Louis Capitan

Louis Capitan

Joseph Louis Capitan (* 19. April 1854 in Paris; † 27. August 1929 ebenda) war ein französischer Mediziner, Anthropologe und Prähistoriker. Er gehörte zu den Wegbereitern der wissenschaftlichen Erforschung des Paläolithikums in Frankreich und war maßgeblich an der Entdeckung und Erforschung mehrerer bedeutender Fundstätten der Altsteinzeit beteiligt. Gemeinsam mit Henri Breuil und Denis Peyrony zählt er zu den Begründern der modernen französischen Paläolithforschung.

Leben

Louis Capitan studierte Medizin und war Schüler des Physiologen Claude Bernard. Nach seiner Promotion im Jahr 1883 war er zunächst als Arzt an den Pariser Krankenhäusern Hôtel-Dieu de Paris und Hôpital de la Salpêtrière tätig. Parallel dazu entwickelte er ein wachsendes Interesse an der Anthropologie und der Vorgeschichte des Menschen.

Entscheidend für seine wissenschaftliche Laufbahn wurde die Begegnung mit Gabriel de Mortillet, dessen Schüler er wurde. Unter dessen Einfluss wandte sich Capitan der prähistorischen Archäologie zu und entwickelte sich zu einem führenden Vertreter der französischen Urgeschichtsforschung.

Wissenschaftliche Tätigkeit

Seit 1898 lehrte Capitan prähistorische Anthropologie an der École d’anthropologie de Paris. Im Jahr 1908 wurde ihm am Collège de France die Professur für amerikanische Altertumskunde übertragen. Dort verband er Forschungen zur europäischen Vorgeschichte mit Studien über die präkolumbischen Kulturen Amerikas.

Capitan veröffentlichte zahlreiche Arbeiten zur Prähistorie, Anthropologie und Archäologie. Seine Vorlesungen und Publikationen trugen wesentlich dazu bei, die Vorgeschichtsforschung als eigenständige wissenschaftliche Disziplin in Frankreich zu etablieren.

Forschungen zur Altsteinzeit

Besondere Bekanntheit erlangte Capitan durch seine Forschungen im Périgord, insbesondere im Vézère-Tal. Gemeinsam mit Henri Breuil und Denis Peyrony entdeckte er 1901 die reich mit eiszeitlicher Kunst ausgestatteten Höhlen Les Combarelles und Font-de-Gaume bei Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil. Diese Entdeckungen lieferten einen entscheidenden Beweis für die Echtheit der paläolithischen Höhlenmalerei und trugen wesentlich zu ihrer wissenschaftlichen Anerkennung bei. Darüber hinaus beteiligte sich Capitan an Ausgrabungen zahlreicher bedeutender Fundstellen der französischen Altsteinzeit, darunter Laugerie-Haute, La Ferrassie, La Madeleine, Le Moustier, Saint-Acheul sowie Teyjat. Von großer wissenschaftlicher Bedeutung waren seine anthropologischen Beschreibungen bestatteter Neandertaler in der verstürzten Höhle von La Ferrassie.

Weitere Tätigkeiten

Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit engagierte sich Capitan für den Erhalt archäologischer Denkmäler. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte er sich für die Restaurierung der Arena von Lutetia in Paris ein. Der benachbarte Capitan-Platz wurde später nach ihm benannt. Capitan war Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften, wie der Académie nationale de médecine. Er war Träger der Orden Chevalier de la Légion d’honneur und Officier de la Légion d'honneur (dt.: Ritter / Offizier der Ehrenlegion).

Veröffentlichungen

Monographien

Aufsätze (Auswahl)

Literatur

Commons: Louis Capitan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Personendaten
NAME Capitan, Louis
ALTERNATIVNAMEN Capitan, Joseph Louis (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG französischer Mediziner, Anthropologe und Prähistoriker
GEBURTSDATUM 19. April 1854
GEBURTSORT Paris
STERBEDATUM 27. August 1929
STERBEORT Paris