Los Jardines

„Los Jardines“ auf einer britischen Karte von 1806; die Abkürzung: E. D. bedeutet „Existence Doubtless“ = Existenz zweifelhaft

Los Jardines, ins Deutsche übersetzt: „Die Gärten“, auch unter den Namen Los Buenos Jardines oder Les Jardins bekannt, sind eine Gruppe von, je nach Quelle, zwei bis zehn Phantominseln im nördlichen Pazifischen Ozean, die in den Seekarten, Atlanten und Navigationshandbüchern über vier Jahrhunderte, vom 16. bis in das 20. Jahrhundert, verzeichnet waren. Vermutlich ist der Archipel mit den Karolinen oder den Marshallinseln identisch.

Entdeckungsgeschichte

Álvaro de Saavedra

Hernán Cortés, der Generalgouverneur des Vizekönigreiches Neuspanien, entsandte auf Befehl von König Karl V. drei Schiffe zu den Gewürzinseln, um das Schicksal der vermissten Trinidad aus Ferdinand Magellans Armada zu klären und die Männer der Loaísa-Expedition zu retten, die von den Portugiesen auf Ternate gefangen gehalten wurden. Das Kommando über die Expedition übertrug Cortés seinem Verwandten Álvaro de Saavedra. Seine Schiffe, die Karavelle La Florida und die Naos St. Jago und Espiritu Santo, waren mit insgesamt 30 modernen Geschützen bewaffnet, führten aber auch Lösegeld mit, um die Gefangenen ggf. freizukaufen. Saavedra verließ den Hafen von Zihuatanejo in Mexiko am 31. Oktober 1527. Er überquerte den Pazifik, passierte die Philippinen und erreichte die Molukken am 3. Oktober 1528.

Im Mai 1529 verließ Saavedra die Insel Tidore wieder, um nach Neuspanien zurückzukehren. Über „Gilolo“, „Papua“ und die Inseln „Los Pintados“ segelte er mit nordöstlichem Kurs und erreichte nach „80 Leguas“ (≈ 440 km) eine Gruppe bewohnter, flacher Inseln vor denen die Florida vor Anker ging. Einige Einheimische versammelten sich am Ufer, winkten und riefen dem Schiff zu. Sieben Kanus fuhren hinaus und zwanzig Männer sowie eine Frau, die die Spanier für eine Magierin hielten, betraten das Schiff. Saavedra behandelte die Insulaner freundlich, beschenkte sie und schickte bei ihrer Rückkehr an Land einen seiner Offiziere mit, der von den Bewohnern euphorisch begrüßt und zum Haus des Häuptlings gebracht wurde. Die Insulaner werden als relativ hellhäutig beschrieben, am Körper tätowiert und die Krieger trugen Speere und Keulen. Die Spanier nahmen die Frauen als attraktiv wahr, mit harmonischen Gesichtszügen, langem dunklem Haar, gekleidet in Gewänder aus feinem Stoff. Schließlich betrat auch Saavedra mit einigen seiner Leute die Insel. Die Musketen der Soldaten erregten die Aufmerksamkeit des Häuptlings. Nachdem ihm, so gut es die Verständigung erlaubte, ihre Verwendung erklärt worden war, bat er darum, eine der Musketen abzufeuern. Vom Knall des Schusses erschreckt sprangen fast alle in ihre Kanus, bis auf den Häuptling und einige Krieger, und flüchteten auf eine drei Meilen entfernte Insel, kehrten jedoch nach einiger Zeit zurück. Die Florida blieb acht Tage vor Anker liegen, da Saavedra plötzlich erkrankte. Nach der Abreise verschlechterte sich Saavedras Gesundheitszustand, und einige Tage später verstarb er auf See.

Die Spanier nannten die Insel „Los Buenos Jardines“ (deutsch: Die Schönen Gärten) und bestimmten die nautische Position mit 10° bis 12° nördlicher Breite und 174° westlicher Länge.

