

Jean-Joseph-Charles-Louis Blanc (* 29. Oktober 1811 in Madrid; † 6. Dezember 1882 in Cannes) war ein französischer sozialistischer Publizist, Politiker und Historiker. Als utopischer Sozialist war er ein Begründer der französischen Sozialdemokratie.
Louis Blanc vertrat einen Sozialismus vor Marx und Engels. Ihm ging es darum, die Situation der Arbeiter in einer industrialisierten Welt zu verbessern, und um die republikanische Staatsform, nicht um den Klassenkampf, die Weltrevolution und eine Herrschaft des Proletariats. Seine Erfolge als Mitglied von Regierung und Parlament blieben gering, doch seine Ideen wirkten lange nach.
Blancs Vater war Beamter im spanischen Finanzministerium während der Herrschaft Joseph Bonapartes. Nach dem Sturz Napoleons verarmte die Familie.
Blanc besuchte von 1821 bis 1830 das Gymnasium in Rodez. Anschließend zog er nach Paris, um einer journalistischen Tätigkeit nachzugehen. Nachdem er in diesem Beruf erfolglos war, nahm er zunächst eine Stelle als Hauslehrer bei einem in Arras ansässigen Großindustriellen an. Ab 1834 betätigte er sich erneut in Paris als Journalist und Schriftsteller. Von 1839 bis 1842 war Blanc Chefredakteur und Herausgeber der Revue du Progrès politique, social et litteraire. In denselben Funktionen wirkte er von 1841 bis 1848 bei der Revue indépendente und arbeitete außerdem ab 1843 für La Réforme.
Louis Blancs Hauptwerk Organisation der Arbeit (L’organisation du travail) ist zuerst 1839 in der Revue du Progrès erschienen und erlebte dann als Buch mehrere Auflagen. Die darin dargelegten Ideen hat Blanc sein Leben lang vertreten und kaum weiterentwickelt: Konkurrenz und Marktwirtschaft sind schädlich und müssen verschwinden. Gegen Arbeitslosigkeit und daraus folgende Armut soll das Recht auf Arbeit als Bürger- bzw. Menschenrecht anerkannt werden. Die Arbeiter sollen sich zu großen Produktionsgemeinschaften (ateliers sociaux) zusammenschließen, in welchen jeder nach seinen Fähigkeiten arbeiten und nach seinen Bedürfnissen entlöhnt wird. Preise werden in gegenseitigem Einvernehmen festgesetzt. Die ersten solchen Genossenschaften werden mit Hilfe des Staates eingerichtet und finanziert, später sollen sie ganz unabhängig sein, und diese Wirtschaftsform wird sich als die beste allgemein durchsetzen. Stark von Rousseau beeinflusst, stand Blanc als überzeugter Republikaner und Demokrat in der Tradition der Revolution von 1789 und 1793, er war Sozialist und forderte das allgemeine Wahlrecht (der Männer). Andererseits vertrat er christliche Werte, er lehnte Gewalt und den Druck von Massendemonstrationen ab. Veränderungen sollten von Parlament und Regierung beraten und beschlossen werden, und sein Ziel war nicht die Herrschaft der Arbeiter, sondern die Versöhnung zwischen Arbeitern und Mittelstand. Mit diesen Positionen genoss er viel Vertrauen in der Bevölkerung, fand aber wenig Rückhalt bei den politischen Parteien.
In der Februarrevolution von 1848 wurde Blanc auf Grund seines großen Ansehens bei den Arbeitern Mitglied der provisorischen Regierung. Dort suchte er seine Reformideen zu verwirklichen. Das Recht auf Arbeit wurde verkündet, und nach einem vergeblichen Vorstoss von Lamartine beschloss man am 26. Februar auf Blancs Antrag hin, die Todesstrafe abzuschaffen. Doch anstatt des geforderten Ministeriums für Arbeit wurde für Blanc lediglich eine große Kommission (Commission du Luxembourg) geschaffen, welche sich weiter mit dem Thema beschäftigen sollte, aber über keinerlei Kompetenzen und finanzielle Mittel verfügte. Die Nationalwerkstätten (ateliers nationaux), welche etwas später und unabhängig davon zur Beschäftigung der Arbeitslosen organisiert wurden, hatten mit Blancs Plänen wenig gemein. An den Demonstrationen am 17. März und dem Arbeiteraufstand im Juni 1848, welcher von Cavaignac blutig niedergeschlagen wurde, hat Blanc sich nicht beteiligt, trotzdem wurde er dafür verantwortlich gemacht. Als deshalb im August 1848 das Parlament seine Immunität aufzuheben drohte, floh er über Belgien nach England. Später verurteilte ihn ein französisches Gericht in Abwesenheit zur Deportation.
Im Exil in England beschäftigte sich Blanc mit historischen Studien und hielt gut besuchte Vorträge, dazu berichtete er von 1860 an in Zeitungen auf dem Kontinent regelmäßig über das Land. Er integrierte sich rasch und fand Zugang zur gehobenen Gesellschaft, eine enge Freundschaft verband ihn mit John Stuart Mill. In der Kritik an englischen Zuständen hielt er sich zurück, Streiks der Arbeiter lehnte er als untaugliches Mittel ab. Reisen unternahm Blanc kaum, er lebte in London, später in Brighton. 1865 heiratete er Christina Groh, eine gebürtige Deutsche.
Nach dem Sturz Napoleons III. und der Ausrufung der Republik im September 1870 kehrte Louis Blanc sogleich nach Paris zurück. In seinen letzten Jahren war er Abgeordneter in der Nationalversammlung, in der er der äußeren Linken angehörte. Er galt in dieser Zeit als Mentor der jungen Politiker Jean Jaurès und Georges Clemenceau. Soweit es ihm seine Gesundheit erlaubte, hielt er auch Vorträge im ganzen Land, welche gut besucht wurden. Unumstritten war er nicht. Für Irritationen sorgte zum Beispiel, dass er sich 1871 entschieden gegen die Pariser Kommune ausgesprochen hatte, sich dann aber an vorderster Front für eine Generalamnestie für die Kommunarden einsetzte; diese ist erst 1879 beschlossen worden.
Nach seinem Tod in Cannes 1882 wurde für Louis Blanc ein Staatsbegräbnis in Paris ausgerichtet, und 1887 wurde seine Statue auf der Place Monge aufgestellt (1941 eingeschmolzen).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Blanc, Louis |
| ALTERNATIVNAMEN | Blanc, Jean-Joseph-Charles-Louis (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Sozialist |
| GEBURTSDATUM | 29. Oktober 1811 |
| GEBURTSORT | Madrid |
| STERBEDATUM | 6. Dezember 1882 |
| STERBEORT | Cannes |