Lothar Kroll

Porträt von Prof. Lothar Kroll
Lothar Kroll (2025)

Lothar Kroll (* 9. April 1959 in Glogowek, Oberschlesien, Polen) ist ein deutsch-polnischer Maschinenbauingenieur und Hochschullehrer an der Technischen Universität Chemnitz.

Leben und Wirken

Kroll studierte an der Technischen Hochschule Oppeln in Polen und an der TU Clausthal in der Fachrichtung Fahrzeugtechnik bzw. Maschinenbau, wo er 1992 promoviert wurde. Anschließend wirkte er mehrere Jahre als leitender Wissenschaftler am Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik der TU Dresden. 2005 habilitierte er sich zum Thema Leichtbau und Werkstoffmechanik und wurde 2006 auf die Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung an die TU Chemnitz berufen. Seit 2008 ist er Direktor des Instituts für Strukturleichtbau. Zudem war er an der Fakultät für Maschinenbau von 2013 bis 2016 Dekan, von 2016 bis 2019 Prodekan für Forschung, Internationales und Gleichstellung und war außerdem von 2019 bis 2020 Mitglied im Erweiterten Senat der Hochschule.

Von 2015 bis 2017 war Kroll Gastprofessor am Institut für Mechanik und Angewandte Maschinenkonstruktion an der Technischen Universität Oppeln in Polen. Von 2017 bis 2023 war er an dieser Universität Professor für „Technische Wissenschaften“ an der Fakultät Produktion und Logistik. Von 2021 bis 2023 war er außerdem Gastprofessor und Dozent an der Politechnika Bydgoska. Seit April 2025 ist er Professor an der Fakultät für Weltraumtechnologien der AGH University of Krakow und leitet dort die Forschungsgruppe „The Lightweight Structures“.

Kroll leitete von 2013 bis 2024 das IWU-Fraunhofer-Kunststoffzentrum Oberlausitz in Zittau. Seit 2015 ist er wissenschaftlicher Direktor für Leichtbau, Energiespeicher und Circular Economy am Fraunhofer IWU. Seit 2015 leitet er zudem das IWU-Fraunhofer-Forschungszentrum STEX in Chemnitz, Dresden und Wolfsburg. Von 2018 bis 2023 war Kroll Managing Director des Fraunhofer Project Centers „Advanced Lightweight Technologies“ (ALighT) in Opole, von 2021 bis 2024 Managing Director des deutsch-polnischen Leistungszentrums „Additive Technologien für Medizin und Gesundheit“ (ATeM) in Breslau.

Kroll ist Gründungsvorstand und seit 2021 Vorstandsvorsitzender der Leichtbau-Allianz Sachsen (LAS) e.V., die er als wissenschaftliche Vereinigung zur Bündelung der vorhandenen Leichtbau-Kompetenz der drei Technischen Universitäten in Chemnitz, Dresden und Freiberg, unter Beteiligung weiterer Forschungseinrichtungen aus Sachsen, strategisch konzeptionierte und mitbegründete.

Seit 2021 ist Kroll zudem Vorstandsvorsitzender des Circular MTC e. V.; seit 2022 ist er Sprecher des Innovationsclusters Circular Saxony.

Ebenfalls wirkt Kroll als Gutachter und Sachverständiger. So ist er zum Beispiel seit 2007 Gutachter der DFG, der AiF, der DBU, der Aufbaubanken der Bundesländer und weiterer Forschungsgesellschaften. Von 2019 bis März 2025 war er Sachverständiger im Ausschuss Forschungsbauten des Wissenschaftsrats der Bundesrepublik Deutschland. In den Jahren 2019 und 2020 war er Gutachter für Twinning-Evaluierungen im EU-Forschungsrahmenprogramm Horizont 2020.

Er ist Mitglied in wissenschaftlichen Redaktionsbeiräten und Editor mehrerer Fachjournale. Sein jüngstes Projekt ist das englischsprachige Open Access Journal Technologies for Lightweight Structures, in dem Wissenschaftler schnell und mit qualifizierten Peer-Reviews Beiträge veröffentlichen können.

