Lost in Geneva

Lost in Geneva
Studioalbum von Kris Davis

Veröffent-
lichung

25. September 2026

Aufnahme

15. September 2025

Label(s)

4166 Records

Format(e)

CD, Download

Genre(s)

Jazz

Titel (Anzahl)

10

Besetzung

Studio(s)

Oktaven Audio, Mount Vernon (New York)

Chronologie
Kris Davis, The Lutosławski Quartet: The Solastalgia Suite
(2026)
Lost in Geneva —

Lost in Geneva ist ein Musikalbum von Kris Davis. Die am 15. September 2025 entstandenen Aufnahmen erschienen am 25. September 2026 auf dem Eigenlabel 4166 Records.

Hintergrund

Die Pianistin Kris Davis arbeitete zunächst im Trio mit dem Bassisten John Hébert und dem Schlagzeuger Tom Rainey (Waiting for You to Grow, 2014), daneben aber auch im kollaborativen Borderlands Trio mit Stephan Crump (Bass) und Eric McPherson (Schlagzeug). Dann hat sie unkonventionelle Trios (in einem Fall Klavier, Schlagzeug und Plattenspieler; in einem anderen Klavier, Saxophon und Schlagzeug) sowie Duette unterschiedlichster Art erprobt. Im Winter 2024 kehrte sie jedoch im Vorfeld eines Auftritts im New Yorker Village Vanguard mit dem Bassisten Robert Hurst und dem Schlagzeuger Johnathan Blake zur konventionellen Klavier-Bass-Schlagzeug-Formation zurück, die seitdem zu ihrem wichtigsten musikalischen Projekt geworden ist. Nach Run the Gauntlet (2024) ist Lost in Geneva das zweite Studioalbum in dieser Besetzung. Hurst und Blake sind für ihre Post-Bop- und Straight-ahead-Jazz-Werke bekannt, sowohl als Bandleader als auch mit Größen wie Wynton Marsalis, Diana Krall, Dr. Lonnie Smith und Kenny Barron.

Titelliste

  1. The Subtext
  2. Congestion Pricing
  3. Lost in Geneva
  4. Where Does That Tunnel Go?
  5. The Ballerina
  6. Mourning Dove (Johnathan Blake, Kris Davis, Robert Hurst)
  7. The Bluesy Bird in Bob’s Backyard (Robert Hurst)
  8. Nature Piece 5 (Morton Feldman)
  9. Clues (Jonathan Blake)
  10. The Deer Fly
  11. Northern Flicker (Johnathan Blake, Kris Davis, Robert Hurst)

Wenn nicht anders vermerkt, stammen die Kompositionen von Kris Davis.

Rezeption

Kris Davis (2014)

Nach Ansicht von Mike Jurkovic, der das Album in All About Jazz rezensierte, würde Lost in Geneva so räumlich und mit der Hektik der U-Bahn beginnen, wie es viele der Streifzüge der Pianistin, Komponistin und Provokateurin Kris Davis durch die Stadt tun. Doch schon bald schlage es in eine ganz eigene, „eiszeitliche“ Richtung ein – mit „The Subtext“, einem in jeder Hinsicht und Beschreibung intensiven Stück, und dem ihm folgenden „Congestion Pricing“, einer Studie „in unmittelbarer Subversivität“. Man könne sagen, dass Davis ihre eigenen Regeln aufstellt und vom Zuhörer dasselbe erwartet – was, kurz gesagt, letztlich die Theorie hinter Lost in Geneva sei, „wenn alles gesagt und getan ist und sich der Staub nach einer wilden Party gelegt hat“. Mehr Worte, um die grenzenlose, ungezügelte und ungehemmte Bewegung von Verstand, Geist und Körper zu beschreiben, die Musik wie Lost in Geneva – ein weiteres Juwel in Davis’ noch im Entstehen begriffener Krone – erst möglich mache, wären überflüssige Übertreibungen. Um es auf den Punkt zu bringen: Ohne den geringsten Zweifel würde das Album am Ende dieses äußerst turbulenten Jahres zweifellos zu den Top Ten gehören.

