Liubo

Liubo-Brett, Han-Dynastie, 1. Jahrhundert

Liubo, oder Liupo (chinesisch: 六博; pinyin: liù bó, Bedeutung: Sechs Stäbe), war ein antikes chinesisches Brettspiel. Es war etwa von 1500 v. Chr. bis 600 n. Chr. populär.

Spielbrett

Spielbrett schematisch

Nach Röllicke sind für das Spiel beim Ziehen die zwölf 曲道, qūdào – „Winkelwege“ am Wichtigsten. Diese sind – wie bereits 139 v. Chr. im Buch Huainanzi beschrieben – nach dem kosmologischen System 二繩四鉤, èrshéng sìgōu – „2 Seile – 4 Haken“ angeordnet (vgl. hierzu auch Chinesischer Kompass und Lo Pan). Das eine „Seil“ verbindet Süd und Nord, das andere verbindet West und Ost. Die 4 „Winkel“, die jeweils zwei Nebenhimmelsrichtungen verknüpfen, kennzeichnen dabei nach Röllicke (ebenda):

Auf diese Weise wird der Himmel (Kreis) auf die Erde (Quadrat) projiziert.

Spielutensilien

In zwei archäologischen Funden befanden sich sogenannte „Sendtäfelchen“, die minutiös alle Grabbeigaben aufführen (Mawangdui und Fenghuangshan):

MawangduiFenghuangshan
12 qi [“Spielsteine”]
(6 weiß, 6 schwarz)
dito
20 zhishi qi
[“zum Fressen hingelegte Spielsteine”]
"Fische"?
dito
30 suan [“Zählstengel”] (kurz)
Spielmarken oder -bons in Form von Stäbchen
dito
12 suan [“Zählstengel”] (lang)dito
1 gedao [“Schneidmesser”]dito
1 xiao [“Schneide”]dito
Hölzerner Würfel mit 18 Seiten (象XXXX)
cai [“Pflücker, Sammler”] oder auch qiong
Aufbau des Würfels (Flächen):
jiao
13 - 14 - 15 - 16
12 - 1 - 11 - 2 - 9 - 5 - 10 - 3
4 - 6 - 7 - 8
wei
achtzehnseitiger Würfel
-bo [“Stäbe”]
-1 boxi [“Matte für die Stäbe”]
-1 bonang [“Etui für die Stäbe”].

Die „sechs Stäbe“ (gespaltene Bambusrohre; bekannt aus anderen Funden) sind nicht aufgeführt.

Spielregeln

Die Spielregeln sind nicht überliefert. In der Literatur wird es gelegentlich als ein mit Würfeln gespieltes Kriegsspiel wie auch als gewöhnliches Brettspiel beschrieben. Vermutlich haben sich Regeln und Charakter des Spiels im Laufe der Jahre stark verändert. Die Spielsteine werden meist als Fische, Steine und Eulen, seltener als Generäle und Bauern (analog zum Schachspiel) bezeichnet.

Der chinesisch-US-amerikanische Sinologe Yang Lien-sheng versuchte, die Regeln zu rekonstruieren. Seiner Meinung nach wurde Liubo von zwei Spielern mit je sechs Steinen und sechs Stäben gespielt.

Literatur

Commons: Liubo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Hermann-Josef Röllicke: Von „Winkelwegen“, „Eulen“ und „Fischziehern“ - Liubo: ein altchinesisches Brettspiel für Geister und Menschen. (Memento vom 1. Februar 2012 im Internet Archive; PDF; 319 kB) The International Society for Board Game Studies, Band 2, 1999, S. 34 ff.