Wodzisław Śląski liegt rund 50 Kilometer südwestlich von Katowice (Kattowitz) und etwa 25 Kilometer nördlich von Ostrava (Ostrau) in unmittelbarer Nähe der Landesgrenze zu Tschechien.
Wappen an der Fassade des Schlosses der Familie Dietrichstein
Loslau auf einer Landkarte von 1905
Stadtgliederung
Auf Beschluss des Stadtrats vom 28. Juni 1996 wurde das Stadtgebiet von Wodzisław Śląski in neun Stadtteile gegliedert:
RingWohnsiedlung PiastówLoslau um 1860, Sammlung Alexander DunckerDreifaltigkeitskirche, 14. Jahrhundert
Die Ursprünge der Stadt sind unbekannt. Archäologische Untersuchungen im Jahr 2024 zeigten, dass der slawische Burgwall im heutigen Stadtteil Grodzisko bereits im 9. Jahrhundert existierte. Besonders verheerend war der Mongolensturm im Jahre 1241. 1257 wurde Loslau nach Magdeburger Stadtrecht vom Oppelner HerzogWladislaus I. gebildet. Er hatte wahrscheinlich 1257 das Minoritenkloster Loslau gegründet.
Während des Zweiten Schlesischen Aufstandes kam es im August 1920 auch in Loslau zu gewalttätigen Ausschreitungen, bei denen ein Deutscher getötet wurde. Bei der Volksabstimmung in Oberschlesien 1921 über die zukünftige staatliche Zugehörigkeit des Gebiets des Kreises Rybnik entschied sich eine Mehrheit für die Angliederung an Polen, so dass der größte Teil des Kreises, einschließlich der Stadt Loslau, 1921 an Polen abgetreten und Loslau in Wodzisław_Śląski umbenannt wurde. Statt des deutschen Amtsgerichts wurde gemäß polnischer Gerichtsverfassung ein Sąd Rejonowy eingerichtet. Nach dem deutschen Überfall auf Polen wurde die Stadt vorübergehend in Loslau zurückbenannt und in den Landkreis Rybnik eingegliedert.
Loslau war als Eisenbahnknotenpunkt eines der beiden Zielorte des von der SS brutal angetriebenen Todesmärsche der überlebenden KZ-Häftlinge aus Auschwitz, die zwischen dem 19. und dem 23. Januar 1945 Gleiwitz und das 60 km entfernte Loslau erreichten. Am 26. März 1945 gelang der Roten Armee im Rahmen der Mährisch-Ostrauer Operation der entscheidende Durchbruch in Richtung Oderberg.
Demographie
Bevölkerungsentwicklung bis 1922
Jahr
Einwohnerzahl
Anmerkungen
1742
kaum 700
1753
0768
1780
0883
1791
0963
1800
1133
1803
1311
1810
1319
1812
1324
1816
1400
davon 88 Evangelische, 1120 Katholiken, 192 Juden
1820
1367
1825
1559
darunter 69 Evangelische, 252 Juden
1830
1695
1821
1373
1840
1990
davon 87 Evangelische, 1582 Katholiken, 321 Juden
1850
1776
1855
2277
ohne Schloss und Vorwerk Loslau (48 Einwohner)
1860
2408
1861
2503
mit Schloss und Vorwerk Loslau, davon 112 Evangelische, 1990 Katholiken, 401 Juden
1867
2349
am 3. Dezember
1871
2401
darunter 120 Evangelische und 450 Juden (1300 Polen); nach anderen Angaben 2401 Einwohner (am 1. Dezember), davon 67 Evangelische, 2022 Katholiken, 303 Juden
1900
2701
meist Katholiken
1905
3126
1910
3493
ohne Schloss und Gutsbezirk Loslau mit (am 1. Dezember) 68 Einwohnern
Katholische St. HeribertkircheSynagoge vor der Profanierung
Religion
In Wodzisław Śląski gibt es elf römisch-katholische Kirchen, die zu den Dekanaten Wodzisław Śląski und Pszów im Erzbistum Katowice gehören. Neben einer Gemeinde der Evangelisch-Augsburgischen Kirche, die zur Diözese Katowice gehört, bestehen weitere kleinere Protestantische Gemeinden. Nachdem sich die Jüdische Gemeinde 1924 aufgelöst hatte, wurde deren Synagoge profaniert. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente sie zeitweise als Kino. Heute ist in dem Gebäude ein Bekleidungsgeschäft untergebracht.
Sport
Der örtliche Fußballverein Odra Wodzisław Śląski spielte von 1996 bis 2010 in der Ekstraklasa, der höchsten polnischen Spielklasse. Nach mehreren Abstiegen und dem Rückzug aus der fünftklassigen IV liga tritt er seit 2025 in der neuntklassigen Klasa B an.
Politik
Bürgermeister
An der Spitze der Verwaltung steht der Bürgermeister. Seit 2006 ist dies Mieczysław Kieca, der seit 2010 der Platforma Obywatelska angehört, aber für das Wahlkomitee „Unser Wodzisław“ antritt. Bei der turnusmäßigen Wahl im April 2024 wurde folgendes Ergebnis ermittelt:
Mieczysław Kieca (Wahlkomitee „Unser Wodzisław“) 40,2% der Stimmen
Dezyderiusz Szwagrczak (Wahlkomitee „Örtlicher Verwaltungsverband“) 21,7% der Stimmen
Alan Szatyło (Wahlkomitee „Wodzisław 2.0“) 15,6% der Stimmen
Dariusz Szymczak (Wahlkomitee „Die Stimme der Generationen“) 13,9% der Stimmen
Marcin Piwoński (Wahlkomitee „Wodzisław verbindet uns“) 8,6% der Stimmen
In der damit notwendigen Stichwahl wurde Amtsinhaber Kieca mit 55,4% der Stimmen gegen Szwagrczak wiedergewählt.
Die turnusmäßige Wahl im Oktober 2018 brachte folgendes Ergebnis:
Mieczysław Kieca (Wahlkomitee „Unser Wodzisław“) 54,8% der Stimmen
Kacper Biernacki (Wahlkomitee „Wodzisław 2.0“) 17,2% der Stimmen
Dariusz Prus (Wahlkomitee „Die Stimme der Generationen“) 5,8% der Stimmen
Damit wurde Amtsinhaber Kieca bereits im ersten Wahlgang wiedergewählt.
Stadtrat
Der Stadtrat besteht aus 21 Mitgliedern und wird von der Bevölkerung in Mehrpersonenwahlkreisen gewählt. Die Gemeinderatswahl 2024 führte zu folgendem Ergebnis:
1234Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 328–335, Ziffer 409.
↑Johann Georg Knie: Alphabetisch-Statistisch-Topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des jetzt ganz zur Provinz gehörenden Markgrafthums Ober-Lausitz und der Grafschaft Glatz; nebst beigefügter Nachweisung von der Eintheilung des Landes nach den verschiedenen Zweigen der Civil-Verwaltung. Melcher, Breslau 1830, S. 965.
↑Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preusz. Provinz Schlesien. 2. Auflage. Graß, Barth und Comp., Breslau 1845, S. 868–869.
12Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Schlesien und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871. Berlin 1874, S. 350–351, Ziffer 1.
↑Gustav Neumann: Das Deutsche Reich in geographischer, statistischer und topographischer Beziehun. Band 2, G. F. O. Müller, Berlin 1874, S. 180–181, Ziffer 12.