Schwerpunkte in Wissenschaft und Forschung

Der im Fachgebiet Leichtbau deutschlandweit einzigartige Bundesexzellenzcluster MERGE entstand an der TU Chemnitz unter Krolls Federführung und wurde im Projektzeitraum von November 2012 bis zum Ende Oktober 2019 mit rund 40 Millionen Euro von der DFG gefördert. Durch Krolls Kontakte zu polnischen Hochschulen und Partnern, u. a. der Technischen Universität Breslau und der Technischen Hochschule Oppeln, kann MERGE auch internationalen Erkenntnistransfer befördern. So wurde 2016 die Polish-German Bridge Conference unter Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten a. D. von Sachsen, Stanislaw Tillich, ins Leben gerufen. Seit 2015 wird die „International MERGE Technologies Conference for Lightweight Structures“ (IMTC) als Austauschplattform des Forschungsclusters MERGE an der TU Chemnitz abgehalten. In Kooperation mit MERGE war Kroll außerdem an der Einrichtung des inzwischen eingestellten internationalen Masterstudiengangs „Merge Technologies for Resource Efficiency“ an der TU Chemnitz beteiligt.

Seit April 2025 ist Kroll Sprecher des SFB/TRR 402 „Intelligente Produktionstechnologien für Kunststoff-Leichtbaustrukturen mit belastungsdedizierter 3D-Gradierung der Verstärkungsarchitektur“ (DediGrad). Der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Forschungsverbund wird von der TU Chemnitz gemeinsam mit der TU Dresden und der RWTH Aachen getragen; beteiligt sind außerdem die TU Wien und das Fraunhofer IWU. Die erste Förderphase umfasst 16,4 Millionen Euro und eine Laufzeit von drei Jahren und neun Monaten.

Kroll ist (Mit-)Begründer mehrerer Institute bzw. An-Institute der TU Chemnitz, die den Forschungsschwerpunkt des Strukturleichtbaus zusätzlich vertiefen und in Kooperation mit Unternehmen in industrielle Anwendungen umsetzen. Dazu zählen das Cetex Institut gGmbH in Chemnitz (Erforschung und Entwicklung von Technologien und Anlagen für technische Textilien und textile Halbzeuge für Faserverbundwerkstoffe), dessen Institutsdirektor Kroll von 2008 bis 2025 war sowie das Zentrum Integrative Leichtbautechnologien, Chemnitz (neue Spritzgießtechnologien für Hochleistungsbauteile mit Textilverstärkung oder mit komplexen Funktions- und Elektronikkomponenten), das Fraunhofer Forschungszentrum STEX am Fraunhofer IWU in Chemnitz (neuartige Textilmaschinen, Technologien und Schnittstellen für faserverstärkte Halbzeuge, In-line-Textilprozesse für Near-Net-Shape-Strukturen, Technologien textiler und kunststoffbasierter Fertigungsprozesse sowie Preformtechnologien für bionisch verstärkte Leichtbaustrukturen), Kunststoffzentrum Oberlausitz des Fraunhofer IWU in Zittau sowie das Project Center ALighT (Advanced Lightweight Technologies), Opole (gemeinsame Initiative der Fraunhofer-Gesellschaft, der TU Opole und des Technologieparks Opole zur Entwicklung von Produktionsprozessen, Designkonzepten und Kalkulationsstrategien für die Produktion hybrider Leichtbaukomponenten, insbesondere für die Automobilindustrie).

Zur Vernetzung auf Bundesebene wurde bereits 2009 unter Leitung von Kroll die Allianz Textiler Leichtbau (ATL) als Zusammenschluss der TU-Institute IST (Institut für Strukturleichtbau) und IFK (Institut für Fördertechnik und Kunststoffe) an der Fakultät für Maschinenbau und der drei An-Institute Cetex, STFI (Sächsisches Textilforschungsinstitut e. V.) und KVB (Institut für Konstruktion und Verbundbauweisen e. V.) der TU Chemnitz gegründet. Ziel ist die Bündelung der Kompetenzträger für zukunftsorientierte Forschung und Entwicklung durch Verknüpfung der Potenziale von Textil- und Kunststofftechnik für technische Anwendungen.