Ruy López de Villalobos

Am 1. November 1542 entsandte Antonio de Mendoza, Vizekönig von Neuspanien, seinen Schwager Ruy López de Villalobos mit sechs Schiffen in den Pazifik. Das Vorhaben zielte darauf ab, eine effiziente Handelsroute zu den Molukken zu finden sowie bislang unerforschte Gebiete westlich des amerikanischen Kontinents zu erkunden. Die Flotte bestand aus den größeren Schiffen Santiago, San Anton, San Jorge und San Juan, sowie den kleineren Begleitschiffen San Christobal und San Martin. Am 1. November 1542 fuhr die Flotte von Navidad an der mexikanischen Küste mit westlichem Kurs ab und erreichte am 15. Dezember 1542 die Marshallinseln. Am 25. Dezember kam eine Inselgruppe in Sicht, die Álvaro de Saavedra bereits entdeckt hatte. Villalobos nannte sie „Los Reyes“ (Die Könige). Zehn Leguas (Legua maritima; ≈ 56 km) weiter westlich fand er weitere Inseln, alle in einem Kreis angeordnet (offenbar ein Atoll) vor denen die Schiffe ankerten, um Wasser und Brennholz aufzunehmen.

Die Flotte setzte ihre Reise westwärts fort, blieb aber annähernd auf demselben Breitengrad und stieß nach 20 Leguas (≈ 111 km) auf eine weitere Inselgruppe, die wegen der Korallenriffe „Coralli“ genannt wurde. Am folgenden Tag, dem 6. Januar 1543, entdeckte Villalobos 50 Leguas (≈ 280 km) westlich davon eine Gruppe von zehn grünen Inseln, die er für die von Saavedra beschriebenen Buenos Jardines hielt:

„& trouammo le isole, alle quali ponemmo nome delli Coralli, che stanno in IX ò in X gradi, poco piu ò manco, tute similmente dalla banda di tramontana & iui pigliam, mo aqua & legne, & trouamo gente della maniera die quell’altra, che habite nalle isole delli Re. & d’indi partendo. Navigammo al ponente & quarta di garbin verso ponete, piu di cin quanta leghe poco piu ò manco, et trouammo altre isole, alle quali perche ne paruero verdi & belle, ponemmo lor nome li Giardini, et stanno nell'altezza poco più ò maco che le dette delli Coralli, & vedemmo palme & altri arbori […]

[…] und wir fanden die Inseln, denen wir den Namen „Coralli“ [Koralleninseln] gaben. Sie liegen bei etwa neun oder zehn Grad, mehr oder weniger, alle in etwa auf der Nordseite, und dort versorgten wir uns mit Wasser und Holz, und wir trafen auf Menschen, die einer anderen Art angehörten, als die auf den Inseln „Isole delli Rey“ [Inseln des Königs]. Von dort aus segelten wir weiter in westlicher Richtung, mit einer leichten Brise von Nordwest nach West, etwas mehr oder weniger als 200 km und stießen auf weitere Inseln, denen wir, da sie uns grün und schön erschienen, den Namen „Li Giardini“ [Die Gärten] gaben. Sie liegen auf einer Breite, die kaum höher ist als die der oben erwähnten Koralleninseln. Wir sahen Palmen und andere Bäume […]“

– Juan Gaetano

Villalobos ging auf den „Garteninseln“ nicht an Land. Die Schiffe segelten weiter westwärts auf etwa 9° bis 10° nördlicher Breite und gerieten in einen Sturm, in dem eines der Schiffe verloren ging. Danach passierten sie eine kleine Insel namens „Los Matelotes“ und anschließend eine Gruppe bewohnter Inseln namens „Los Arrecifos“ (Die Riffe).

Villalobos konnte seine Reise nicht vollenden. Er wurde von den Portugiesen gefangen genommen und starb 1544 in Haft auf der Insel Ambon. Er hat keine persönlichen Aufzeichnungen hinterlassen, sodass nur die Berichte seines Piloten Juan Gaetano und andere spanische Sekundärquellen vorliegen, u. a.von Antonio de Herrera y Tordesillas und Juan de Grijalva. In einigen Details, insbesondere hinsichtlich der Entfernungen und der nautischen Positionen, sind sie widersprüchlich.

