
In der Mathematik ist Extremwert (oder Extremum; Plural: Extrema) der Oberbegriff für ein lokales oder globales Maximum oder Minimum. Ein globales Maximum bzw. globales Minimum ist der größte bzw. kleinste Wert, den eine Funktion auf ihrem Definitionsbereich annimmt. Ein lokales Maximum bzw. lokales Minimum ist der Wert der Funktion an einer Stelle , wenn die Funktion in einer hinreichend kleinen Umgebung keine größeren bzw. kleineren Werte annimmt; die zugehörige Stelle wird lokaler Maximierer bzw. lokaler Minimierer, Maximalstelle bzw. Minimalstelle oder zusammenfassend auch Extremstelle genannt, die Kombination aus Stelle und Wert Extrempunkt oder je nach Art des Extremums Hoch- bzw. Tiefpunkt.
Ein globales Maximum wird auch absolutes Maximum genannt, für ein lokales Maximum wird auch der Begriff relatives Maximum gebraucht. Lokale und globale Minima sind analog definiert.
Die Lösung einer Extremwertaufgabe, für eine einfache Darstellung siehe Kurvendiskussion, nennt man die extremale Lösung.
Es sei eine Teilmenge der reellen Zahlen (z. B. ein Intervall) und eine Funktion.
hat an der Stelle
Gibt es eine Umgebung von , in der für alle sogar die strenge Ungleichung (bzw. ) gilt, so spricht man von einem strengen oder isolierten lokalen Minimum (bzw. strengen lokalen Maximum). Entsprechend sind die Begriffe strenges globales Minimum bzw. strenges globales Maximum definiert.
Besitzt die Funktion an der Stelle ein strenges lokales Maximum, so nennt man den Punkt Hochpunkt, hat sie dort ein strenges lokales Minimum, so heißt der Punkt Tiefpunkt. Liegt ein Hoch- oder ein Tiefpunkt vor, so spricht man allgemein von einem Extrempunkt.

Betrachtet wird die Betragsfunktion . Es gilt und für , also für alle . Folglich hat ein striktes globales Minimum bei . Der zugehörige Tiefpunkt hat die Koordinaten , befindet sich also im Koordinatenursprung. Die Betragsfunktion hat weder lokale noch globale Maxima, denn für alle mit oder gilt ; somit gibt es in jeder Umgebung eines beliebigen eine Stelle mit , d. h. einen noch größeren Funktionswert.
Jedes strikte lokale Minimum (bzw. Maximum) ist insbesondere ein lokales Minimum (bzw. Maximum). Eine analoge Aussage gilt für strikte globale Minima bzw. Maxima. Dies folgt aus der Implikation bzw. .
Jedes globale Minimum (bzw. Maximum) ist zugleich ein lokales Minimum (bzw. Maximum). Eine entsprechende Aussage gilt für strikte globale Minima bzw. Maxima. Dies folgt daraus, dass eine Aussage, die für alle Elemente einer Grundmenge gilt, erst recht für eine Teilmenge der Grundmenge gilt.
Jede stetige Funktion auf einem kompakten Intervall nimmt ein globales Maximum und ein globales Minimum an. Dieser Satz vom Minimum und Maximum folgt aus dem Satz von Heine-Borel, wird aber oft auch nach Karl Weierstraß oder Bernard Bolzano benannt. Es handelt sich um eine reine Existenzaussage, die keine Informationen darüber liefert, wie die Extrema ggf. aufgefunden werden können.
Ist monoton fallend (bzw. steigend) auf einem Intervall und monoton steigend (bzw. fallend) auf , so hat an der Stelle ein lokales Minimum (bzw. Maximum). Im Falle von strenger Monotonie folgt, dass ein strenges lokales Minimum bzw. Maximum ist.
Die Umkehrung gilt im Allgemeinen nicht. So hat etwa die Funktion, die durch für und definiert ist, ein lokales Minimum bei , ohne dass sie links von monoton fallend und rechts von steigend ist.
Ist eine differenzierbare Funktion auf einer offenen Menge , so lässt sie sich mithilfe der Differentialrechnung auf Extremstellen untersuchen.
Hat an einer Stelle ein lokales Extremum, so ist dort die erste Ableitung gleich null:
Neben lokalen Extrema erfüllen auch Sattelpunkte dieses Kriterium. Ein klassisches Beispiel ist die Funktion , deren Ableitung im Punkt verschwindet, ohne dass die Funktion dort ein lokales Extremum hat. Zum Nachweis der Extremwerteigenschaft bedarf es deshalb eines hinreichenden Kriteriums oder weiterer Überlegungen.
Es gibt allerdings auch Funktionen, bei denen keines der oben genannten Kriterien weiterhilft (siehe das letzte Beispiel).