Mitgliedschaften (Auswahl)

Preise und Auszeichnungen (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung: Leitung Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Prof. h. c. Dr. h. c. Prof. Lothar Kroll. Technische Universität Chemnitz, abgerufen am 8. August 2022.
  2. ↑ Thomas Friedrich: Kontakt | Institut für Strukturleichtbau | Fakultät | TU Chemnitz. In: tu-chemnitz.de. Abgerufen am 5. Februar 2021.
  3. ↑ Webseite TU Chemnitz - Fakultät für Maschinenbau. In: tu-chemnitz.de. Abgerufen am 20. Dezember 2016.
  4. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 Leitung: Lothar Kroll. Technische Universität Chemnitz, abgerufen am 22. Juli 2026.
  5. ↑ prof. dr hab. inż. Lothar Kroll. AGH University of Krakow, abgerufen am 22. Juli 2026 (polnisch).
  6. ↑ Neuer Vorstand gewählt | Leichtbau-Allianz Sachsen. Leichtbau Allianz Sachsen, abgerufen am 5. Februar 2021.
  7. ↑ Kontakt. Circular MTC e. V., abgerufen am 22. Juli 2026.
  8. ↑ Nachhaltige Produktions- und Verwertungskreisläufe im Fokus. Technische Universität Chemnitz, 7. Juli 2022, abgerufen am 22. Juli 2026.
  9. ↑ Bauvorhaben des Bundes werden gut durchdacht – auch von einem Chemnitzer. Technische Universität Chemnitz, 27. Januar 2020, abgerufen am 22. Juli 2026.
  10. ↑ Webseite Technologies for Lightweight Structures. Abgerufen am 20. Dezember 2016.
  11. ↑ DFG - GEPRIS - EXC 1075: Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen - MERGE. In: dfg.de. Abgerufen am 5. Februar 2021.
  12. ↑ Webseite TU Chemnitz - Pressestelle. Abgerufen am 20. Dezember 2016.
  13. ↑ Webseite TU Chemnitz - IMTC. In: tu-chemnitz.de. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  14. ↑ Millionenförderung für neuen Sonderforschungsbereich an der TU Chemnitz. Technische Universität Chemnitz, 26. November 2024, abgerufen am 22. Juli 2026.
  15. ↑ TRR 402: Intelligente Produktionstechnologien für Kunststoff-Leichtbaustrukturen mit belastungsdedizierter 3D-Gradierung der Verstärkungsarchitektur. Deutsche Forschungsgemeinschaft, abgerufen am 22. Juli 2026.
  16. ↑ Webseite Cetex. Abgerufen am 20. Dezember 2016.
  17. ↑ Webseite smart systems campus. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 10. Januar 2017; abgerufen am 20. Dezember 2016.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  18. ↑ Webseite Fraunhofer IWU - Pressearchiv. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 10. Januar 2017; abgerufen am 20. Dezember 2016.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  19. ↑ Webseite Fraunhofer IWU - Pressearchiv. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 10. Januar 2017; abgerufen am 20. Dezember 2016.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  20. ↑ Webseite Forschungsvereinigung WNR. Abgerufen am 20. Dezember 2016.
  21. ↑ Unser Verein | Leichtbau-Allianz Sachsen. In: leichtbau-allianz-sachsen.de. Abgerufen am 10. Februar 2021.
  22. ↑ Press Office: Bauvorhaben des Bundes werden gut durchdacht – auch von einem Chemnitzer. Abgerufen am 10. Februar 2021 (englisch).
  23. ↑ AMME – Achievements in Mechanical and Materials Engineering. Abgerufen am 10. Februar 2021.
  24. ↑ Pressestelle Technische Universität Chemnitz: Weiterer Meilenstein in thailändisch-deutscher Kooperation. Abgerufen am 10. Februar 2021.
  25. ↑ Pressestelle Technische Universität Chemnitz: Ehrung für Erneuerer. Abgerufen am 10. Februar 2021.
  26. ↑ Pressestelle: 20.03.2018: Leichtbau als Lebenswerk | TU Chemnitz. In: tu-chemnitz.de. Abgerufen am 10. Februar 2021.
  27. ↑ Sylvia Decker: Würdigung für Chemnitzer Leichtbau-Experten in Bangkok. In: TUCaktuell. Technische Universität Chemnitz, 23. Februar 2026, abgerufen am 23. Juli 2026.
Personendaten
NAME Kroll, Lothar
KURZBESCHREIBUNG deutsch-polnischer Maschinenbauingenieur
GEBURTSDATUM 9. April 1959
GEBURTSORT Glogowek, Oberschlesien, Polen