Miguel López de Legazpi

Im Jahr 1559 sandte Philipp II. ein Schreiben an Luis de Velasco y Ruiz de Alarcón, den Vizekönig von Neuspanien, mit der Anweisung, unverzüglich die notwendigen Vorbereitungen zu treffen, um die Philippinen endgültig zu erobern und deren Kolonisierung einzuleiten. In einem Brief vom 24. September 1559 bat der König den Augustinermönch Andrés de Urdaneta, einen Kosmographen und Seefahrer, der an der verhängnisvollen Fahrt von García Jofre de Loaísa zu den Gewürzinseln teilgenommen hatte, sich dieser Expedition anzuschließen, um sie mit seinen Fähigkeiten und seiner Erfahrung zum Erfolg zu führen. Wie hoch der König Urdanetas Rat einschätzte zeigt die für einen absolutistischen Herrscher ungewöhnlich respektvolle Formulierung:

«Yo vos ruego, y encargo, que vais en los dichos navíos, y hagáis lo que por el dicho nuestro Visorey vos fuere ordenado; que además del servicio, que haréis a Nuestro Señor seré yo muy servido, y mandará tener en cuenta con ello para que recibáis merced en lo que hubiere lugar.»

„Ich bitte euch und befehle, auf die genannten Schiffe zu gehen und das zu tun, was euch mein Vizekönig anordnet; denn neben dem Dienst, den ihr Unserem Herrn erweist, wird mir damit ein großer Gefallen getan, und ich werde dafür sorgen, dass dies berücksichtigt wird, damit ihr Gunst erlangt, wo es angebracht ist.“

– Philipp II. in einem Brief von 1559

Das Ordensgelübde Urdanetas schloss die Übernahme des Amtes des Generalkapitäns aus. Dennoch gewährte ihm Luis de Valasco das Recht, den Expeditionsleiter vorzuschlagen, woraufhin Urdaneta Miguel López de Legazpi als Generalkapitän der Flotte empfahl. Die Planungen waren weit fortgeschritten, doch der Tod des Vizekönigs am 31. Juli 1564 verzögerte die Abfahrt um einige Monate.

Am 21. November 1564 brach Legazpi schließlich mit vier Schiffen vom Hafen von Navidad auf. Das Flaggschiff San Pedro führte er selbst. Außerdem gehörten zur Flotte die San Lucas unter dem Kommando von Don Matheo del Sauz sowie die kleineren Schiffe San Pablo (Kapitän Juan de la Isla) und San Juan (Kapitän Alonso de Arellano).

Am vierten Tag der Reise öffnete Lagazpi auf See seine geheimen, schriftlichen Weisungen. Sie bestimmten als Ziel die Philippinen und die Route sollte über die von Villalobos entdeckten Inseln führen. Die Schiffe segelten ungefähr entlang des 9. Breitengrades, und nach Urdanetas Bericht passierten sie die Corales und Los Reyes sowie am 9. Januar 1565 eine bewohnte Insel, die sie De los Barbudos (von den Bärtigen) nannten. Es folgten am 10. Januar die Inseln Los Plazeres (die Freuden), am 12. Januar Las Hermanas (die Schwestern) und am 14. Januar kam eine Inselgruppe in Sicht, von der Urdaneta vermutete, dass es sich um Los Jardines handelte. Es liegt keine nähere Beschreibung vor, doch die Schiffe ankerten dort über Nacht und fuhren am folgernden Morgen mit nordwestlichem Kurs zu den Philippinen.

La Perouse

Der französische Seefahrer und Entdecker Jean-François de La Pérouse beabsichtigte, während seiner Weltumseglung von 1785 mit den Schiffen Astrolabe und Boussole, die „îles es Jardins“ aufzusuchen, fand sie jedoch nicht. In seinen Aufzeichnungen findet sich unter dem Datum 14. Dezember 1786 folgender Eintrag:

« Nous eûmes connaissance de Décembre, ces îles le 14 décembre, à deux heures après midi. J'avais dirigé ma route dans le dessein de passer entre l'île de la Mira et les îles Déserte et des Jardins; mais leurs noms oiseux occupent sur les cartes des espaces où il n'y eut jamais de terre, et trompent ainsi les navigateurs, qui les rencontreront peut-être un jour à plusieurs degrés au Nord ou an Sud. »

– Jean-François de La Pérouse: Voyage de La Pérouse autour du Monde (Tome Second). L'Imprimerie de la République, Paris 1797, S. 306

In der deutschen Erstausgabe von La Perouses Reisebericht, übersetzt von J. R. Forster und E. L. Sprengel, ist diese Passage leicht verändert:

„Den 14ten December um zwei Uhr Nachmittags, wurden wir die Marianen ansichtig. Ich hatte mir vorgenommen, zwischen den Inseln de la Mira und des Jardins zu steuern, aber diese Inseln nehmen auf den Karten einen Namen ein, wo gewiß nie Land gewesen ist, und werden vielleicht niemal mehrere Grade nördlicher oder südlicher gefunden werden.“