„Hier ist der Soundtrack zur herbstlichen Tag-und-Nacht-Gleiche“, meint Dave Sumner (Daily Bandcamp). Die Pianistin Kris Davis, der Bassist Robert Hurst und der Schlagzeuger Johnathan Blake würden eine Balance zwischen prägnanter Themenvorstellung und einer Fülle farbenreicher Texturen finden. Zwar erwache im Frühling das Leben, doch erst im Herbst spüre man die Lebendigkeit des eigenen Körpers am intensivsten, um dieses Leben zu feiern. Dementsprechend würden die Melodien von Lost in Geneva knistern und sprühen; „die Rhythmen eilen voran, als wollten sie so viel wie möglich vom Song erleben, bevor der letzte Ton erklingt.“ Es handle sich um Straight-ahead-Jazz, doch Davis verstehe es meisterhaft, die Flexibilität dieses Begriffs auszuloten: Sie würde die Musik bis an die Ränder des modernen Jazz ausdehnen, nur um sie dann wieder in ihre ursprüngliche Form zurückschnellen zu lassen.

Nach Ansicht von Martin Johnson, der das Album in Wall Street Journal rezensierte, hat sich das klassische Trio aus Klavier, Bass und Schlagzeug zu einem prägenden Klang des Jazz des 21. Jahrhunderts entwickelt, der sich besonders gut dafür eigne, den Fokus auf wechselnde Rhythmen und flinke Veränderungen in Stimmung, Intensität und Tempo zu legen. Auch die Pianisten Sylvie Courvoisier, Sullivan Fortner, Matt Mitchell, Angelica Sanchez und Micah Thomas würden derzeit solche Formationen leiten, und sogar einige Nicht-Pianisten, wie die Bassistin Kim Cass und der Schlagzeuger Tyshawn Sorey täten dies mittlerweile. Diese Gruppe klinge perkussiver als die meisten anderen und verwandle ein eigentlich vornehmes Ambiente in etwas, das einem Trommelkreis nahekommt. Kris Davis würde den Pianisten Cecil Taylor, dessen Spielstil als „88 gestimmte Trommeln“ beschrieben wurde, als einen ihrer wichtigsten Einflüsse bezeichnen. Auf Lost in Geneva tauche das Trio noch tiefer in den perkussiven Stil ein und schaffe dabei einen Ausgleich durch einige überraschend elegante Passagen. In den vergangenen 15 Jahren habe sich Ms. Davis als eine der führenden Pianistinnen des Jazz und als unermüdliche Verfechterin des Experimentierens etabliert. Sowohl „Run the Gauntlet“ als auch „Lost in Geneva“ beweisen, dass ein traditionelles Umfeld den idealen Rahmen für avantgardistische Ideen bietet. In den vergangenen 15 Jahren habe sich Kris Davis als eine der führenden Pianistinnen des Jazz und als unermüdliche Verfechterin des Experimentierens etabliert. Wie das Vorgängeralbum Run the Gauntlet würde auch Lost in Geneva beweisen, dass ein traditionelles Umfeld den idealen Rahmen für avantgardistische Ideen biete.

Matt Collar verlieh dem Album in Allmusic vier Sterne und schrieb, Kris Davis würde mit Lost in Geneva zu ihrem kühn progressiven und zugleich mitreißenden Trio zurückkehren. Alle drei Musiker brächten einen reichen Erfahrungsschatz in die Interpretation einiger von Davis’ Eigenkompositionen ein. Als Davis diese Trio-Besetzung erstmals vorgestellt habe, sei diese Kombination etwas unerwartet gewesen, insbesondere angesichts ihrer engen Verbindungen zur Avantgarde- und zeitgenössischen Musikszene. Lost in Geneva „fühlt sich an wie drei Freunde, die sich wiedersehen, um eine unbekannte Stadt zu erkunden, wobei ihr ausgeprägter Sinn für Spaß sie zu immer neuen Entdeckungen antreibt.“

Einzelnachweise

  1. 1 2 Martin Johnson: ‘Lost in Geneva’ by Kris Davis review: Fresh sounds, classic format. In: Wall Steet Journal. 4. August 2026, abgerufen am 7. Oktober 2026 (englisch).
  2. ↑ Mike Jurtkovic: The Kris Davis Trio: Lost In Geneva. In: All About Jazz. 19. September 2026, abgerufen am 7. Oktober 2026 (englisch).
  3. ↑ Dave Sumner: The Best Jazz on Bandcamp, September 2026. In: Bandcamp. 30. September 2026, abgerufen am 7. Oktober 2026 (englisch).
  4. ↑ Besprechung des Albums von Matt Collar bei AllMusic (englisch). Abgerufen am 7. Oktober 2026.