Lubomierz

Lubomierz
Wappen von Lubomierz
Lubomierz (Polen)
Lubomierz (Polen)
Lubomierz
Basisdaten
Staat: Polen Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Powiat: Lwówek Śląski
Gmina: Lubomierz
Fläche: 8,05 km²
Geographische Lage: 51° 1′ N, 15° 31′ OKoordinaten: 51° 0′ 45″ N, 15° 30′ 39″ O
Höhe: 354 m n.p.m.
Einwohner: 1775 (1. Januar 2024)
Postleitzahl: 59-623
Telefonvorwahl: (+48) 75
Kfz-Kennzeichen: DLW
Wirtschaft und Verkehr
Nächster int. Flughafen: Breslau

Lubomierz (deutsch: Liebenthal; 1945–1947 polnisch Miłosna) ist eine Kleinstadt mit nahezu 2000 Einwohnern im Powiat Lwówecki der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Sie ist zugleich Sitz der Stadt- und Landgemeinde Lubomierz mit 5618 Einwohnern (Stand 1. Januar 2024) und gehört der Euroregion Neiße an.

Geographische Lage

Die Stadt liegt etwa 40 km südöstlich von Görlitz und 18 km nordwestlich von Jelenia Góra (Hirschberg im Riesengebirge) in einem Tal des Isergebirgsvorlands an der Ölse (Oľdza) und der ehemaligen Bahnstrecke Legnica–Pobiedna.

Geschichte

St. Maternus
Ehemaliges Benediktinerkloster
Liebenthaler Rathaus
Geschäftshäuser am Ring

Ihren Namen verdankt die Stadt den Rittern von Liebenthal, die 1251 erstmals nachgewiesen sind und in der Gegend Land besaßen. Die Witwe Jutta von Liebenthal gründete 1287 ein Benediktinerinnenkloster, worauf das von ihm abhängige Dorf ausgebaut wurde und 1291 von Bolko I. von Schweidnitz-Jauer das Magdeburg-Löwenberger Stadtrecht erhielt. Im selben Jahr wurde Liebenthal ummauert.

Die neue Stadt erstreckte sich entlang der Handelsstraße Prag–Görlitz, an der ein langgezogener Straßenmarkt angelegt wurde. In ihrer Bedeutung entsprach die Stadt einem Marktort. Verschiedene Privilegien, wie das Brau- und Kelterrecht oder der Leinenhandel, sowie der jährliche Jahrmarkt erlaubten einen gewissen Aufschwung, der aber von häufigen Bränden gebremst wurde. Die Stadt blieb dem Kloster abgabenpflichtig, das auch die Gerichtsbarkeit innehatte und Einfluss auf die Stadtverwaltung nahm. Die Klosterkirche war außerdem Sitz eines Archipresbyterats.

Liebenthal gehörte zum Herzogtum Schweidnitz-Jauer, das nach dem Tod des Herzogs Bolko II. 1368 erbrechtlich an die Krone Böhmen fiel, wobei Bolkos Witwe Agnes von Habsburg ein lebenslanger Nießbrauch zustand. 1408 bestätigte der böhmische König Wenzel IV. die Privilegien. Nach den Verwüstungen der Hussitenkriege 1426 wurde eine Schützenbruderschaft gegründet. 1526 gelangte Liebenthal zusammen mit dem Herzogtum Schweidnitz an die Habsburger in deren Eigenschaft als Könige von Böhmen. 1544 wurde eine Schule gegründet. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts erfolgte ein wirtschaftlicher Aufschwung durch das örtliche Leinenwebereihandwerk, der bis zum Dreißigjährigen Krieg anhielt.

Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Liebenthal an Preußen. 1816 wurde es dem Landkreis Löwenberg zugeordnet. 1829 erwarb die Stadtverwaltung für 50.000 Reichstaler das Dominium, bzw. Klostervorwerk Liebenthal. Auch wenn die Einwohner Liebenthals fast zur Gänze katholisch waren, nahm die Bedeutung des Protestantismus mit preußischer Herrschaft zu. Im Zuge der Säkularisation wurde das Benediktinerinnenkloster 1810 aufgelöst, blieb aber als Zentralkloster der geschlossenen schlesischen Frauenklöster bestehen und wurde ab 1845 von Ursulinen geführt. Für die 150 Protestanten aus Liebenthal und Umgebung stiftete Friedrich Wilhelm IV. 1852 die evangelische Kirche. Bereits 1843 hatten die Ursulinen eine Mädchenschule mit Pensionat gegründet. 1863 folgte ein katholisches Lehrerseminar. Der Anschluss an die Eisenbahnlinie Greiffenberg–Löwenberg 1885 änderte wenig an der geringen wirtschaftlichen Bedeutung der Landstadt.

Im Jahr 1945 gehörte die Stadt Liebenthal zum Landkreis Löwenberg im Regierungsbezirk Liegnitz der preußischen Provinz Niederschlesien des Deutschen Reichs.

Von direkten Einwirkungen des Zweiten Weltkriegs blieb Liebenthal verschont und wurde erst nach der deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945 von der Roten Armee besetzt. Die Stadt wurde nach Beendigung der Kampfhandlungen von der sowjetischen Besatzungsmacht der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen und erhielt in Anlehnung an den deutschen Ortsnamen die polnische Bezeichnung Miłosna, was so viel wie „die Liebliche“ bedeutet. Erst 1947 kam der bis heute beibehaltene Ortsname Lubomierz in Gebrauch. Nach der Vertreibung der einheimischen Bevölkerung aus Liebenthal konnte die frühere Einwohnerzahl nur langsam durch Ansiedlung polnischer Neubürger wieder erreicht werden. Die neu angesiedelten Bewohner waren teilweise Zwangsumgesiedelte aus Ostpolen, das an die Sowjetunion gefallen war.

In den 1970er Jahren verfiel die Stadt zunehmend, so dass die Laubenhäuser der Nordostseite des Rings vor der Pfarrkirche abgerissen wurden. Heute zählen die hohe Arbeitslosigkeit, die 2006 29,3 % im Powiat betrug, und die Abwanderung, die in den letzten Jahren aber gebremst werden konnte, zu den Problemen der Gemeinde, die aus der Lage abseits von großer Industrie und Verkehrsverbindungen – der Eisenbahnverkehr wurde eingestellt – resultieren. Andererseits gewinnt der Tourismus dank der landschaftlich schönen Lage vor dem Isergebirge und dem historischen Stadtbild, das für viele in Polen bekannte Filme und Serien (vor allem die Serie Sami swoi) als Kulisse diente, zunehmend an Bedeutung. Seit 1992 wird alljährlich das Polnische Komödienfestival (Ogólnopolski Festiwal Filmów Komediowych) veranstaltet.

Demographie

Einwohnerzahlen der Stadt nach dem jeweiligen Gebietsstand (neuere Zahlen ohne Stadt- und Landgemeinde):

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
18031117
18101133
18161118davon 53 Evangelische und 1065 Katholiken
18181158Stadt und Vorwerk, mit Mutterkirche, adlige Besitzung
18211224in 249 Privatwohnhäusern
18251219davon 1163 Katholiken und 51 Katholiken
18401301davon elf Evangelische und 1289 Katholiken
18671825am 3. Dezember
18711852am 1. Dezember, davon 163 Evangelische und 1689 Katholiken.
19001640meist katholische Einwohner
19051624am 1. Dezember; davon 176 Evangelische (sämtlich mit deutscher Muttersprache), 1447 Katholiken (1423 mit deutscher Muttersprache, zehn mit polnischer Muttersprache, zwölf sprechen eine andere Sprache, und zwei Personen sprechen Deutsch und eine andere Sprache)
19101777am 1. Dezember
19331640
19391665
Einwohnerzahlen seit 1945
Jahr198019952000200520132020
Einwohner160020801765181219871987

Gemeinde

Zur Stadt- und Landgemeinde Lubomierz mit einer Fläche von 130,4 km² gehören die Stadt selbst und 13 Dörfer mit Schulzenämtern.