– Jean-François de La Pérouse: La Perouse'ns Entdeckungsreise in den Jahren 1785, 1786, 1787 und 1788. Erster Band. Gotthelf Kummer, Berlin 1799, S. 398

Die von La Perouse erwähnten Inseln „Île de la Mira“ und „Îles Déserte“ sind Phantominseln, die nicht genau zu bestimmen sind. Die Bezeichnung „Île de la Mira“ enthält das französische Verb: mirer = schauen, beobachten. Frei übersetzt bedeutet der Inselname wohl: Insel des Ausgucks. Der Name „Îles Déserte“ leitet sich vermutlich vom französischen Adjektiv déserte ab, das „menschenleer“ beziehungsweise „verlassen“ bedeutet.

John Marshall

Zwei unterschiedliche Positionen der „Los Jardines“ auf einer britischen Karte von 1806

Die frühen spanischen Entdecker positionierten die Los Jardines im Bereich von 9° und 10° Nord, nordöstlich oder südöstlich der „Ladronen“, den heutigen Marianen. Das änderte sich im 18. Jahrhundert.

Am 13. Mai 1787 verließ die First Fleet, eine Flotte von elf Schiffen die Sträflinge nach Australien brachte, den Hafen von Portsmouth. Zwei dieser Schiffe waren die Scarborough unter dem Kommando von John Marshall und die Charlotte unter dem Kommando von Thomas Gilbert. Als die Sträflinge 1788 in Port Jackson von Bord gegangen waren, entschloss sich Gilbert zu einer Weiterreise nach Kanton (heute Guangzhou) in China, um dort Tee für England zu laden. In Erwartung einer gewinnbringenden Handelsreise schloss sich John Marshall mit der Scarborough an.

Gemeinsam segelten die Schiffe von der Lord-Howe-Insel über Norfolk (22. Mai 1788) nach Matthew Island (26. Mai 1788), einer Neuentdeckung. Am 18. Juni 1788 erreichten sie Aranuka und Kuria, zwei Atolle, die heute politisch zur Republik Kiribati gehören. Dort kam es zu einer Begegnung mit den Insulanern, die sich mit 30 Kanus voller bewaffneter Krieger den Schiffen näherten. Marshall fühlte sich bedroht und gab einen Warnschuss ab. Der Konflikt verhinderte die beabsichtigte Proviantaufnahme und die Schiffe segelten weiter, passierten am 22. Juni 1788 die nördlichen Atolle Kiribatis und trafen am 24. Juni 1788 auf die Marshallinseln. Von den nördlichen Marshallinseln aus steuerten die Schiffe die Marianen an. Auf dem Weg dorthin suchten Marshall und Gilbert nach den in den Karten eingezeichneten Los Jardines, in der Hoffnung, dort Wasser und Proviant aufnehmen zu können. Zu dieser Zeit grassierte auf beiden Schiffen der Skorbut und die Scarborough und die Charlotte fuhren ohne Aufenthalt nach Tinian.

Obwohl die Jardines in den Berichten beider Kapitäne expressis verbis nicht erwähnt werden, sind sie als Doppelinsel in der Karte eingezeichnet, die den Kurs der Scarborough abbildet. Aus dieser Karte ist ein auffälliger Kurswechsel ersichtlich. Die Sacarborough geht bei konstant nordwestlichem Kurs am 14. Juni 1788 plötzlich auf Gegenkurs, um sodann mit südwestlichem Kurs die Nördlichen Marianen anzusteuern. Zwischen den Schenkeln des durch diesen Kurswechsel definierten Winkels befinden sich zwei etwa gleichgroße Inseln auf der Position 22° Nord 150° Ost unter mit der Bezeichnung „Jardines“. Den Berichten der beiden Kapitäne ist nicht zu entnehmen, ob sie die Inseln tatsächlich gesehen oder betreten haben.

