Die London Missionary Society (LMS) war eine christliche überkonfessionelle Missionsgesellschaft in Großbritannien von 1799 bis 1966. Seit 1966 ist sie Teil von Congregational Council for World Mission und seit 1977 gehört sie zum weltweiten Council for World Mission (CWM), einer weltweiten Vereinigung christlicher Kirchen zum Zweck der Mission mit Sitz in Singapur.
Von 1792 bis 1814 wurden einige britische und US-amerikanische evangelische Missionsgesellschaften ins Leben gerufen. Im Jahr 1793 lancierte John Eyre ein Evangelisches Magazin mit Neuigkeiten zur Erweckungsbewegung und Ideen für die Missionsarbeit, und David Bogue war der erste Herausgeber. Im gleichen Jahr rief Edward Williams (1750–1813) die Kirchen in Midlands zur Evangelisation und Weltmission auf. Der baptistische Pastor John Ryland wurde von seinem Kollegen William Carey ermutigt, weitere Anstrengungen zur Ausbreitung des Evangeliums zu unternehmen, wozu auch die Society for Effecting the Abolition of the Slave Trade und deren Personen beitragen könnten. Der Abolitionist Henry Overton Wills aus Bristol unterstützte dieses Anliegen. David Bogue, James Steven und John Hey begannen im November 1794 im Baker’s Coffee House in Cornhill, London, eine neue Gesellschaft zu planen.
Die London Missionary Society wurde schließlich am 21. September 1795 in London zunächst unter dem Namen The Missionary Society gegründet, mit der Absicht, Christen aller Denominationen zum Dienst in der Mission zu vereinen. Die Gründungsversammlung fand im Hotel Castle and Falcon in der Aldersgate Street unter Teilnahme von etwa 200 Geistlichen und Laien statt. Die Leitung lag dabei in den Händen von John Love und William Shrubsole, die beide von den Versammelten zur Führung des Sekretariats bevollmächtigt wurden.
Obgleich inspiriert durch eine Idee William Careys, des Gründers der Baptist Missionary Society, war die LMS von Beginn an keine rein durch eine spezielle Glaubensausprägung bestimmte Missionsgesellschaft. Sowohl Presbyterianer, Anglikaner als auch Kongregationalisten gehörten von Beginn an zum Kreis der Förderer und Missionare. Der überkonfessionelle Charakter der LMS war gekennzeichnet durch das 1796 verfasste „Fundamental Principle“. Darin kommt zum Ausdruck, dass die Mission weder der Verbreitung „des Presbyterianismus, des Independentismus, noch des Episkopalismus oder einer anderen Form kirchlicher Organisation“ dienen soll, sondern allein die Verbreitung des „herrlichen Evangeliums des gesegneten Gottes“ (englisch: the glorious Gospel of the Blessed God) zum Ziel hatte. Die Vereinbarung kann als erstes Anzeichen der aufkommenden Ökumenischen Bewegung im ausgehenden 18. Jahrhundert in Europa und Amerika gewertet werden. Allerdings schafften bald sowohl die Church of England als auch die Presbyterianische Kirche eigene missionarische Strukturen, so dass die LMS durch diese Kirchen fortan wenig Unterstützung erhielt.
Die ersten Missionare der LMS wurden im Juli 1796 von Edward Williams ausgesandt. Die 30 Missionare samt ihren Familien verliessen am 10. August England mit dem Schiff The Duff und kamen am 6. März 1797 auf Tahiti, Südpazifik, an. Von dort aus errichteten Missionsstationen auf Tahiti, Tonga und Marquesas. John Williams und seine Frau Mary Chawner folgten am 17. November 1816, sie kamen ein Jahr später an und eröffneten eine Station auf der polynesischen Insel Raiatea. Die LMS operierte später mit bis zu sieben Schiffen auf dem Pazifik, die nach dem Missionar John Williams benannt wurden.
1798 kam Nathaniel Forsyth in Kalkutta (heute: Kolkata) an, aber er konnte dort nicht Fuß fassen, so dass er nach Chinsurah weiterging, das von den Niederlanden kontrolliert wurde, wo er für einige Jahre tätig war. 1804 folgte William Ringeltaube, der zuerst in Tranquebar arbeitete, dann sich aber 1806 in Mayiladi niederließ und unter dem Namen der Travancore Mission erfolgreich wirkte. Nach 1813 dehnte die LMS ihre Arbeit auch auf den Norden und Süden Indiens aus.
