Lovedale Mission

Die Lovedale Mission, auch Lovedale Mission Station, später das Lovedale Institute, war eine von englischen und schottischen Geistlichen geschaffene Einrichtung zur christlichen Missions- und Bildungsarbeit in östlicher Randlage der ehemaligen Kapkolonie. Die ersten Standorte lagen im Umfeld der südafrikanischen Kleinstadt Alice (heute Provinz Eastern Cape) in einer indigen besiedelten Tallandschaft.

Beginn der Missionsarbeit

John Love (1797, Graphik von William Ridley)
Ehemalige administrative Gliederung im östlichen Teil der Kapkolonie (um 1835), mit Eintrag „Fort Hare“

Die christliche Missionsarbeit begann in dieser Region im Jahre 1820 auf Betreiben von Joseph Williams in Fort Beaufort und John Brownlee im Tyhume-Tal unter Anleitung der London Missionary Society. Brownlee gründete an den westlichen Hängen des oberen Talabschnittes die kleine Mission Chumie (Gwali) unweit des Berges Tyume Peak (1466 m). Ein Jahr später, im November 1821, trafen die Missionare John Ross und John Bennie in Chumie auf Brownlee, um mit ihm über die Gründung eines neuen Missionsstandortes zu beraten. Die Entscheidung fiel auf eine Lokalität am Rande des Incehra River (ungefähre Lage Welt-Icon) südöstlich von Chumie. Bennie und Ross ließen sich hier nieder, bauten einfache Behausungen, legten einen Garten an und nannten die Lokalität Incehra (auch als Inchera bekannt). Zur förderlichen Entwicklung ihrer Vorhaben standen sie in Kontakt mit John Love, dem Secretary of the Glasgow Missionary Society. Etwa ein Jahr später starb John Love am 17. Dezember 1825. In Verehrung und Anerkennung seiner Leistungen nannten die jungen Missionare ihre noch junge Wirkungsstätte Lovedale.

Zunächst waren die Unterkünfte für alle Bewohner sehr einfach. In den frühen 1830er Jahren entstanden die ersten Steingebäude. Die Lebensverhältnisse blieben noch nach dem Fünften Grenzkrieg (1818–1819) unruhig. Einwandernde Händler und Farmer wurden getötet, da diese Region eine Pufferzone zwischen den Machtbereichen der Xhosa und der Briten geworden war. Die Missionare blieben zunächst weitgehend unbehelligt und genossen von Xhosa-Herrschern sogar Schutzgarantien. Schließlich kam es durch herumstreifende Krieger doch zu Überfällen, in deren Verlauf Lovedale und einige andere Stationen starke Zerstörungen erlitten.

Diese kleine Häusersiedlung am Incehra River blieb bis etwa 1836 die Keimzelle für das spätere Lovedale Institute und wird als Old Lovedale bezeichnet. Schon während der ersten Jahre stellten sich die örtlichen Nachteile heraus. Besonders die Wasserversorgung erwies sich als unvorteilhaft, ein Grund, warum die Gegend nur von wenigen Xhosa besiedelt war. Unter den Missionsstationen Burnshill, Chumie, Lovedale und Pirie hatte sich inzwischen eine feste Zusammenarbeit entwickelt.

Im Sechsten Grenzkrieg (1834–1836) erlitt die Region erneut erhebliche Sachschäden und Verluste an Menschenleben. Die Missionsarbeiten wurden eingestellt und viele Gebäude der Station wurden 1835 zerstört. Zum Ende des Jahres 1836 kamen führende Mitarbeiter aus Burnshill, Chumie, Lovedale und Pirie in einer Beratung zusammen, um sich über ihre gemeinsamen Interessen zu verständigen. Bei diesem Treffen beschloss man die Aufgabe des bisherigen Lovedale-Standortes und eine Neuerrichtung unter demselben Namen. Die Entscheidung zur künftigen Stätte, etwa vier Meilen westlich davon, fiel 1837. Zunächst wurde mit dem Bau von Wohngebäuden und einer Schulkirche begonnen. Am 5. September 1838 eröffnete eine Ganztagsschule.

Lovedale Institute

Hauptgebäude vom Lovedale Institut

Am 21. Juli 1841 nahm das Lovedale Institute am neuen Standort (Lage Welt-Icon) seine Tätigkeit auf. Sie begann mit der Berufungszeremonie von William Govan (Amtszeit 1841–1870) zum ersten Prinzipal dieser Einrichtung. Hierzu war eine große Zahl an Gästen gekommen, die aus der Umgebung und aus weiter entfernten Orten der Kapregion anreisten, verschiedenen Religionsgemeinschaften angehörten oder als interessierte Siedler teilnahmen. Unter den Anwesenden der gemeinsamen Veranstaltungen befanden sich Europäer und Nicht-Europäer. Der Unterrichtsbetrieb wurde mit 11 schwarzen und 9 europäischstämmigen Schülern begonnen. Kurz nach der Gründung der Free Church of Scotland geht Lovedale 1844 in deren Arbeitsfeld über.