In der Folge erscheinen die Inseln in der weit verbreiteten und oft kopierten Arrowsmith-Karte von 1814 auf einer neuen Position bei annähernd 21° Nord und 151° Ost. Obwohl die Inseln an gleicher Position in weiteren Karten verzeichnet sind, bestehen Zweifel, ob Marshall und Gilbert tatsächlich dieselben Insel[n] sahen, die bereits von Saavedra und Villalobos entdeckt worden waren. Schon Adam Johann von Krusenstern war skeptisch:

„X. Marshallinseln: Zwey auf dem Schiffe Scarborough im Jahre 1788 entdeckte Inseln in 21° 40′ N. und 151° 35′ Ost. Auf Arrowsmiths Charte sieht man sie unter dem Namen „Jardines according to the Scarborough“, ein Name, den, wie ich glaube, man ihnen nicht geben kann. Im Jahre 1529 entdeckte Alvaro de Saavedra auf seiner Rückreise von den Molukkischen Inseln nach Neu–Spanien eine Gruppe von niedrigen Inseln, die er Los buenos jardines (die guten Gärten) nannte. Burney gibt ihre Lage nach der Entfernung von Tidore 1080 Spanische Meilen zu 10 bis 12° nördlicher Breite und 174° westlicher Länge an. Zwischen 9 und 10° nördlicher Breite entdeckte Ruy Lopez de Villalobos im J. 1543 eine Gruppe von kleinen Inseln, welche auch den Namen Los Jardines erhielten. Nach der Breite beider Gruppen zu urtheilen, können die von dem Capitain Marshal entdeckten Inseln weder die Jardines des Saavedra noch die des Villalobos seyn; es möchte demnach passender seyn, sie nach ihrem Entdecker [Marshallinseln] zu nennen. Bey den Marianen habe ich bereits angeführt, dass Galvãom diese Inseln Jardines nennt.“

– Adam Johann von Krusenstern: Beyträge zur Hydrographie der Grössern Ozeane […]. Gotthelf Kummer, Leipzig 1819

Da die Inseln „Los Jardines“ mit unterschiedlichen Schreibweisen Eingang in verschiedene Karten, Atlanten, Lexika und Segelhandbücher fanden, ihre Existenz jedoch zweifelhaft blieb, machten sich im 20. Jahrhundert Forschungsschiffe gezielt auf die Suche danach. 1926 suchte das japanische Forschungsschiff Machu, ein ehemaliges Passagierschiff und Kriegsbeute aus dem Russisch-Japanischen Krieg, das Seegebiet um die angenommene Position der Jardines ohne Ergebnis ab.

Im Jahr 1933 verbrachte die USS Ramapo, ein Tank- und Versorgungsschiff der US Navy, auf der Fahrt von Manila nach San Diego zwei Tage damit, das fragliche Seegebiet gezielt nach den Inseln abzusuchen. Es wurde kein Anzeichen von Land festgestellt, doch die Erfassung der Konturen des Meeresbodens in diesem Bereich mit elektroakustischen Messungen führte zur Entdeckung einer Unterwasserformation. Aus einer Tiefe von 5500 bis 6500 m erhebt sich ein Unterwasserberg mit einem Durchmesser von etwa 30 km abrupt auf eine Höhe von 3500 m über dem Abyssal und endet in zwei kleinen Gipfeln, die rund 13 km voneinander entfernt sind. Der höchste Gipfel liegt 1200 m unter dem Meeresspiegel. Dieser Befund lässt sich als Indiz für eine versunkene Insel interpretieren, was eine nachvollziehbare Erklärung dafür bietet, warum spätere Untersuchungen keinerlei Spuren von Land zutage förderten.

Eine japanische Forschergruppe unter Leitung von Koichi Hayami von der Sophia-Universität in Tokio kartierte Mitte der 1960er Jahre den Ozeanboden in der Umgebung der Insel Minami-Torishima und identifizierte Unterwasserberge, die bis zu mehreren hundert Metern unter die Meeresoberfläche emporragen. Auch dies könnte – obwohl nicht ausdrücklich von den Forschern erwähnt – auf eine versunkene Insel hinweisen.

