
Lucien Marc Smith (* 15. April 1989 in Los Angeles, Kalifornien, USA; † 7. September 2026) war ein US-amerikanischer Künstler. Bekannt wurde er zu Beginn der 2010er-Jahre insbesondere durch seine Rain Paintings, deren rascher Erfolg auf dem Kunstmarkt ihn zugleich zu einer prominenten Figur der später als „Zombie Formalism“ bezeichneten Strömung machte.
Smith wurde als Sohn des Künstlers Terrence Sanders und der Modedesignerin Vivien Ramsay in Los Angeles geboren. Seine Familie zog während seiner Kindheit häufig um; er besuchte mehr als ein Dutzend Schulen und machte 2007 seinen Abschluss an der Santa Monica High School. Anschließend studierte Smith an der New Yorker Kunstschule Cooper Union und schloss das Studium 2011 mit dem Bachelor of Fine Arts (BFA) ab.
Seine Abschlussarbeit Imagined Nostalgia beschäftigte sich mit falschen Erinnerungen und der Nostalgie für Zeiten, die man selbst nicht erlebt hat; die Ausstellung machte die New Yorker Galeristin Jeanne Greenberg Rohatyn auf Smith aufmerksam, die seine Arbeiten anschließend in ihrer Galerie Salon 94 zeigte. Nach seinem Studienabschluss zog Smith in eine große Scheune auf einem Anwesen im Bundesstaat New York, die er vom Filmregisseur James Ivory mietete und zugleich als Atelier nutzte; dort begann er mit der Herstellung seiner Rain Paintings.
2012 zeigte die von Bill Powers geführte Half Gallery in New York Smiths erste dortige Einzelausstellung Good Vibrations, für die er unter anderem Gitarrenkorpusse in Wandobjekte verwandelte. In der Ausstellung A Clean Sweep bei der Suzanne Geiss Company setzte er sich 2013 mit der Veränderung New Yorks auseinander und verwendete unter anderem auf den Straßen gefundene Besen und Zeitungen; gemeinsam mit dem Journalisten und Autor Glenn O’Brien entstand dazu auch ein Kurzfilm.
Smith wurde in kurzer Zeit auch auf dem Auktionsmarkt erfolgreich. Sein Gemälde Hobbes, The Rain Man, and My Friend Barney/Under the Sycamore Tree, das bereits Teil seiner Abschlussausstellung an der Cooper Union gewesen war, wurde 2013 bei Phillips für 389.000 US-Dollar versteigert. 2014 erzielte das zu den Rain Paintings gehörende Werk Two Sides of the Same Coin bei Sotheby’s in London rund 370.000 US-Dollar. Anfang 2014 wurden seine Werke in der New Yorker Kunstszene hochgeschätzt und erzielten auf Auktionen dort und in London Preise von mehr als 250.000 £ Sterling, nachdem diese vor den Auktionen mit ca. 40.000 £ Sterling eingeschätzt worden waren. Seine Werke wurden in der Sammlerwelt zu denen gezählt, deren Preise durch das sogenannte Artflipping in die Höhe getrieben worden waren.
Ab Mitte der 2010er-Jahre zog sich Smith zunehmend aus dem von Galerien und Auktionen geprägten Kunstbetrieb zurück und lebte zeitweise in Montauk auf Long Island, wo er sich unter anderem mit Fotografie und Wetterphänomenen beschäftigen wollte. Später beschrieb er den sehr frühen Ruhm und die rasche Kommerzialisierung seiner Arbeit als belastend und erklärte, zeitweise den Glauben an seine eigene künstlerische Arbeit verloren zu haben.
In der zweiten Hälfte der 2010er-Jahre gründete Smith die gemeinnützige Organisation Serving the People, die insbesondere Nachwuchstalente aus Kunst, Musik und Film unterstützen und ihnen eine Gemeinschaft außerhalb des etablierten Kunstmarkts bieten sollte. 2017 wandelte er sein kaum genutztes Atelier in Los Angeles zudem in das Künstlerresidenzprogramm Appointment Only um, in dessen Rahmen auch Ausstellungen veranstaltet wurden.
2025 eröffnete Smith gemeinsam mit dem Koch Mathieu Canet in Chinatown in Manhattan das Restaurant FOOD, das an das in den frühen 1970er-Jahren von Gordon Matta-Clark, Carol Goodden und Tina Girouard gegründete gleichnamige Künstlerrestaurant in SoHo anknüpfte. Das Restaurant war als Treffpunkt für Künstler konzipiert und wurde kurz vor Smiths Tod bis auf Weiteres geschlossen.
Smith starb am 7. September 2026 im Alter von 37 Jahren.
Smith arbeitete mit Malerei, Skulptur und gefundenen Gegenständen und integrierte in einige Werke Alltagsmaterialien und Abfall. In A Clean Sweep verwendete er beispielsweise auf New Yorker Straßen gefundene Besen sowie zerknüllte Zeitungen auf Leinwand.
Für seine ab 2011 entstandenen Rain Paintings füllte Smith Feuerlöscher mit verdünnter Farbe und sprühte diese auf große, ungrundierte Leinwände, wodurch ein an Regentropfen erinnerndes Muster entstand. Bei den Camo Paintings des Jahres 2014 wurden Camouflagetextilien mit Farbe überschüttet.
Neben den Rain Paintings entwickelte Smith im Laufe seiner Karriere weitere Werkgruppen und arbeitete unter anderem mit bemalten beziehungsweise assemblageartig veränderten Gitarrenkorpussen, Metall, Motiven von Saatgutverpackungen und anderen Alltagsgegenständen.
Smiths außergewöhnlich schneller Aufstieg fiel in eine Phase intensiver Spekulation mit Arbeiten junger Künstler. Der Kunstkritiker Walter Robinson prägte 2014 den Begriff „Zombie Formalism“ für eine Strömung zeitgenössischer abstrakter Malerei, deren Werke nach seiner Kritik zugleich als leicht handelbare Waren auf dem spekulativen Kunstmarkt funktionierten; Smith wurde zu einem der am häufigsten mit diesem Phänomen verbundenen Künstler.
Auf den raschen Preisanstieg folgte ein deutlicher Rückgang der Wiederverkaufswerte seiner Arbeiten. So erzielte das kleinere Rain Painting Untitled (rain test) 2017 bei Christie’s nur noch 12.500 US-Dollar. Smith setzte sich später wiederholt kritisch mit seinem frühen Markterfolg und dessen Einfluss auf seine künstlerische Entwicklung auseinander.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Smith, Lucien |
| ALTERNATIVNAMEN | Smith, Lucien Marc (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Künstler |
| GEBURTSDATUM | 15. April 1989 |
| GEBURTSORT | Los Angeles, Kalifornien, USA |
| STERBEDATUM | 7. September 2026 |