Louis Guilloux

Louis Guilloux

Louis Guilloux (* 15. Januar 1899 in Saint-Brieuc; † 14. Oktober 1980 ebenda) war ein französischer Schriftsteller, der wie seine Freunde André Malraux und Albert Camus eine Literatur des sozialen Engagements vertrat – entsprechend zählte er während der Besatzungszeit zur Résistance. Neben Romanen und journalistischen Arbeiten verfasste der Englischlehrer auch Übersetzungen. Seit 1983 ist nach Guilloux, der selbst einige Auszeichnungen erhielt, der Prix Louis Guilloux benannt.

Leben und Werk

Louis Guilloux war Sohn eines sozialistisch gesinnten Schusters. Ein Stipendium ermöglichte ihm den Besuch des Gymnasiums. Bereits mit 15 Jahren verfasste er Artikel für Zeitschriften; bald widmete er sich erklärtermaßen der Literatur. Seiner bretonischen Heimatstadt Saint-Brieuc – wo er sich als Lehrer ernährte – blieb er zeitlebens treu. Guilloux habe „kein bißchen Ähnlichkeit mit einem Pariser Literaten“ gehabt, schreibt Pariskenner Ilja Ehrenburg in seinen Memoiren. Er sei bescheiden und von der „obligaten Sucht“ frei gewesen, „ein paar philosophische Haare zu spalten“. Während der Resistance trafen sich in seinem Haus die Widerstandskämpfer.

1924 verheiratete sich Guilloux mit Renée Tricoire. Er war mit den Schriftstellern Max Jacob und André Chamson befreundet; dieser verschaffte ihm Zugang zum Verlag Grasset, in dem 1927 sein erster Roman erscheinen konnte. Nun legte Guilloux in geringen Abständen etliche weitere Romane vor, von denen zumeist Le sang noir (Schwarzes Blut) aus dem Jahr 1935 hervorgehoben wird. Vor der Folie des Ersten Weltkrieges handelt dieses Buch vom Niedergang eines gehänselten und geschnittenen kleinstädtischen Philosophielehrers, aber auch von der Verheizung der Jugend im Militarismus. Sein „Held“ ist an Guillouxs frühen, anarchistisch gesinnten Philosophielehrer Georges Palante gelehnt, den er verehrte. Kindlers Neues Literaturlexikon spricht von „eindringlichen Charakterstudien“; Ehrenburg zählt Schwarzes Blut zu den „besten Romanen der Zwischenkriegszeit“; noch weiter geht Jorge Semprún, der es unter die größten Romane des gesamten Jahrhunderts rechnet. Das Buch, das 1935 fast mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet worden wäre, wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Marcel Maréchal verarbeitete es zu einem Opernlibretto, das von François Fayt vertont und 2014 unter dem Titel Das schwarze Blut uraufgeführt wurde.

1935 gehörte Guilloux mit Malraux, René Blech, Jean-Richard Bloch und Ehrenburg zu den Hauptorganisatoren des in Paris tagenden internationalen antifaschistischen Schriftstellerkongresses. Ein Jahr darauf reiste er (wie auch Eugène Dabit) unter Leitung André Gides durch die Sowjetunion. Die dabei erlittene Ernüchterung verhinderte Guillouxs Beitritt zur Kommunistischen Partei. Allerdings wurde er führend in der internationalen Roten Hilfe aktiv, die kommunistische Gefangene, Flüchtlinge aus dem faschistischen Deutschland oder die Volksfront in Spanien unterstützte.
Guilloux zählte laut Léon Lemonniers Manifeste du roman populiste (1930) zu den prototypischen Autoren des Populismus. Sein Roman Le pain des rêves wurde 1942 mit dem Prix du roman populiste ausgezeichnet.
1945 begann seine Freundschaft mit Albert Camus. 1948 reiste er mit Camus ins von Frankreich geknechtete Algerien. Zu Guillouxs Freunden zählten auch der Philosoph Jean Grenier, der gleichfalls in Saint-Brieuc zur Schule gegangen war, und der Essayist Jean Guéhenno, mit dem er in regem Briefwechsel stand.