Karten

Ortelius-Karte von 1570; Los Jardines am linken Kartenrand, unmittelbar unterhalb des 10. Breitengrades
Karte des Bibliographischen Institutes Leipzig von 1943; „Los Jardines“ bei 22° N 152° O

Die Jardines fanden Eingang in zahlreiche Kartenwerke bis in das 20. Jahrhundert hinein. Nachfolgend einige Beispiele (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Fazit

Die Inselgruppe der Los Jardines gibt es nicht. Höchstwahrscheinlich liegt eine Verwechslung mit einer anderen Insel, einem Atoll oder einem anderen Archipel vor. Die Anzahl der Inseln wird unterschiedlich angegeben, zwischen zwei und zehn. Abgesehen von der Möglichkeit, dass die Inseln durch Seebeben oder in einem Tsunami versunken sind, gibt es zur Frage, welche Insel oder Inselgruppe mit Los Jardines identisch sein könnte, in der Literatur unterschiedliche, mehr oder weniger wahrscheinliche Spekulationen:

Auch Adam Johann von Krusenstern äußert in seinem Werk: Beyträge zur Hydrographie der Grössern Ozeane (Kapitel X: Marshal-Inseln), Thesen über die geographische Lage der Jardines:

„Zwey auf dem Schiffe Scarborough im Jahre 1788 entdeckte Inseln in 21° 40′ N. und 151° 35′ Ost. Auf Arrowsmiths Charte sieht man sie unter dem Namen Jardines according to the Scarboroug, ein Name, den, wie ich glaube, man ihnen nicht geben kann. Im Jahre 1529 entdeckte Alvaro de Saavedra auf seiner Rückreise von den Molukkischen Inseln nach Neu–Spanien eine Gruppe von niedrigen Inseln, die er Los buenos jardines (die guten Gärten) nannte. Burney gibt ihre Lage nach der Entfernung von Tidore 1080 Spanische Meilen zu 10 bis 12° nördlicher Breite und 174° westlicher Länge an. Zwischen 9 und 10° nördlicher Breite entdeckte Ruy Lopez de Villalobos im J. 1543 eine Gruppe von kleinen Inseln, welche auch den Namen Los Jardines erhielten. Nach der Breite beider Gruppen zu urtheilen, können die von dem Capitain Marshal entdeckten Inseln weder die Jardines des Saavedra noch die des Villalobos seyn; es möchte demnach passender seyn, sie nach ihrem Entdecker zu nennen. Bey den Marianen habe ich bereits angeführt, dass Galvãom [António Galvão] diese Inseln Jardines nennt.“

– Adam Johann von Krusenstern: Beyträge zur Hydrographie der Grössern Ozeane als Erläuterungen zu einer Charte des ganzen Erdkreises […]. Gotthelf Kummer, Leipzig 1819, S. 109–110

