Bände (1980/1981), Karnische Alpen (1986) oder Ein Leben mit den Bergen (1991), wurden mehrfach aufgelegt.

Was Buchenauers Bücher auch so wertvoll macht, ist der Umstand, dass die Grazerin vergessene Alpinliteraten wie Gustav Renker und Frido Kordon (Fridolin Anton Kordon-Veri) hervorhebt. Auch im bereits hohen Alter war sie eine streitbare Autorin, die durch pointierte Beiträge in Form von Leserbriefen in österreichischen Tageszeitungen präsent war.

Ihr Nachlass wird in der Steiermärkischen Landesbibliothek aufbewahrt und besteht aus umfangreichen Aufzeichnungen wie Tourenbücher und Reisetagebücher, Manuskripte und Materialsammlungen.

Ihre Bergbücher führen oft weit über die heute üblichen rein technischen Tourenbeschreibungen hinaus hin zu sehr persönlichen alpinen Monografien. Mitunter verwendete sie erfrischende Austriazismen, die auch in entsprechenden Wörterbüchern umfangreich Einzug hielten. (vgl. Wörterbuch der Austriazismen, Walter Klöpffer, 2000) Schon zu Beginn ihrer schriftstellerischen Laufbahn wurde ihr von Kritikern „Wortgewalt“ bescheinigt, ebenso die geglückte Mischung ihrer Darstellungen aus Poesie und Information, sowie vielseitiges Können, in dem federleichte Betrachtungen mit Tiefgang ebenso möglich sind wie die schwierige Kunst des Essays und Feuilletons. Auch Humor kam bei ihr nie zu kurz.

Stilistisch wurde sie oft mit Julius Kugy verglichen. In ihrem steirischen Heimatland auch mit Peter Rosegger.

Wahrnehmung und Kritik

Buchenauer war zeit ihres Lebens Angriffen ausgesetzt. Immer wieder war sie damit konfrontiert, dass ihr Frausein am Berg als negativ besetztes Ungleichstellungsmerkmal thematisiert wurde. In ihrer Jugend war es die direkte Ablehnung als Frau beim Klettern: Man(n) wollte ihr in einem Fall beim Einstieg in eine Tour das Seil wegnehmen. Buchenauer selbst beschrieb Geschlechterrollen als bedeutsam für die gesellschaftliche Schlechterstellung von Frauen. Zurückzuführen ist das, dass Bergsteigen gerade im deutschsprachigen Raum stark männlich konnotiert wurde. Der Raum der Bergwelt wurde vor allem Männern zugesprochen; Alpinismus wurde mit Heroismus und Männlichkeit gleichgesetzt. Dementsprechend wurde das Bild des Alpinismus von männlichen Helden dominiert, in dem eine lautstarke Frau eher störend wirkt. Die Attacken und die Herabsetzungen verlagerten sich in ihrem Alter immer mehr in das weitaus subtilere Feld sprachlicher Auseinandersetzungen. Selbst in Würdigungstexten klang unterschwellig Kritik und Herabsetzung an. So wurde sie als „Almliesl“ bezeichnet und als streitsüchtig dargestellt, wenn sie um ihr Recht kämpfte. Sie war mit ihren Touren und noch mehr mit ihren Publikationen darüber in mehrfacher Hinsicht in männliches Terrain eingedrungen.

Buchenauer zeigte auch einen teilweise beschämenden Umgang mit den Verbrechen des Nationalsozialismus. In diesem Zusammenhang stand sie ganz in der Tradition des zweifelhaften Umgangs Österreichs mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit, in der bis in die 1980er Jahre Österreich eher als Opfer gesehen wurde. So thematisierte sie in ihren Büchern und Veröffentlichungen die Entbehrungen der Kriegs- und Nachkriegsjahre ohne deren Ursache im Dritten Reich zu erwähnen. In ihrem 1991 erschienen Erinnerungsbuch ist tatsächlich von „Jüdischer Versippung“ die Rede und Zwangsarbeiter werden als ausländische Arbeitskräfte, die zum Teil nicht freiwillig gekommen seien, tituliert. Zwar wird ein erschütterndes Erlebnis eines Todesmarsches geschildert, der Zusammenhang mit nationalsozialistischen Verbrechen aber nicht erwähnt.

Auszeichnungen und Ehrungen

Weitere Werkauswahl

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Ute Sonnleitner: Geschlecht, Bergsport und Erinnerung. Ein Porträt der österreichischen Bergsteigerin Liselotte Buchenauer. In: Ariadne. Forum für Frauen und Geschlechtergeschichte (= Ariadne). FrauenBewegung: Geschlechtergeschichte und Sport, Nr. 69.2016. Stiftung Archiv der Deutschen Frauenbewegung, Kassel 2016, ISBN 978-3-926068-23-1, S. 56 (genderopen.de).
  2. 1 2 Ute Sonnleitner: Geschlecht, Bergsport und Erinnerung. Ein Porträt der österreichischen Bergsteigerin Liselotte Buchenauer. In: Ariadne. Forum für Frauen und Geschlechtergeschichte (= Ariadne). FrauenBewegung: Geschlechtergeschichte und Sport, Nr. 69.2016. Stiftung Archiv der Deutschen Frauenbewegung, Kassel 2016, ISBN 978-3-926068-23-1, S. 61 (genderopen.de).
  3. ↑ knerger.de: Das Grab von Liselotte Buchenauer
  4. ↑ Buchenauer Liselotte – biografia. In: biografische Datenbank und Lexikon österreichischer Frauen. Institut für Wissenschaft und Kunst, abgerufen am 24. Oktober 2026.
  5. 1 2 Ute Sonnleitner: Geschlecht, Bergsport und Erinnerung. Ein Porträt der österreichischen Bergsteigerin Liselotte Buchenauer. In: Ariadne. Forum für Frauen und Geschlechtergeschichte (= Ariadne). FrauenBewegung: Geschlechtergeschichte und Sport, Nr. 69.2016. Stiftung Archiv der Deutschen Frauenbewegung, Kassel 2016, ISBN 978-3-926068-23-1, S. 58 (genderopen.de).
  6. ↑ Ute Sonnleitner: Geschlecht, Bergsport und Erinnerung. Ein Porträt der österreichischen Bergsteigerin Liselotte Buchenauer. In: Ariadne. Forum für Frauen und Geschlechtergeschichte (= Ariadne). FrauenBewegung: Geschlechtergeschichte und Sport, Nr. 69.2016. Stiftung Archiv der Deutschen Frauenbewegung, Kassel 2016, ISBN 978-3-926068-23-1, S. 60 (genderopen.de).
  7. ↑ Ute Sonnleitner: Geschlecht, Bergsport und Erinnerung. Ein Porträt der österreichischen Bergsteigerin Liselotte Buchenauer. In: Ariadne. Forum für Frauen und Geschlechtergeschichte (= Ariadne). FrauenBewegung: Geschlechtergeschichte und Sport, Nr. 69.2016. Stiftung Archiv der Deutschen Frauenbewegung, Kassel 2016, ISBN 978-3-926068-23-1, S. 59 (genderopen.de).
  8. ↑ Fritz Bayerl : Marktgemeinde Aflenz. Abgerufen am 24. Oktober 2026.
  9. ↑ (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2019. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.)