Louis Fraser

Louis Fraser (* 1819 oder Anfang 1820; † 1883 oder bald danach) war ein britischer Zoologe und Sammler.

Leben und Wirken

Das genaue Datum seiner Geburt oder seines Todes sind nicht bekannt. Es gibt eine Heiratsurkunde, nach der er am 17. Februar 1844 heiratete und damals 24 Jahre alt war. Die letzte bekannte Nachricht von ihm sind die Etiketten einiger von ihm in Florida gesammelter Vögel im Zoologischen Museum der Universität Cambridge mit seiner Handschrift (Juli 1883, ein Amerika-Schlangenhalsvogel). Er starb wahrscheinlich vor 1888 in Nordamerika.

Fraser war der Sohn eines Seemanns und war ab 1832 Laufbursche (Office boy) im Museum der Zoological Society of London. 1841 wurde er Kurator des Museums, wobei er damals schon fünf Veröffentlichungen in den Proceedings der Zoological Society vorweisen konnte. Er nahm auf Einflussnahme von Lord Derby (Präsident der Zoological Society) an Allens und Thomsons Niger-Expedition zwischen 1841 und 1842 als Wissenschaftler der African Civilization Society teil., wobei er eine bedeutende Sammlung im Golf von Guinea zusammenstellte. Nach seiner Rückkehr 1842 war er wieder am Museum der Zoological Society, in dem er 1844 Kurator wurde.

Er gab ab 1845 Zoologica Typica, or figures of the new and rare animals and birds in the collection of the Zoological Society of London, heraus, einen reichlich illustrierten Folianten, der in 14 Lieferungen zwischen 1845 und der Einstellung aus finanziellen Gründen 1849 erschien. In diesem Buch beschrieb er eine Vielzahl neuer Vogelarten und Säugerarten, die der Zoological Society präsentiert wurden. 1846 gab er seinen Posten bei der Zoological Society auf, um mit einem Halbjahresvertrag für Lord Derby in Nordafrika zu sammeln. 1847 sammelte er dort auf eigene Rechnung. Ab April 1848 war er temporär für die Sammlung von Lord Derby in Knowsley Hall verantwortlich. Sein Nachfolger wurde schließlich David Dyson (1823–1856), der bis zum Tod Derbys die Sammlung als Kurator betreute. Es war Fraser, der im Jahr 1850 mit Catalogue of the Knowsley Collections einen Katalog über die Sammlung publizierte. Das sechsbändige Manuskript über die Vögel der Sammlung ist in Liverpool.

1851 bis 1853 Fraser auf Vermittlung von Lord Derby zum Vize-Konsul von Ouidah, Dahomey ernannt, während der Regierungszeit des Königs von Dahomey Gézo. Ab 1857 sammelte er in Südamerika für drei Jahre Vögel und Säugetiere für Philip Lutley Sclater von der Zoological Society of London, unter anderem 1859 in Ecuador und im folgenden Jahr in Kalifornien. Nach seiner Rückkehr nach London eröffnete er in Knightsbridge und danach in der Regent Street ein Geschäft für exotische Vögel, das aber nicht erfolgreich war. Er ging wieder nach Nordamerika und arbeitete für Woodward's Gardens in San Francisco, was er für eine Tätigkeit auf Vancouver Island aufgab. Im Jahr 1862 verfasste er unter der Federführung von Sclater die erste Ausgabe von List of the vertebrated animals now or lately living in the gardens of the Zoological Society of London. 1866 ist er wieder in London nachweisbar. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Amerika und sammelte 1883 in Florida.

Fraser sammelte über 1000 Exemplare von Vögeln in Tunesien, Dahomey (Benin), Niger, Fernando Póo, Ecuador, Panama, Guatemala und Nordamerika. 645 wurden in Sammlungen in Großbritannien, Deutschland und den USA identifiziert, darunter über 100 Typexemplare. Seine Sammlung ist unter anderem im Natural History Museum at Tring, in Liverpool und in Cambridge. Er hinterließ ausführliche und detaillierte Beobachtungsnotizen.

Sein Sohn Oscar Louis Fraser war ab 1882 Assistent am Indian Museum in Calcutta und Fellow der Linnean Society of London.

Fraser korrespondierte mit Charles Darwin.