Nach der Befreiung Frankreichs dolmetschte Guilloux für die Besatzungsorgane der USA. Die dabei gemachten zwiespältigen Erfahrungen schlugen sich später in seinem kurzen Roman O.K. Joe! (1976), zudem in einer Arbeit von Alice Kaplan nieder. Kurz vor seinem Tod kann er noch seine Tagebücher bearbeiten und eine Ehrung seines alten Philosophielehrers veröffentlichen (1980). Er wird neben anderen prominenten Geistesgrößen auf dem Cimetière Saint-Michel seiner Geburtsstadt Saint-Brieuc beigesetzt. Dort und in Rennes sind verschiedene Straßen und Einrichtungen nach Louis Guilloux benannt.

Auszeichnungen

Werke

Er schuf ferner Film-/Fernsehbearbeitungen von literarischen Klassikern, z. B. 1973 von Roger Martin du Gards Thibault.

Literatur

Film

Commons: Louis Guilloux – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Unter anderen: Joseph Conrad, C. S. Forester, Claude McKay, Margaret Kennedy, John Steinbeck.
  2. ↑ Menschen Jahre Leben, Ausgabe München 1962/65, Band II S. 305.
  3. ↑ Ausgabe München 1988.
  4. ↑ Ehrenburg II S. 305.
  5. ↑ Freundesgesellschaft, abgerufen am 11. Mai 2011.
  6. ↑ Programmheft Das schwarze Blut. Theater Erfurt, Spielzeit 2014/2015, S. 16.
  7. ↑ Ehrenburg II S. 369.
  8. ↑ Michèle Touret, Louis Guilloux et le populisme, une longue histoire, in: Études littéraires 44, Nr. 2 S. 127–146, online auf: erudit.org (14. März 2014), abgerufen am 9. April 2026 (französisch).
  9. ↑ Histoire du prix Eugène Dabit – Le peuple & le style, auf: prixeugenedabit.fr (2026), abgerufen am 9. April 2026 (französisch).
  10. ↑ Jean Guéhenno – Louis Guilloux: Correspondance 1927–1967. Les paradoxes d’une amitié, Verlag La Part Commune, 2010.
  11. ↑ On Violent Judgment: Louis Guilloux's Novel about Race, Justice, and the Segregated Army that Liberated France, French Literature Series, Vol. 35, No. 1 (1 October 2008), S. 105–122.
  12. ↑ Saint-Michel, abgerufen am 11. Mai 2011.
  13. ↑ Aus der Perspektive von dessen Sohn wird das Ringen eines Schusters um Brot und Brüderlichkeit (um 1914) behandelt.
  14. ↑ 1967 verfilmt von Jean-Paul Roux.
  15. ↑ 1960 dramatisiert, 2007 verfilmt von Peter Kassovitz.
  16. ↑ 1974 verfilmt von Jean-Paul Roux. Der Roman ist von Kindheitserinnerungen seines Autors geprägt.
  17. ↑ In formaler Hinsicht ein komplizierter Roman, der gesellschaftliche (Krieg, Volksfront) und persönliche Dramen „kaleidoskopisch“ (Walter Redfern) mischt.
  18. ↑ Stellt laut Winfried Engler: Lexikon der französischen Literatur (= Kröners Taschenausgabe. Band 388). 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 1984, ISBN 3-520-38802-2 die Verlässlichkeit einer Biographie mit den Mitteln des Kriminalromans in Frage.
Personendaten
NAME Guilloux, Louis
KURZBESCHREIBUNG französischer Schriftsteller
GEBURTSDATUM 15. Januar 1899
GEBURTSORT Saint-Brieuc
STERBEDATUM 14. Oktober 1980
STERBEORT Saint-Brieuc