Lothar Juckel

Lothar Juckel (* 20. August 1929 in Königsberg/Ostpreußen; † 8. Juni 2005 in Berlin) war ein deutscher Architekt und Herausgeber von Ausstellungskatalogen, Architekturzeitschriften und Fachbüchern, überwiegend zum Themenkomplex Stadtplanung/Stadtentwicklung.

Leben und Wirken

Lothar Juckel wurde am 20. August 1929 in Königsberg geboren. Von 1936 bis 1944 besuchte er dort die Schule, die Familie musste aber kriegsbedingt nach Westen flüchten. In Halberstadt/Harz legte er sein Abitur ab. Zwischen 1945 und 1950 absolvierte er sowohl eine Schlosser- als auch eine Maurerlehre. Danach studierte er bis 1957 Architektur an der Technischen Universität Berlin, wo ihn vor allem Willy Kreuer und Hans Scharoun prägten. 1952 assistierte er Scharoun bei den Wettbewerbsentwürfen für das Projekt „Wiederaufbau der Insel Helgoland“.

Nach dem Erhalt seines Diploms arbeitete Juckel weiter als Wissenschaftlicher Assistent mit Scharoun am Institut für Städtebau zusammen, gleich zu Anfang bei der Konzeption eines sternförmigen Restaurants im Rahmen der Interbau 1957, das jedoch ebenso wenig realisiert wurde wie die Helgoland-Entwürfe. Dennoch war es eine produktive und richtungsweisende Zeit; sie endete 1961. Bis dahin hatte Juckel parallel an der Akademie der Künste im Bereich Publikation und Ausstellung mitgearbeitet. Als größtes Projekt kann die Ausstellung Hans Richter. Ein Leben für Bild und Film, die auch in anderen Städten gezeigt wurde, angesehen werden. Des Weiteren übte er sich als Architekturkritiker beim RIAS Berlin.

1961 wurde er persönlicher Referent Werner Hebebrands, des Oberbaudirektors der Freien und Hansestadt Hamburg. Hier wurde Juckel mit den komplexen Aufgaben des Städtebaus vertraut. Er wirkte beispielsweise an den Strukturmodellen zum Hamburger Aufbauplan mit. Mit Hebebrands Emeritierung 1964 war auch das Dienstverhältnis von Juckel beendet und er ging zurück nach Berlin, wo er das Schulbauinstitut der deutschen Länder als deren Direktor übernahm. Daneben assistierte er Peter Koller an der TU Berlin. In dieser Zeit, der zweiten Hälfte der 1960er Jahre, schrieb er Fachaufsätze und war an verschiedenen Publikationen beteiligt.

Ab 1970 war er als selbstständiger Architekt in Berlin mit dem Schwerpunkt Schulbau tätig. Von 1978 bis 1986 war er Herausgeber und Chefredakteur der Zeitschrift Stadt. Zeitschrift für Wohnungs- und Städtebau, die unter seiner Ägide zu einem niveauvollen Fachmagazin avancierte.

1979 wurde ihm zusammen mit Hardt-Waltherr Hämer und Josef Paul Kleihues die Vorbereitung der Internationalen Bauausstellung (später unter dem Titel „Internationale Bauausstellung 1984/87“ bekannt) angetragen. Eigens zu diesem Zwecke wurde die Planungsgesellschaft Bauausstellung Berlin GmbH gegründet und alle drei zu gleichberechtigten Direktoren ernannt. Ihr Auftrag lautete, die modellhafte Rettung der „kaputten Stadt“, vornehmlich des heruntergekommenen Kreuzberg, anzugehen. Wegen Uneinigkeiten schied Juckel schon 1981 wieder aus.

1988 begann Juckels Herausgeberschaft der „Edition StadtBauKunst“ für Fachbücher zu verschiedenen Aspekten des Städtebaus. Er gründete und etablierte darüber hinaus das im Hamburger Junius Verlag erschienene Jahrbuch der Architektenkammer mit dem Titel Architektur in Berlin (1992 bis 2003) analog zum dort verlegten Architektur in Hamburg.

Juckel begann als Vorsitzender der Landesgruppe Berlin der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL) seine Vereinsarbeit, als Geschäftsführer der DASL zog er sich 2001 zurück. Eines seiner weiteren Engagements war die Betreuung der in Berlin ausgetragenen Schinkel-Wettbewerbe.

Im Laufe seines Arbeitslebens nahm er häufig an Schulbau-Wettbewerben teil, so unter anderem in Berlin, Darmstadt, Dortmund, Gelsenkirchen, Hameln, Köln, Nürnberg, Uelzen und Ulm.

Auszeichnungen

Schriften (Auswahl)

Herausgaben (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Wolfgang Schäche: „Ich habe mein Leben lang gesammelt“. Lothar Juckel. In: Architektenkammer Berlin (Hrsg.): Architektur Berlin 04. Über die Vereinbarkeit von Bauen und Architektur. Verlagshaus Braun, Berlin 2004, ISBN 3-935455-54-2, S. 74 f.
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Eva-Maria Barkhofen (Hrsg.): Baukunst im Archiv. Die Sammlung der Akademie der Künste. DOM Publishers, Berlin 2016, ISBN 978-3-86922-492-3, Lothar Juckel, S. 208.
  3. ↑ Interbau. Heiliger Otto. In: Der Spiegel. Nr. 31/1957, 31. Juli 1957, Architektur, S. 48–53 (spiegel.de [PDF; 1,5 MB; abgerufen am 26. März 2020]).
  4. 1 2 Autoren. In: Lothar Juckel (Hrsg.): Berliner Fassaden … oder die Wiederkehr alter Stadtbilder. Mit einer Einführung von Horst Ehmann. Fotos von Reinhard Görner. Nicolai, Berlin 1988, ISBN 3-87584-234-0, Lothar Juckel, S. 112.
  5. 1 2 3 Günter Schlusche: Zehn Jahre IBA – Eine Bilanz nach vorn. In: Lothar Juckel, Architekturkammer Berlin (Hrsg.): Architektur in Berlin. Jahrbuch 1998. Junius Verlag, Hamburg/Dresden 1998, ISBN 3-88506-277-1, Marginalien, S. 167–169.
  6. ↑ Puschl puschi. Maßstäbe für die ganze Welt soll die Internationale Bauausstellung in Berlin setzen. Bei der Planung geht es vorerst zu wie im Dorfkrug. In: Der Spiegel. Nr. 17/1980, 21. April 1980, Berlin, S. 132 f. (spiegel.de [PDF; 270 kB; abgerufen am 26. März 2020]).
  7. ↑ Lothar Juckel-Archiv. Kurzbiografie/Geschichte der Institution. In: adk.de. Akademie der Künste, abgerufen am 26. März 2020.
Personendaten
NAME Juckel, Lothar
KURZBESCHREIBUNG deutscher Architekt und Herausgeber
GEBURTSDATUM 20. August 1929
GEBURTSORT Königsberg/Ostpreußen
STERBEDATUM 8. Juni 2005
STERBEORT Berlin