| Lokono | ||
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Gesprochen in |
Guyana, Suriname, Französisch-Guayana, Venezuela | |
| Linguistische Klassifikation |
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| Sprachcodes | ||
| ISO 639-2 | arw | |
| ISO 639-3 | arw | |
Die Lokono-Sprache, Eigenbezeichnung Loko tago oder Lokono Dian, historisch auch Arawakisch im engeren Sinne oder Festland-Arawakisch, ist die indigene Sprache der Lokono, die im Norden Südamerikas in den Küstengebieten der Region Guayana (Guyana, Suriname, Französisch-Guayana und im östlichen Venezuela) gesprochen wird. Das traditionelle Exonym Arawak ist namensgebend für die weit verzweigte arawakische Sprachfamilie. Die Sprache gilt heute laut UNESCO mit schätzungsweise unter 2.500 verbliebenen Muttersprachlern als ernsthaft vom Aussterben bedroht (severely endangered).
Lokono ist eine polysynthetische und agglutinierende Sprache, welche komplexe Sachverhalte durch das gehäufte Aneinanderreihen von Morphemen an einen Wortstamm ausdrückt. Typologisch wird sie als Aktivsprache klassifiziert, bei welcher das Subjekt eines intransitiven Verbs unterschiedlich markiert wird – je nachdem, ob es sich um eine aktive Handlung oder einen passiven Zustand handelt.
Zentral für die Grammatik ist das System der Personalpräfixe, die sowohl die Konjugation von Verben steuern als auch Besitzverhältnisse bei Substantiven anzeigen (z. B. da- für „ich/mein“; dandi = „ich komme an“, dabira = „mein Spielzeug“). Zudem existiert das Phänomen des unveräußerlichen Besitzes (Inalienabilität): Körperteile oder Verwandtschaftsgrade können grammatikalisch nicht isoliert existieren und erfordern zwingend ein solches Besitzer-Präfix (z. B. da-kabo = „meine Hand“).
Lokono Dian hat sechs Vokale, die jeweils kurz oder lang sein können:
| Vorder | Zentral | Hinter | |
|---|---|---|---|
| Geschlossen | |||
| Mittel | |||
| Offen |
Der ungerundete geschlossene Zentralvokal ɨ, der phonetisch einem dumpfen Schwa-Laut ähnelt, wird in manchen Orthografien als y geschrieben (der Halbvokal /j/ dagegen – wie im Niederländischen – mit j).
| Labial | Alveolar | Retroflex | Palatal | Velar | Glottal | ||
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| Plosive | stimmlos | ||||||
| aspiriert | |||||||
| stimmhaft | |||||||
| Frikative | |||||||
| Nasale | |||||||
| Approximanten | |||||||
| Flaps, Vibranten | Vibranten | ||||||
| Flaps | |||||||
Auffällig im Kernwortschatz ist das weitgehende Fehlen des labialen Plosivs /p/, welcher in historischen Wortstämmen meist durch /b/ oder /f/ ersetzt wird. Er tritt aber laut William Pet in Lehnwörtern auf.
Geografisch und linguistisch teilt sich die Sprache in zwei Hauptdialekte, die sich in Lexik und Orthografie leicht unterscheiden:
Lokono gehört innerhalb der Sprachfamilie der Arawak-Sprachen zu den Maipurischen Sprachen und hier zu den Nord-Maipurischen Sprachen, die nördlich des Amazonas gesprochen werden. Mit dem Wayuunaiki der Wayuu auf der Guajira-Halbinsel, dem Paraujano im westlichen Venezuela und der ausgestorbenen Sprache der Taíno auf den Großen Antillen gehört es zur „Karibischen Gruppe I“.
Auf die Verwandtschaft mit dem Taíno weisen laut Willem Adelaar unter anderem folgende aus dem Taíno stammende Lehnwörter im Spanischen hin:
Lokono und hier insbesondere der westliche Dialekt in Guyana hat im Gegensatz zu vielen anderen Arawak-Sprachen wie Wayuunaiki oder die ausgestorbenen Sprachen Taíno und Maipure keine Lautveränderungen wie Palatalisierungen oder Silbenkürzungen durchgemacht und gilt deshalb als besonders konservativ, also nahe am Zustand der ursprünglichen Arawak-Sprache. Die erhaltenen gebliebenen transparenten Strukturen des Lokono halfen bei der Aufklärung der verwandtschaftlichen Beziehungen der Arawak-Sprachen.
Während sich etwa 15.000 bis 20.000 Menschen als Lokono identifizieren und es ein ausgeprägtes ethnisches Bewusstsein gibt, wird die Zahl der Lokono-Muttersprachler mit weniger als 2500 Sprechern oder sogar mit weniger als 5 % der ethnischen Lokono beziffert. Das Durchschnittsalter der Muttersprachler liegt bei über 70 Jahren, während die jüngeren Generationen zum Englischen (in Guyana), Niederländischen (in Suriname) oder Französischen gewechselt sind. Es gibt jedoch aktive, von indigenen Aktivisten getragene Revitalisierungsprojekte (wie jene des indigenen Historikers und anglikanischen Priesters John Peter Bennett).
Lokono ist nahezu in Gänze eine oral verwendete Sprache. William Henry Brett brachte 1856 eine Übersetzung der vier Evangelien, der Apostelgeschichte und von Auszügen der Genesis heraus, doch hat diese Teilübersetzung der Bibel keine Verbreitung in der heutigen Lokono-Bevölkerung.