Im Jahr 1799 nahmen erste Missionare der LMS ihre Arbeit am Kap der Guten Hoffnung in Südafrika auf, zu ihnen gehörte Johannes Theodorus Vanderkemp. 1802 gründeten Vanderkemp and James Read eine Missionsstation weiter östlich in Bethelsdorp. 1818 gab es mit weiteren Missionaren bereits 15 Standorte im südlichen Afrika. Dazu gehörten auch Plätze in Kuruman (1816), in Botswana und in Simbabwe. Der Schotte Robert Moffat begann seine Missionstätigkeit 1821 in Kuruman, David Livingstone kam 1841 in Südafrika an. Er und John Philip waren wichtige Figuren bei der Weiterentwicklung der Mission, zudem wurden durch sie neue Regionen nordwärts, in Richtung Zentralafrika, erschlossen. Gleichzeitig versuchten sie, indigene Interessen gegen die Ansprüche der weißen Siedler zu verteidigen. Unter den Teilnehmern der Livingstone-Expedition, von dessen Ideen inspiriert, befanden sich u. a. die jungen Missionare James Stewart und Elizabeth Waterston. Die europäische Besiedlung des Territoriums von Namibia entwickelte sich aus Stationen der LMS, die entlang des Oranje angelegt worden waren. Seit 1807 sind deren erste Aktivitäten nördlich des Flusslaufes belegt, die ersten Stationen befanden sich in Warmbad und Blydeverwacht.
In Westindien war Tobago die erste Insel, wo sich 1808 Richard Elliott von der LMS niederließ, ein Jahr später folgte Trinidad durch Thomas Adam, beide wirkten bis 1814 und 1825. Ebenfalls im Jahr 1808 etablierte John Wray eine Mission in Demerara, Britisch-Guyana, und er kümmerte sich um ehemalige Skalven der dortigen Zuckerrohrplantagen. John Smith ersetzte Wray 1817 und landete 1824 im Gefängnis, wo er auch starb. 1834 wurde eine Missionsarbeit in Jamaika begonnen. Der Kampf gegen die Sklaverei prägte die anfängliche Missionsarbeit in der Karibik.
1819 wurde in Singapur eine Missionstation mit Druckerei und Schule eröffnet, die bis 1847 Bestand hatte. Samuel Milton war der erste Missionar, der sich vor allem um Übersetzungen ins Chinesische und Siamesische bemühte. Benjamin Keasberry blieb auch nach der Schließung der Station als unabhängiger Missionar und führte eine Schule bis zu seinem Tod 1875. In China wurde die LMS eine der größten Missionen. Sie begann mit Robert Morrison 1807 in Guangzhou, William Milne und Walter Medhurst folgten 1815 in Malakka. Einen belletristischen Niederschlag fand die Tätigkeit der LMS in China in Stephan Thomes Roman Gott der Barbaren (Berlin 2018).
Im 19. Jahrhundert, zum Zeitpunkt ihres größten Umfangs und Engagements, beschäftigte die LMS rund 250 Missionare, bis im Jahr 1945 wurden insgesamt 1800 Personen nach Übersee ausgesandt.
Im Jahr 1966 ging die LMS im Congregational Council for World Mission auf, die ihrerseits 1977 in das Council for World Mission (CWM) überging. Dort waren die drei Missionen, die London Missionary Society, die Commonwealth Missionary Society (gegründet 1836) und das Presbyterian Board of Missions (gegründet 1847) vereinigt. 1994 verkaufte das Hong Kong Council of Churches in Christ in China (HKCCCC) ein Spital, das über hundert Jahre durch die LMS geführt wurde. Einen großen Anteil der Einnahmen konnte die CWM verwenden, indem sie den Nethersole Fund schuf, der Missionsprojekte in Hong Kong und China unterstützte. Zudem wurde ein Mission Support Programme (MSP) eingerichtet, das Kirchen in Missionsaufgaben fördert. 2001 wurde der Regional Empowerment Fund gegründet, der Projekte in den Regionen, wo die CWM tätig ist, alimentiert. 2012 erfolgte der strategische Umzug des Generalsekretariats von London nach Singapur, um näher bei den Mitgliedskirchen und deren Missionsprojekten zu sein.