Die Ereignisse des Siebten Grenzkriegs (1846–1847, auch als Amatola-Krieg bezeichnet) verursachten in der Region viele Zerstörungen. Die älteste und in ihrer Arbeit am weitesten fortgeschrittene Missionsstation Chumie wurde 1846 das Ziel eines verheerenden Brandanschlags, durch den fast alle Gebäude niederbrannten. Unbetroffen davon blieben das Wohnhaus eines Häuptlingsohnes und das Küchengebäude der Station. Das Resultat war die Schließung dieser Missionsstation, die 1852 aufgegeben wurde. Hier befand sich seit 1823 eine kleine Druckerei, die als Vorläufer der Lovedale Press angesehen wird. Im Jahr 1846 schloss die Lovedale Institution, weil unter den Kriegsbedingungen eine Arbeit unmöglich wurde. Britische Truppen übernahmen die Anlage. Die Lehre aus dem Krieg hatte auf britischer Seite eine massive Besiedlung des Amatola-Vorlandes mit Europäern, die Veränderung von Verwaltungsgrenzen, eine gewaltsame Umsiedlung von Teilen der Xhosa-Bevölkerung und den Bau militärischer Befestigungsanlagen zur Folge. In diesem Zusammenhang entstand 1848 in nur geringer Distanz von Lovedale das größte Fort in der Grenzregion zum Xhosa-Siedlungsgebiet, das seinen Namen nach Colonel Hare erhielt, einem ehemaligen Lieutenant-Governor der Eastern Province. Die Anlagen des Forts konnten zeitweilig über 650 Soldaten aufnehmen. Zudem gliederte man die Missionsstation in den neuen Distrikt Victoria East ein. Die gesamte Xhosa-Bevölkerung wurde aus diesem Distrikt in die Landschaften östlich des Tyhume River zwangsumgesiedelt. Am 17. Juli 1849 erfolgte die Wiedereröffnung der Lovedale Institution. Im Verlauf des Jahres 1855 ergaben sich erhebliche Veränderungen. Durch finanzielle Unterstützung der Kolonialverwaltung konnten Werkstätten errichtet werden. Die Ausbildung umfasste nun nicht mehr nur allgemeines und praktisches Grundwissen, sondern bot berufliche Qualifikationen für die Handwerke Maurer, Schmied, Wagenbauer und Zimmerer.

Die Missionsstation entwickelte sich zu einer erfolgreichen Bildungsstätte mit weiter Ausstrahlung für überwiegend schwarze Personen, wurde 1916 zum South African Native College aufgewertet, nach 1951 in University College of Fort Hare umbenannt und schließlich entstand daraus die University of Fort Hare.

Literatur

Commons: Lovedale – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ South African History Online: Gwali Mission. Beschreibung auf www.sahistory.org.za (englisch).
  2. 1 2 South African History Online: Mission Stations - I-L. Eintrag auf www.sahistory.org.za (englisch).
  3. ↑ Robert H. W. Shepherd: Lovedale South Africa. The Story of a Century 1841–1941. The Lovedale Press, Lovedale 1940, S. 64
  4. 1 2 Robert H. W. Shepherd: Lovedale South Africa. The Story of a Century 1841–1941. The Lovedale Press, Lovedale 1940, S. 83.
  5. ↑ Robert H. W. Shepherd: Lovedale South Africa. The Story of a Century 1841–1941. The Lovedale Press, Lovedale 1940, S. 84.
  6. ↑ Robert H. W. Shepherd: Lovedale South Africa. The Story of a Century 1841–1941. The Lovedale Press, Lovedale 1940, S. 87, 510.
  7. ↑ South African History Online: Lovedale Missionary School. Beschreibung auf www.sahistory.org.za (englisch).
  8. ↑ Robert H. W. Shepherd: Lovedale South Africa. The Story of a Century 1841–1941. The Lovedale Press, Lovedale 1940, S. 95–96, 510.
  9. ↑ Robert H. W. Shepherd: Lovedale South Africa. The Story of a Century 1841–1941. The Lovedale Press, Lovedale 1940, S. 126, 510.
  10. ↑ Glen Paterson: History of the Tyume. auf www.missionattheeastward.org (englisch).
  11. ↑ Robert H. W. Shepherd: Lovedale South Africa. The Story of a Century 1841–1941. The Lovedale Press, Lovedale 1940, S. 116, 510–511.