Litotes

Die Litotes (altgriechisch λιτότης litótēs, deutsch ‚Sparsamkeit‚ Zurückhaltung‘, zu altgriechisch λιτός litós, deutsch ‚schlicht, einfach‘) ist die Stilfigur der doppelten Verneinung (z. B. nicht unüblich) oder der Verneinung des Gegenteils (z. B. nicht selten). Damit kann zum Beispiel eine Behauptung vorsichtig ausgedrückt oder eine Aussage abgeschwächt werden (Untertreibung). Aber auch eine Hervorhebung kann indirekt bewirkt werden. Die Litotes taucht oft im Rahmen von Ironie auf.

Im Deutschen ist die doppelte Verneinung des Typs nicht un- ab dem 17. Jahrhundert breit nachgewiesen, einzelne Belege sind wesentlich älter. Die Verwendung als Stilmittel zur Untertreibung verfestigte sich im 19. Jahrhundert. Unklar ist, ob ein Einfluss aus dem Latein vorliegt.

Beispiele

Doppelte Verneinung:

Verneinung des Gegenteils:

Ein bekanntes Beispiel aus dem Englischen ist not amused. Zum Beispiel bedeutet She is not amused wörtlich ‚Sie ist nicht erfreut‘, dahinter verbirgt sich jedoch eher die Bedeutung „Sie ist verärgert“. Die Ausdrucksweise veranschaulicht, dass eine Aussage („verärgert“) durch die Verneinung des Gegenteils („nicht erfreut“) abgeschwächt werden kann. Sie eignet sich dadurch für höfliche Ausdrucksweisen, aber auch für die ironische Verwendung.

Ein lateinisches Beispiel ist non ignorare für ‚genau wissen‘ (von non ‚nicht‘, und ignorare ‚verkennen‘). Im Grönländischen sind ajunngit- „gut sein“ und nalunngit- „wissen“ eigentlich die verneinten Formen von ajor- „schlecht sein“ und nalu- „nicht wissen“, aber deutlich häufiger als diese.

„Falsche Litotes“

In vielen Sprachen, auch in deutschen Dialekten, stellt die doppelte Verneinung tatsächlich eine Bekräftigung der Verneinung dar (‚negativer Concord‘):

Einzelnachweise

  1. ↑ Duden online: Litotes
  2. ↑ Vgl. Pons: Litotes. Die Definition lautet hier vereinfachend: „Bejahung durch doppelte Verneinung“.
  3. ↑ Duden Band 5: Das Fremdwörterbuch, 10. Ausgabe.
  4. ↑ Duden Sprachratgeber: Die Litotes
  5. ↑ Laura Neuhaus: Eine diachrone Korpusanalyse der rhetorischen Figur Litotes – Von ‚nicht unlieblich‘ bis ‚niht ungetrôſtit‘, Jahrbuch für Germanistische Sprachgeschichte, vol. 10, no. 1, 2019, pp. 345–367.