
Julie „Lu“ Volbehr (* 5. Juni 1871 in Nürnberg als Julie Pauline Emma Scharrer; † 13. Januar 1945 in Neustadt an der Aisch) war eine deutsche Schriftstellerin.

Lu Volbehr wurde als Tochter des Großhändlers und Magistraten Johannes Scharrer II. († 1892) in eine alteingesessene Nürnberger Familie geboren; ihr Urgroßvater Johannes Scharrer war zweiter Bürgermeister und Direktor der Ludwigseisenbahn. Sie besuchte Internate in Nürnberg und Stuttgart. Nach Abschluss ihrer Ausbildung heiratete sie 1893 den Kunsthistoriker Theodor Volbehr (1862–1931), der wissenschaftlicher Bibliothekar am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg gewesen war. Nach der Heirat übersiedelte sie nach Magdeburg, wo ihr Ehemann das erste städtische Museum einrichtete und 1895 dessen Direktor wurde.
Etwa ab dem Jahr 1900 ist eine Betätigung Volbehrs als Schriftstellerin nachweisbar. Bereits 1895 gewann sie ein Preisausschreiben der Wochenzeitung Das Echo für den „schönsten kurzen Nachruf“ auf Fürstin Johanna von Bismarck. Erste Erfolge konnte Volbehr mit dramatischen Arbeiten verzeichnen; ihr Gesellschaftsstück Schwester Fides (1902) wurde am Stadttheater Magdeburg uraufgeführt. Sie verfasste zahlreiche Dramen, Erzählungen und Romane, deren Handlung meist im historischen Nürnberg spielt. Ihre Werke veröffentlichte sie in über ganz Deutschland verstreuten Verlagen. Als ihr Hauptwerk gilt der Roman Die neue Zeit, der 1905 und 1909 in zwei Teilen erschien. Dessen Titel bezieht sich auf die Zeit nach den Befreiungskriegen, in der in Nürnberg unter der Ägide ihres Urgroßvaters ein wirtschaftlicher Aufschwung stattfand, den sie im ersten Teil schildert. Max Geißler nannte Die neue Zeit einen „vaterländische[n] Roman von fruchtbaren Anregungen“.
Volbehr war außerdem beim Bayerischen Roten Kreuz und während des Ersten Weltkriegs beim Nationalen Frauendienst tätig. Mit dem Kriegsroman Das Jungmädchenjahr (1916) nimmt sie, so die Germanistin und Erziehungswissenschaftlerin Gisela Wilkending, in einer „auf den Nationalsozialismus vorausweisenden Form“ zur Frage einer Dienstpflicht für Mädchen Stellung. Volbehr imaginiere das Pflichtjahr als „paramilitärische Schule der ‚Disziplin‘ […], als Dienst am ‚Vaterland‘ und als ‚Schule zur Ehe‘“ und vertrete die Ansicht, der Krieg habe die „Realisierung ihres Zukunftsbildes näher gerückt“. Nach Kriegsende und Einführung des Frauenwahlrechts schrieb sie einen Artikel mit dem Titel Frauenwahlpflicht, in dem sie schilderte, welche wichtige Rolle nun den Frauen bei der Gestaltung Deutschlands zukommen werde.
1923 wurde Theodor Volbehr als Direktor des Kaiser-Friedrich-Museums pensioniert, woraufhin das Paar nach München zog. Lu Volbehr war ein aktives Mitglied des Münchner Schriftstellerinnen-Vereins. Nach dem Tod ihres Mannes kehrte sie 1932 mit den beiden erwachsenen Töchtern nach Nürnberg zurück, wo sie rege am kulturellen Leben teilnahm. Sie war Mitglied des Pegnesischen Blumenordens und blieb bis zu ihrem Tod Schriftstellerin; 1941 erschien mit Kinder der Distelgasse ihr letztes Buch. Es sollte nach Ende des Zweiten Weltkriegs in das Berliner Verzeichnis der auszusondernden Literatur aufgenommen werden.
Am 2. Januar 1945 wurde Volbehrs Wohnung am Neutorgraben durch einen Bombenangriff zerstört; die unter einer leichten Bronchitis leidende 73-Jährige wurde in das nahegelegene Neustadt an der Aisch evakuiert. Dort starb sie wenige Tage später. Ihr Leichnam wurde in der Scharrer-Gruft auf dem Johannisfriedhof beigesetzt. Seit 1945 ist die Volbehrstraße ⊙ (zuvor 1933–1945: Dietrich-Eckart-Straße) im Nürnberger Stadtteil Erlenstegen nach ihr benannt.
Aus ihrer Ehe mit Theodor Volbehr gingen die Töchter Lulu (* 1894) und Dorothea (* 23. April 1897 in Magdeburg; † 13. Juni 1966 in Camarillo, Kalifornien) hervor. Dorothea Volbehr, geschiedene Brülloph, war Malerin und betätigte sich in der Zeit des Nationalsozialismus ebenfalls schriftstellerisch. Sie veröffentlichte in NS-Frauenzeitschriften und verfasste das Heft Nach Südfrankreich verschleppt, welches 1942 in der „direkter Propaganda und Indoktrination“ dienenden Reihe Die Mädelbücherei des NS-treuen Verlags Junge Generation (Berlin) erschien. Später emigrierte sie in die Vereinigten Staaten.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Volbehr, Lu |
| ALTERNATIVNAMEN | Volbehr, Julie (wirklicher Name); Scharrer, Julie Pauline Emma (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Schriftstellerin |
| GEBURTSDATUM | 5. Juni 1871 |
| GEBURTSORT | Nürnberg |
| STERBEDATUM | 13. Januar 1945 |
| STERBEORT | Neustadt an der Aisch |