In der Praxis können Extremwert-Berechnungen zur Lösung von Optimierungsproblemen verwendet werden, wie das folgende Beispiel zeigt:
Lösungsweg:
Wird die Länge des Rechtecks mit bezeichnet und seine Breite mit (), so lautet die Formel für die zu maximierende Rechtecksfläche (Zielfunktion). Durch Umstellen der Umfangsformel erhält man . Einsetzen in die Flächenformel eliminiert die Variable in der Zielfunktion:
Die notwendige Bedingung liefert Kandidaten für ein lokales Maximum. Dazu bildet man die erste Ableitung
und setzt sie gleich null:
Hieraus erhält man durch elementare Umformungen als einzigen Kandidaten .
Die zweite Ableitung lautet
Sie ist für jedes negativ, also insbesondere für . Somit liegt dort ein lokales Maximum vor, das zugleich das globale Maximum ist (da der einzige Kandidat für ein lokales Maximum ist). Durch Einsetzen der Maximalstelle in erhält man auch . Also ist der größtmögliche Flächeninhalt eines Rechtecks bei vorgegebenen Umfang dann zu erzielen, wenn beide Seitenlängen gleich sind (was einem Quadrat entspricht). Umgekehrt lässt sich aber auch sagen, dass ein Rechteck mit vorgegebenem Flächeninhalt den geringsten Umfang aufweist, wenn seine Länge und sein Höhe im Verhältnis zueinander stehen, d. h. wenn das Rechteck ein Quadrat ist.
Ist eine Funktion, die von einer Teilmenge nach abbildet, so werden die Begriffe des Minimums und des Maximums völlig analog zum eindimensionalen Fall definiert:
hat bei
Analog zum eindimensionalen Fall ist bei einer (total) differenzierbaren Funktion das Verschwinden des Gradienten, d. h. aller partiellen Ableitungen von in -Richtungen, eine notwendige Bedingung dafür, dass in einem Punkt im Inneren von ein lokales Extremum annimmt. Hat bei ein lokales Extremum, so muss also gelten:
Ist zweimal stetig differenzierbar, so ist in diesem Fall die Definitheit der Hesse-Matrix hinreichend: Ist sie positiv definit, liegt ein lokales Minimum vor; ist sie negativ definit, handelt es sich um ein lokales Maximum; ist sie indefinit, liegt kein Extrempunkt, sondern ein Sattelpunkt vor. Wenn sie nur semidefinit ist, ist keine Entscheidung anhand der Hesse-Matrix möglich (siehe peanosche Fläche).
Der Begriff des Maximums und des Minimums überträgt sich direkt auf den unendlichdimensionalen Fall. Ist ein Vektorraum und eine Teilmenge dieses Vektorraumes sowie ein Funktional, so hat an der Stelle
Der Zusatz „global“ wird meist weggelassen, wenn aus dem Zusammenhang klar ist, was gemeint ist. Ist zusätzlich mit einer Topologie versehen, also ein topologischer Raum, dann hat an der Stelle
Ein Punkt heißt ein (lokales) Extremum, wenn er ein (lokales) Minimum oder ein (lokales) Maximum ist. Jedes globale Minimum (Maximum) ist ein lokales Minimum (Maximum).
Entsprechend den Existenzaussagen für reelle Funktionen gibt es auch Aussagen für die Existenz von Extremalstellen von Funktionalen. Ist ein normierter Raum, so gilt:
Da diese Version für die Anwendung und Überprüfung oft unpraktisch ist, schwächt man dies ab zu der Aussage, dass jedes stetige quasikonvexe Funktional auf einer beschränkten, konvexen und abgeschlossenen Teilmenge eines reflexiven Banachraums ein Minimum annimmt. Diese Aussage gilt auch für alle konvexen Funktionale, da diese immer quasikonvex sind. Im Endlichdimensionalen kann auf die Konvexität der Teilmenge verzichtet werden.
Unter gewissen Umständen sind die Optimalpunkte sogar eindeutig bestimmt. Dazu gehört zum Beispiel die strikte Konvexität.
Schränkt man sich auf gewisse Klassen von Funktionalen ein, so kann man Aussagen über die Geometrie der Menge der Extremalpunkte treffen.
Bei diskreten Optimierungsproblemen ist der oben definierte Begriff des lokalen Extremums nicht geeignet, da in jedem Punkt ein lokales Extremum in diesem Sinne vorliegt. Für Extrema einer Funktion wird daher ein anderer Umgebungsbegriff verwendet: Man benutzt eine Nachbarschaftsfunktion , die jedem Punkt die Menge seiner Nachbarn zuordnet,
dabei steht für die Potenzmenge von .
hat dann ein lokales Maximum in einem Punkt , wenn für alle Nachbarn gilt. Lokale Minima sind analog definiert.
Extremwerte von Funktionen, deren Argumente selbst Funktionen sind, z. B. die Kontur eines Regentropfens mit minimalem Luftwiderstand, sind Gegenstand der Variationsrechnung.