Anmerkungen

  1. ↑ nicht identisch mit den Los-Reyes-Inseln, die zu Papua-Neuguinea gehören

Einzelnachweise

  1. ↑ Jose Louis Casabán: The outfitting and sailing of early sixteenth-century vessels in the Pacific: The Loaysa and Saavedra expeditions (1525-1536). In: H. Van Tilburg, S. Tripati et al. (Hrsg.): Proceedings of the 2014 Asia-Pacific Regional Conference on Underwater Heritage, Honolulu, 12. bis 16. Mai 2014
  2. Andrew Sharp: The discovery of the Pacific Islands. Oxford University Press 1960
    1. ↑ Page 17.
    2. ↑ Page 38.
  3. James Burney: A chronological history of the discoveries in the South Sea or Pacific Ocean (Teil 1). G. & W. Nicol, London 1803
    1. ↑ Page 115–116.
    2. ↑ Page 250–254.
  4. ↑ Ione Stuessy Wright: Voyages of Alvaro de Saavedra Ceron, 1527-1529. University of Miami Press, 1951, S. 60 f.
  5. ↑ Anonymus: An Historical Account of the Circumnavigation of the Globe and and of the Progress of Discovery in the Pacific Ocean, from the Voyage of Magellan to the Death of Cook. Oliver Boyd, Edinurgh 1837, S. 73–76
  6. John Dunmore: Who's Who in Pacific Navigation. University of Hawaii Press, Honolulu 1991, ISBN 978-0-824-81350-5
    1. 1 2 Page 259.
  7. ↑ António Galvão: Tratado dos descobrimentos antigos, e modernos, feitos até a era de 1550 (Abhandlung über die alten und modernen Entdeckungen bis zum Jahr 1550). Officina Ferreiriana, Lissabon 1731, S. 95–96.
  8. ↑ Zitiert nach: Giovanni Baptista Ramusio: Delle Navigationi Et Viaggi – In Molti Lvoghi Corretta, Et Ampliata, Nella Qvale Si Contengono La Descrittione Dell’Africa, & del paese del Prete Ianni, con varij viaggi […] et la Nauigatione attorno il Mondo […] (Band 1). Venedig, 1554, S. 416.
  9. ↑ Antonio de Herrera y Tordesillas: Historia general de los hechos de los castellanos en las islas i tierra firme del mar oceano (Allgemeine Geschichte der Taten der Kastilier auf den Inseln und den Festländern des Ozeans). Imprimerie Real de N. Rodriguez Franco, Madrid 1726, Decada VII, Libro V, S. 91–92. Obwohl Herrera de Tordesillas Los Jardines im Text seiner Historia General erwähnt, sind zwar die Marianen („y delos Ladrones“), nicht jedoch Los Jardines auf seiner beigefügten Karte des Pazifiks eingezeichnet.
  10. ↑ Fray Juan de Grijalva: Historia de la Orden de N. P. S. Agustín en la Provincia de Nueva España (Geschichte des Ordens unseres heiligen Vaters Augustinus in der Provinz Neuspanien). Mexiko 1624
  11. ↑ Zitiert nach: Juan de Grijalva: Historia de la Orden de N. P. S. Agustín en la Provincia de Nueva España, Primo Libro, Kapitel 1.
  12. ↑ Anonymus (Hugh Murray?): An Historical Account of the Circumnavigation of the Globe, Oliver & Boyd, Edinburgh 1837, S. 78.
  13. ↑ Dirk H. R. Spennemann: The First Descriptions of the Southern Marshalls. The 1788 accounts of Thomas Gilbert, Edward Home & John Marshall. Micronitor Press 2004, ISBN 187694014 X, S. 9
  14. ↑ A chart of the track of the Scarborough on her homeward passage from Port Jackson on the Et. (i.e. East) coast of New South Wales towards China. In: N. N.: The Voyage of Governor Phillip to Botany Bay […] to which are added the Journals of Lieuts. Shortland, Watts, Ball and Capt. Marshall with an Account of their New Discoveries. John Stockdale, London 1789, Kapitel XXI (deutsche Übersetzung: Arthur Phillip: Arthur Phillips' Reise nach der Botany-Bay […]. Benjamin Gottlob Hoffmann, Hamburg 1791)
  15. Henry Stommel: Lost Islands. The Story of Islands That Have Vanished from Nautical Charts. Kapitel 3: The Garden Islands – Los Jardines, Dover Publications, Mineola 2017, ISBN 978-0-486-78467-0, S. 13
    1. ↑ Page 10.
  16. George S. Bryan: Los Jardines (E. D.). In: US Naval Institute Proceedings, Bd. 66, Nr. 4 vom April 1940, S. 520–523
    1. ↑ Page 521.
  17. Patrick D. Nunn: Vanished Islands and Hidden Continents of the Pacific. University of Hawaii Press, Honolulu 2009, ISBN 978-0-8248-3219-3
    1. ↑ Page 179.
    2. 1 2 Page 180.
  18. ↑ Die Forschungsergebnisse sind veröffentlicht in: Koichi Hayami et al.: Preliminary report of continental shelf survey of “western sea area off Minami-tori-Shima”,“Minam-tori Shima” and “eastern sea area off Minami-tori Shima”. In: Report of Hydrographic and Oceanographic Researches (ISSN 2759-8985), Nr. 19, 1967, S. 30–50 (Sprache: Japanisch)
  19. ↑ António Galvão: Tratado dos descobrimentos antigos, e modernos, feitos até a era de 1550. Officina Ferreiriana, Lissabon 1731, S. 95–96
  20. ↑ Encyclopædia Britannica, 9. Ausgabe 1882, Bd. XIV
  21. ↑ Louis Claude Desaulses de Freycinet: Voyage autour du monde entrepris par ordre du roi, exécuté sur les corvettes de s.m. l'uranie et la physicienne pendant les années 1817, 1818, 1819 et 1820. Bd. 2, 1829, S. 76
  22. Francis X. Hezel: The First Taint of Civilization: A History of the Caroline and Marshall Islands in Pre-colonial Days, 1521-1885. University of Hawaii Press, 1994. ISBN 978-0-824-81643-8
    1. ↑ Page 16.
    2. ↑ Page 19.
  23. ↑ Robert Kerr: A general history and collection of voyages and travels, arranged in systematic order: forming a complete history of the origin and progress of navigation, discovery, and commerce, by sea and land, from the earliest ages to the present time. Band 2, William Blackwood, Edinburgh 1824, S. 89 (Fußnote 63)