Wappen

Das Wappen der Gemeinde und der Stadt Lubomierz zeigt auf goldenem Grund eine wachsende, grün gewandete Bischofsgestalt, in der Rechten ein rotes Buch, in der Linken einen roten Krummstab. Diese Darstellung findet sich bereits in Siegeln des 15. Jahrhunderts, wobei der Bischof für den hl. Bischof Maternus steht, den Patron des Benediktinerklosters und auf die jahrhundertelange Verbindung zwischen Stadt und Kloster hinweist.

Partnerschaft

Am 20. Juli 2008 wurde mit der sächsischen Stadt Wittichenau eine Partnerschaft geschlossen.

Sehenswürdigkeiten

Ehemalige evangelische Kirche
Maternusbrunnen und Leinenweberhaus
Holzfigur vor dem Muzeum Kargula i Pawlaka
Der wahrscheinlich aus dem 16. Jh. stammende Pranger wurde nach dem Zweiten Weltkrieg rekonstruiert und ist in seiner Form ungewöhnlich. Die beiden Kragsteine im Durchgang dienten als Galgen.
Der wahrscheinlich aus dem 16. Jh. stammende Pranger wurde nach dem Zweiten Weltkrieg rekonstruiert und ist in seiner Form ungewöhnlich. Die beiden Kragsteine im Durchgang dienten als Galgen.
Ungewöhnlich für einen Pranger ist dieser Sockel, der an eine Sitzfläche erinnert.
Ungewöhnlich für einen Pranger ist dieser Sockel, der an eine Sitzfläche erinnert.

Söhne und Töchter der Stadt

Literatur

Commons: Lubomierz – Sammlung von Bildern und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuss. Provinz Schlesien. Breslau 1845 ( Digitalisat).
  2. 1 2 3 4 karkonosze.info.pl; abgerufen am 29. März 2008.
  3. 1 2 sudety.it (Memento vom 10. Mai 2006 im Internet Archive); abgerufen am 29. März 2008.
  4. 1 2 3 4 Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 320–327, Ziffer 387 (Google Books).
  5. ↑ Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 3: Kr–O, Halle 1822, S. 101, Ziffer 2733 (Google Books).
  6. ↑ Johann Georg Knie: Alphabethisch-Statistisch-Topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des jetzt ganz zur Provinz gehörenden Markgrafthums Ober-Lausitz und der Grafschaft Glatz; nebst beigefügter Nachweisung von der Eintheilung des Landes nach den verschiedenen Zweigen der Civil-Verwaltung. Breslau 1830, S. 960–961 (Google Books).
  7. ↑ Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preusz. Provinz Schlesien. 2. Auflage, Breslau 1845, S. 855–856 (Google Books).
  8. 1 2 Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Schlesien und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871. Berlin 1874, S. 252–253, Ziffer 4 (books.google.de).
  9. ↑ Lexikoneintrag zu Greiffenberg, in: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 12, Leipzig/Wien 1908, S. 528 (Zeno.org).
  10. ↑ Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und anderer amtlicher Quellen. Heft VI: Provinz Schlesien, Berlin 1908, S. 172–173, Ziffer 4 (Google Books).
  11. ↑ Landkreis Löwenberg. Gemeindeverzeichnis 1900. In: gemeindeverzeichnis.de. Uli Schubert, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 15. Juli 2023; abgerufen am 20. Februar 2026.
  12. 1 2 Michael Rademacher: Loewenberg. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.
  13. ↑ stat.gov.pl (Memento vom 16. Februar 2008 im Internet Archive)
  14. ↑ lubomierz.legnica.opoka.org.pl; abgerufen am 29. März 2008.
  15. ↑ Muzeum Kargula i Pawlaka (Memento vom 13. Juni 2017 im Internet Archive)