
Luigi Toscano (* 9. Mai 1972 in Mainz) ist ein deutsch-italienischer Fotograf und Filmemacher. Bekannt ist er für das Projekt Gegen das Vergessen, für das er Holocaust-Überlebende porträtierte und die großformatigen Bilder an öffentlichen Orten ausstellte.
Toscano wurde 1972 als ältestes von sieben Kindern sizilianischer Gastarbeiter geboren. Seine Eltern waren beide alkoholkrank, Toscano selbst kämpfte als Jugendlicher mit Drogenabhängigkeit. Mit sechzehn wurde er in einem Jugendheim untergebracht. Nach dem Hauptschulabschluss arbeitete er als Dachdecker, Türsteher und Fensterputzer. Über einen Volkshochschulkurs kam er mit Fotografie in Berührung.
Seine frühen fotografischen Arbeiten beschäftigte er sich überwiegend mit unbewegten Szenen und Objekten. Bekanntheit erlangte er mit Portraitaufnahmen, die er im öffentlichen Raum ausstellt. Seit 2006 ist Luigi Toscano als Filmemacher tätig. Er gründete die Firma Luigi Toscano Production, die sich auf die Produktion von Image-, Werbefilme und Musikvideos konzentriert.
Ausstellungen seiner Arbeiten fanden in Mannheim, New York, Pittsburgh, Paris, Kansas City, St, Louis, Leipzig, Dortmund, Heidelberg, San Francisco, Washington, Wien, Hannover, Düsseldorf, Berlin, Esslingen, Heidelberg, Stuttgart, Genf, Kiew und Dnipro statt.
2026 veröffentlichte er zusammen mit der Journalistin Silke Kettelhake beim Herder-Verlag seine Autobiografie Kanakenkind - Mit der Kamera durch Licht, Dunkelheit und Hoffnung. Vom Einwandererkind zum Fotografen der Holocaustüberlebenden.
Toscano ist mit der Geschäftsführerin des Kulturzentrums Karlstorbahnhof Heidelberg Cora Malik verheiratet. Zusammen haben sie eine Tochter und leben in Mannheim.
2015 begann Toscano mit seiner Ausstellungsreihe Gegen das Vergessen. Er porträtierte für dieses Projekt über 400 Holocaust-Überlebende und stellte die Aufnahmen an öffentlichen Orten aus. Bei einer Ausstellung am Wiener Burgring 2019 wurden die Bilder dreimal von unbekannten Tätern beschädigt. Nach dem dritten Angriff – die örtliche Polizei hatte sich geweigert zu kommen – organisierten mehrere Freiwilligenorganisationen Mahnwachen zum Schutz der Ausstellung, auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen kam. 2019 veröffentlichte er einen gleichnamigen Dokumentarfilm über das Projekt.
2017 stellte er für seine Arbeit Heimat_Asyl großformatige Porträts von Asylbewerber im Kulturzentrum Alte Feuerwache in Mannheim aus.
2024 fotografierte Toscano für seine Serie Black Shabbat Überlebende des Terrorangriffs vom 7. Oktobers 2023 im israelischen Kibbuz Nir Oz. Auch diese Aufnahmen stellte er als großformatige Bilder im öffentlichen Raum aus.
2021 wurde Toscano von der UNESCO als erster Fotograf zum „Artist for peace“ ernannt. Im selben Jahr wurde er mit der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Als Reaktion auf den CDU/CSU-Bundestagsantrag zur Migrationspolitik im Januar 2025, der durch die Stimmen der AfD eine Mehrheit erhielt, gab Toscano seine Bundesverdienstmedaille zurück.
| Personendaten | |
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| NAME | Toscano, Luigi |
| KURZBESCHREIBUNG | italienisch-deutscher Fotograf und Filmemacher |
| GEBURTSDATUM | 9. Mai 1972 |
| GEBURTSORT | Mainz |