





Ludwig Wirth (* 14. Februar 1879 in Regensburg; † 18. August 1946 in Garmisch-Partenkirchen) war ein deutscher Architekt. Der Schwerpunkt seines Schaffens lag zwischen 1913 und 1935 in Dresden. Diese Zeit war geprägt von Materialknappheit, Hyperinflation und wirtschaftlicher Depression, die das Bauwesen in Deutschland erheblich beeinträchtigten.
Nach seinem Abschluss an der Technischen Hochschule München erhielt Ludwig Wirth eine Anstellung als „Regierungs-Baumeister in den Landbauämtern Amberg und Regensburg“. Zu einem unbekannten Zeitpunkt lernte er den talentierten und dynamischen Architekten Hans Erlwein kennen, der zu seinem Mentor wurde. Erlwein, ebenfalls Bayer und Absolvent der TH München (1893–1896), war im November 1904 zum Stadtbaurat von Dresden berufen worden und übernahm bereits ein Jahr später die Leitung des städtischen Hochbauamts. Er baute in dieser Funktion das Amt als große und schlagkräftige Institution auf und initiierte ein ehrgeiziges Bauprogramm, welches die Realisierung von beeindruckenden 127 Projekten in einem Zeitraum von zehn Jahren vorschlug.
Es bleibt unklar, wann genau Wirth seinen Lebensmittelpunkt nach Dresden verlegte. Vermutlich arbeitete er jedoch bereits um das Jahr 1911 in der Stadt, als die erste Internationale Hygiene-Ausstellung stattfand. Für dieses Ereignis verfasste er unter der Leitung Hans Erlweins einen 25-seitigen Aufsatz über ideale Familienwohnungen, der 1914 veröffentlicht wurde. Anm. 1 Sicher ist, dass Wirth in den Jahren 1913 und 1914 als „Stadtbauamtmann, Abteilungsvorstand im Entwurfsatelier des städtischen Hochbauamtes“ Erlwein bei diversen Projekten assistierte. Anm. 2 Während dieser Zeit übernahm Wirth auch die Bauleitung für die von Erlwein entworfene Feuerwache in der Louisenstraße in Dresden-Neustadt. Im August 1914 wurde er schließlich zum Militärdienst eingezogen.
Als Wirth nach dem Krieg wieder nach Dresden zurückkehrte und in seiner bisherigen Position als Abteilungsleiter des Entwurfsateliers 3 als Stadtbauamtmann tätig wurde, war dort seit 1916 Hans Poelzig der amtierende Stadtbaumeister Dresdens.
Im Jahr 1920, kurz nachdem Poelzig im April seine Tätigkeit beendet hatte, begann Ludwig Wirth mit dem Entwurf für das Stadthaus an der Theaterstraße, das seinen Ruf als Architekt nachhaltig prägte. Es war das erste monumentale Gebäude, das in Dresden nach dem Krieg errichtet wurde. Wirths Entwurf war eine vereinfachte Version von Poelzigs Stadthaus-Projekt aus den Jahren 1917–1918 für die Ringstraße 8.
Bereits 1914 hatte Wirth Pläne für ein Stadthaus entwickelt, das Räume für das Chemische Untersuchungsamt an der Nöthnitzer Straße schaffen sollte. Dieses Projekt wurde jedoch verworfen, da die begrenzten Platzverhältnisse langfristig keine Erweiterungen zuließen. Stattdessen verlegte das Hochbauamt die Planungen auf ein städtisches Grundstück an der Ecke Könneritz- und Pöppelmannstraße (heute nicht mehr existent und nicht zu vergleichen mit der Pöppelmannstraße in Dresden-Johannstadt) aus.
Auch dieser Standort wurde schließlich aufgegeben, da inzwischen neue Räumlichkeiten für die Städtische Bücherei und den Lesesaal in den Planungen berücksichtigt werden mussten und die Lage für diese Nutzungen als zu peripher galt. Erst im Mai 1921 fand man in einem ursprünglich für den Neubau des Arbeitsnachweises vorgesehenen Bauplatz eine geeignete Alternative.
Mittlerweile hatte sich der Plan gefestigt, dass in dem Neubau verschiedene bislang in der Stadt verstreute Funktionen an einem Standort zentralisiert werden sollten. Infolge der Auswirkungen der Inflation musste der Bau jedoch mit einem äußerst begrenzten Budget realisiert werden. Statt das Gebäude mit einer Sandsteinfassade zu verblenden und damit der ortstypischen Tradition gerecht zu werden, wählte man Kunststein mit Muschelkalk als Fassadenmaterial. Zudem musste auf Zierrat nahezu gänzlich verzichtet werden. Wirth machte diese Einschränkungen zum Ausgangspunkt seiner Gestaltung: mittels einer expressionistisch orientierten bauplastischen Durchbildung der Fassade – mit konkaven Jochen, betonten Lisenen und gestaffelter Schnittfigur – schuf er ein bemerkenswertes baukünstlerisches Zeugnis.
