
Als Live-View (englisch auch Live Preview) bezeichnet man ein bei Digitalkameras und Camcordern eingesetztes System, das es ermöglicht, die Bildkomposition nicht über einen optischen Sucher, sondern über den eingebauten Bildschirm vorzunehmen. Hierzu wird das elektronische Signal des Bildsensors in Echtzeit (live) an den Bildschirm übertragen.
Die erste nichtprofessionelle Digitalkamera mit einem Flüssigkristallbildschirm und Live-View brachte Casio mit der QV-10 im Jahr 1995 auf den Markt. Andere Hersteller arbeiteten an ähnlichen Lösungen, und keine fünf Jahre später war Live-View bei digitalen Kompaktkameras zum Standard geworden.
Erst später bürgerte sich Live-View auch bei digitalen Spiegelreflexkameras ein. Die erste DSLR, bei der alternativ zum optischen Sucherbild ein Live-View möglich war, war die Olympus E-330 von 2006.
Im September 2008 wurde mit der Panasonic LUMIX DMC-G1 die erste spiegellose Systemkamera mit elektronischem Sucher vorgestellt, bei der man über diesen oder über den Monitor auf der Rückseite der Kamera ausschließlich mit Live-View arbeitet. Da Smartphones und Tablets auf optische Bildkompositionseinstellungen verzichten, ist ein Live-View-Modus auf diesen Geräten Standard.
Seit dem Jahr 2020 werden nur noch Kameragehäuse für spiegellose digitale Kamerasysteme entwickelt, nachdem die Marktführer für Spiegelreflexmodelle ihre letzten neuen Kameragehäuse auf den Markt gebracht hatten.
Die folgenden Bilder zeigen einige Beispiele für erweiterte Realität im Live-View während der Bildaufnahme:
Bei digitalen Spiegelreflexkameras wird üblicherweise das durch das Objektiv eindringende Licht über Spiegel und Prisma umgelenkt, wodurch im optischen Sucher ein Bild entsteht. Nur beim Auslösen oder bei der Videoaufnahme wird der Spiegel weggeklappt und der Verschluss geöffnet, so dass der Bildsensor belichtet wird. Der optische Sucher ist währenddessen dunkel. Nur während dieser Zeit wird der Sensor mit Strom versorgt und erwärmt sich.
Um auch bei dieser Kameratechnik Live-View nutzen zu können, werden zwei unterschiedliche Lösungswege beschritten:
Auf Smartphones und Tablet gehört der Live-View-Modus zu dem Standard der Kamerasoftware, da es kaum optische Anpassungsmöglichkeiten für die Bildkomposition gibt. Durch unterschiedliche mobile Apps lässt sich das Kamerabild im Live View-Modus mit Filtern anpassen.
Im Bereich der Augmented Reality wird der Live View-Modus zum Beispiel für die Navigation (z. B. mit Wikitude oder Google Maps) oder eine direkte Bildveränderung wie Face Swap verwendet. AR-Spiele nutzen den Live-View-Modus entweder zum Aufnehmen und Einscannen für das Spiel oder dem Projizieren von Spielelementen auf den Kamerabildschirm. Beispiele hierfür sind Die Sims FreiSpiel und Minecraft Earth.