Als Lorgnette, Lünette oder auch Stielbrille, Klappbrille und face-a-main bezeichnet man im deutschen Sprachraum Brillen zum Vorhalten mit zwei Gläsern (für beide Augen) und einem seitlichen Haltegriff, meist in einem 45°-Winkel nach unten angebracht.
Erstmals tauchen Lünetten (Vorläufer der Lorgnetten) 1789 auf und wurden vorwiegend von Damen genutzt. Hauptverbreitungszeit war ab Mitte des 19. Jh. bis Ende der 1930er Jahre. Da die Lünette bzw. Lorgnette vorwiegend aus Eitelkeit benutzt wurde, war das Verbergen der Gläser ein wichtiger Faktor. So hatte die klassische Lorgnette zum Verbergen der Gläser ein integriertes Etui, die sogenannten Schalen, welche nach Aufklappen als Griff dienten. So gab es diese Schalen z. B. auch mit einer kleinen Uhr oder in Form einer Brosche.
Die Bezeichnung Lorgnette stammt vom französischen lorgner (‚neugierig betrachten‘) und dem mittelfranzösischen lorgne (‚beäugen‘). In Frankreich steht allerdings das Wort Lorgnette nicht für gestielte Vorhaltebrillen, sondern für gestielte Theaterferngläser (Theaterglas / Opernglas) und sonstige kompakte monokulare mehrlinsige Vergrößerungs-Systeme (z. B. auch die Spy-Gläser) zum Vorhalten. Die hier auf der Seite beschriebene Lorgnette hat in Frankreich die Bezeichnung „faces-à-main“ [] (‚von Angesicht zu Angesicht‘). Im deutschen Sprachgebiet wurde vom 18. bis in das frühe 20. Jh. der Begriff Lorgnette in Fachbüchern und von Herstellern gelegentlich auch für Scharnierbrillen und Scherenbrillen verwendet. Anfang des 20. Jh. verschwanden, bis auf das Monokel, alle Arten von manuell vor das Auge zu haltende Brillen.
(Quellen)
Da das im 19. Jh. gerne als Lorgnon bezeichnete gestielte Einglas (Ursprung um 1250) große Ähnlichkeit mit einer (ab dem frühen 20. Jh.) eingerollten Wickel-Lorgnette hatte, wurde später der Begriff Lorgnon oft fälschlicherweise für Lorgnetten verwendet. Es ist aber ein (vor allem im 19. Jh.) benutzter Begriff für Eingläser, gestielte Eingläser und Monokel. Siehe unter Eingläser + Monokel.

Die Wickel-Lorgnette wurde tatsächlich bereits 1825 von Robert Brettell Bate erfunden und patentiert. Nur einige wenige Wickel-Lorgnetten, die auf Grund von Fertigungsmerkmalen jener Zeit um 1825 zugeordnet werden könnten, sind erhalten. Ebenfalls existiert ein Gemälde mit Dame und einer goldenen breitrandigen Wickel-Lorgnette, das sogar aus dem Jahr 1822 sein soll. Danach verschwindet diese Lorgnetten-Version bis etwa 1910 gänzlich. Weder auf Gemälden, Fotos, in zeitgenössischer Fachliteratur oder Herstellerkatalogen wird diese Art dargestellt oder erwähnt. Erst im frühen 20. Jh. (um 1910) taucht sie wieder auf und wird in der Folgezeit zur bevorzugten Lorgnetten-Variante. Gründe für die lange Pause können z. B. Fertigungsprobleme der filigranen Bauteile, Patentrechte oder auch die im 19. Jh. wenig beliebten runden Gläser sein.
Ähnlich auch bei der federunterstützten Spring-Lorgnette: Hier scheint die Idee um 1820 (drei Franzosen, die unabhängig voneinander nachträglich die Erfindung für sich reklamierten) und die tatsächliche industrielle Umsetzung (ab ca. 1870) etwas auseinander zu liegen.