Als Reaktion auf die kriegsbedingte Wohnungsnot veröffentlichte Wirth 1919 Die Kleinwohnung und ihre Grundrißformen. Diese Buchpublikation stellt eine Ausarbeitung seines Aufsatzes von 1911 dar. Darin werden sowohl mehrstöckige Mehrfamilienhäuser als auch Einfamilien-Reihenhäuser berücksichtigt, wobei der Schwerpunkt auf gesundheitlichen Aspekten wie Licht, Belüftung und Bereitstellung von Badewannen liegt („transportable Volksbadewannen“ sowie Wannen mit festem Abfluss werden vorgeschlagen).
Nach dem Weggang Poelzigs lag die Leitung des Hochbauamts für eineinhalb Jahre interimistisch in den Händen des Stadtbaurats Georg Fleck, der zugleich das Tiefbauamt leitete. Im Jahr 1921 schrieb die Stadt Dresden die Stelle des Stadtbaumeisters aus. Bis zum Ablauf der Bewerbungsfrist am 1. Oktober 1921 gingen laut Schätzungen der Dresdner Nachrichten insgesamt 85 Bewerbungen aus dem gesamten Deutschen Reich ein, darunter auch die von Ludwig Wirth, der sich neben weiteren einheimischen Kandidaten bewarb. Anm. 3
Die damals anscheinend als gering empfundene Bewerberzahl resultierte aus der Anforderung nach dem 2. Staatsexamen und des fehlenden Nachwuchses. Namhafte Architekten fanden sich unter den Bewerbern überhaupt nicht, was sicher auf die Ausrichtung der Ausschreibung zurückzuführen war: Man hatte deutlich um eine Person geworben, die Kompetenzen in der Verwaltung und weniger in der baukünstlerischen Betätigung besaß. Obwohl Wirth über die Befähigung zur Fortführung der Amtsdienste der Hochbauamtsleitung verfügte und auch in der Öffentlichkeit bekannt und beliebt zu sein schien, wurde er nicht für diese Stelle ausgewählt.
Am 1. Juli 1922 wurde Paul Wolf zum neuen Stadtbaurat für Hochbauwesen und Stadterneuerung ernannt. Wolf musste sich gegen erhebliche Widerstände im eigenen Amt durchsetzen. Gegen Beginn seiner Amtszeit lehnten sich zwei der ihm unterstellten Baudirektoren gegen seine Amtsführung auf. Unter anderem stießen die von Wolf bevorzugte Backsteinbauweise und die von ihm propagierte Einbeziehung der Reklame ins Stadtbild offensichtlich auf Ablehnung bei seinen baukünstlerisch von Erlwein und Poelzig geprägten Mitarbeitern. Es ist davon auszugehen, dass die wiederholte Kritik an der Qualität der Wolfschen Bauten und seines baukünstlerischen Talents durch Werner Hegemann in den Zeitschriften Der Städtebau und in Wasmuths Monatshefte für Baukunst und Städtebau und die damit einhergehende Herabwürdigung in Fachkreisen sich nicht als besonders förderlich für den Beginn der Zusammenarbeit im Amt darstellte.
Unter der Leitung Wolfs wirkte Wirth dann bis 1924 weiter an vielzähligen Projekten mit. Wirth stieg 1922 zum Dienstgrad eines Stadtbaudirektor auf.
Im Herbst 1924 verließ Ludwig Wirth das Städtische Hochbauamt, um 1925 sein eigenes Büro in Dresden zu gründen. Anm. 4 Dort waren unter anderem Johannes Rascher und Reinhold Mittmann als Mitarbeiter beschäftigt. Anm. 5 Wirth war in Dresden Leiter der Gruppe „Bildender Künstler“ der Deutschnationalen Front. 1935 verlegte Wirth seinen Lebensmittelpunkt und sein Architekturbüro nach Garmisch-Partenkirchen.
Ludwig Wirth verstarb am 18. August 1946.
Im Amtsdienst
Selbständigkeit
Im Amtsdienst
Selbständigkeit
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wirth, Ludwig |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Architekt |
| GEBURTSDATUM | 14. Februar 1879 |
| GEBURTSORT | Regensburg |
| STERBEDATUM | 18. August 1946 |
| STERBEORT | Garmisch-Partenkirchen |