Dedikationsnamen

Fraser wird im Epitheton von verschiedenen Vogelarten geehrt, darunter der Feenwaldsänger (Myiothlypis fraseri Sclater, PL, 1884), der Laubnektarvogel (Deleornis fraseri (Jardine & Selby, 1843)), die Kurzlaufdrossel (Stizorhina fraseri (Strickland, 1844)) und der Riesenspitzschnabel (Oreomanes fraseri Sclater, PL, 1844). Auch der Name einer Unterart des Schwarzschnabeltityra (Tityra inquisitor fraserii (Kaup, 1852)) und des Weißstirn-Spitzschnabels (Conirostrum cinereum fraseri Sclater, PL, 1859) ist eine Widmung an Fraser. Außerdem hat Bonaparte die Gattung Fraseria für den Waldschnäpper (Fraseria ocreata (Strickland, 1844)) eingeführt, da Fraser das Typusexemplar von seiner Niger-Expedition mitgebracht hatte. Die Unterart der Tamburintaube (Turtur tympanistria fraseri (Bonaparte, 1855)) gilt heute als Synonym für die Nominatform. Mit der Lieferung 24 seiner Kolibritafeln aus dem Jahr 1861 beschrieb John Gould Glaucis Fraseri, ein Name der heute als Synonym für den Weißbinden-Schattenkolibri (Threnetes ruckeri (Bourcier, 1847)) steht. Des Weiteren findet sich sein Name in Celeopicus Fraseri Malherbe, 1862, ein Synonym für den Rotkehlspecht (Celeus loricatus (Reichenbach, 1854)) und in Nectarinia fraseri Dohrn, 1866, ein Synonym für den Einsiedel-Nektarvogel (Cyanomitra obscura (Jardine, 1843)).

Schriften (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Lebensdaten nach Clemency Thorne Fisher: Fraser, Louis. In: Dictionary of National Biography. Online-Ausgabe 2004. Amberley Moore (siehe Literatur) gibt 1884 als Todesdatum an.
  2. ↑ Amberley Moore, James Jobling: The unknown traveller - the ornithological collections of Louis Fraser. Vortrag British Ornithological Society 2004. In: Bulletin British Ornithological Society. Band 124, 2004, S. 2. Unter den gesammelten Vögeln war auch ein Exemplar des ausgestorbenen Karolinasittich.
  3. ↑ Society for the Extinction of the Slave Trade (Hrsg.): The Friend of Africa. J.W. Parker, 1841, S. 143 (books.google.de [abgerufen am 23. Mai 2008]).
  4. ↑ Meldung des Express. 12. Dezember 1856 abgedruckt in The Substitute; Or, Etomological Exchange Facilitator, and Entomologist's Fire-side Companion. S. 107.
  5. ↑ Amberley Moore, James Jobling: The unknown traveller - the ornithological collections of Louis Fraser. Vortrag British Ornithological Society 2004 In: Bulletin British Ornithological Society. Band 124, 2004, S. 2.
  6. ↑ Die Korrespondenz mit Sclater ist anscheinend nicht mehr erhalten, da Sclaters Stadthaus im Zweiten Weltkrieg von einer Bombe getroffen wurde. Amberley Moore, James Jobling, The unknown traveller, loc. cit.
  7. ↑ Goodwin, Dictionary of National Biography 1888
  8. ↑ Goodwin, loc. cit.
  9. ↑ Amberley Moore, James Jobling, The unknown traveller - the ornithological collections of Louis Fraser, Vortrag British Ornithological Society 2004, Bulletin British Ornithological Society, 124, 2004, S. 2 (Club Announcements)
  10. ↑ Goodwin, Fraser, Louis, Dictionary of National Biography 1888. Danach war er noch 1888 in Calcutta.
  11. ↑ Philip Lutley Sclater, 1884 (1883), S. 653, Tafel 61.
  12. ↑ William Jardine, 7. Baronet of Applegarth u. a., Tafel 52 & Text.
  13. ↑ Hugh Edwin Strickland, 1844, S. 101.
  14. ↑ Philip Lutley Sclater, 1844, S. 75, Tafel 159.
  15. ↑ Johann Jakob Kaup, S. 47, Tafel 37 & 38.
  16. ↑ Philip Lutley Sclater, 1859, S. 452, Tafel 159.
  17. ↑ Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte (1854), S. 536.
  18. ↑ Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte (1855), S. 67.
  19. ↑ Frederick Herschel Waterhouse, S. 50. Hier wird Publikationsjahr, Lieferung mit den Tafel in A monograph of the Trochilidæ dargestellt.
  20. ↑ John Gould, Tafel 12 plus dazugehöriger Text
  21. ↑ Alfred Malherbe, S. 16, Tafel 53 bis, Figur 5.
  22. ↑ Heinrich Wolfgang Ludwig Dohrn, S. 326.
Personendaten
NAME Fraser, Louis
KURZBESCHREIBUNG britischer Zoologe und Sammler
GEBURTSDATUM 1819 oder 1820
STERBEDATUM nach 1883