Luise Koschinsky

Luise & Band
Luise & Band

Luise Koschinsky ist eine Ende der 90er Jahre von Hans Werner Olm entwickelte deutsche Kunst- und Comedyfigur. Die aus Meppen stammende, bewusst derb und körperlich überspitzt angelegte Figur erlangte vor allem mit Bühnenauftritten und Sketchen in den Fernsehsendungen Olm und Olm unterwegs Bekanntheit. Daneben setzte Olm die Figur für eigenständige Bühnen-, Buch- und Tonträgerveröffentlichungen ein.

Entstehung und Konzeption

Hans Werner Olm führte die Entstehung der Figur aus eigener Erinnerung in einem 2004 veröffentlichten Planet Interview auf fünf bis sechs Jahre zurück, womit der Charakter etwa zwischen 1998 und 1999 erstmals bei den Berliner Wühlmäusen aufgeführt wurde. Ursprünglich trug sie den Namen Ilse Nagel, die nach der Grundidee einer Frau entwickelt wurde, die nach der Beerdigung ihres Mannes erleichtert ist.

Charakterisierung

Luise Koschinsky hat sich zu den bekanntesten Figuren Olms entwickelt.

Sie wird als teil-inkontinente Trümmerfrau aus Meppen beschrieben, die beinahe taub ist und 50 Liter Wasser in den Beinen mit sich trägt. Charakteristisch ist ihr starkes Sexualverlangen und die damit verbundene, sexualbetonte, derbe Sprache.

Von ihrem verstorbenen Ehemann Herbert hat sie den Oberkörper ausstopfen lassen, um ihn weiterhin in ihren Alltag zu integrieren.

Fernsehen, Film und Radio

Primäre Bekanntheit erlangte Luise Koschinsky mit regelmäßigen Fernsehauftritten in den Comedysendungen Olm (2002–2005) und Olm unterwegs (2006–2007). Die Sendungen wurden 2003, 2004 und 2008 als Best-of-Zusammenschnitte auf DVD herausgebracht. Daneben absolvierte sie einen Gastauftritt in der Kinokomödie 7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug und Fernsehauftritte in Sendungen wie Familie Heinz Becker (2004), Stefan Raabs große Nacht der Stars (2005), Frei Schnauze (2007), Tabaluga tivi (2007) und Comedy Kneipe (2016).

In einem inszenierten Interview und PR-Crossover für Taff wurde 2007 eine angebliche Beziehung mit Horst Schlämmer thematisiert. In einem Liveauftritt des Songs Böse (2008) und dem Musikvideo zu Rette sich wer kann (2019) von Knorkator wirkte Koschinsky mit.

2004 trat Koschinsky in der dreistündigen Radio-FFN-Sondersendung Luise Koschinsky: Besuch vom Frühstyxradio auf. 2013 spielte sie in der regelmäßig ausgestrahlten Frühstyxradio-Comedyreihe Treulose Tomaten – Emotion pur ganz ohne Haltbarkeitsdatum eine notorisch unzufriedene Kundin eines erfundenen Bio-Outlet-Centers.

Bühne und Veröffentlichungen

Luise Koschinsky ist regelmäßiger Bestandteil von Bühnenprogrammen. Sie trat in den Programmen Große Momente!, Sing dein Ding!, Show must go Olm, Kuschelkurs oder in der langjährigen, seit 2016 stattfindenden Comedy-Lesung Ein Pullover voll Frau auf. Das gleichnamige Buch kam 2014 heraus und wurde auch als Hörbuch veröffentlicht.

Auch im Programm Altherrensommer mit Dietmar Wischmeyer und dem musikalischen Projekt Luise & Band, in dem Olm in seiner Rolle bekannte Lieder und Musiker parodierte, trat Koschinsky in Erscheinung.

Als Musikveröffentlichungen erschienen u. a. die Livealben Olm Live! (2002) sowie Show Must Go Olm – Live ’08 und die eigenständigen Musikalben In Liebe, Luise (2003) und Trullatrill – Luise singt Tradischenells.

Rezeption

Luise Koschinsky zählt laut wiederholten Presseaussagen zu Olms Paraderollen. Aufführungskritiken zufolge wird sie als stark überzeichnete, derbe Frauenfigur beschrieben, deren Komik stark auf ihrer Körperlichkeit und teils männliche Attribute wie ihre tiefe Stimme und vulgäre Ausdrucks- und Umgangsweisen beruht.

Im Zuge eines medienwissenschaftlichen Workshops der Justus-Liebig-Universität Gießen ordnete der Literaturwissenschaftler Jan Rolle Koschinsky 2021 als Tradition des Grobianismus und der grob-grotesken Komik zu. Er führte sie als deutsches Beispiel einer Figur an, deren Komik sich aus der Überzeichnung des Körpers, der betont tiefen Stimme, skatologischen Motiven und einem dargestellten Verlust gesellschaftlicher Verhaltenskontrolle ergebe.

Im Rahmen einer Aufführung des Programms Ein Pullover voll Frau bewertete die Werra-Rundschau Koschinsky 2025 als eine zwischen Provokation und Gesellschaftssatire angelegte Figur. Hinter der Derbheit seien wiederholt satirische Beobachtungen etwa zu Geschlechterrollen, Körperbildern und gesellschaftlichen Entwicklungen erkennbar. Kritisch beurteilte die Zeitung dagegen Teile der zweiten Programmhälfte, in denen die satirische Reflexion zunehmend einer bloßen sprachlichen und inhaltlichen Entgrenzung weiche.

Einzelnachweise

  1. 1 2 LUISE KOSCHINSKY | Hans Werner Olm. Abgerufen am 24. Juli 2026.
  2. ↑ Hans Werner Olm im Interview: "Letztendlich spielen wir doch alle." In: Planet Interview. 1. Dezember 2004, abgerufen am 24. Juli 2026.
  3. 1 2 Antje Hildebrandt WELT: Comedy: In der Grotte des Olms - WELT. Abgerufen am 24. Juli 2026.
  4. ↑ Super RTL zeigt „OLM!“ In: Digital Fernsehen. digitalfernsehen.de, 12. September 2008, abgerufen am 24. Juli 2026.
  5. 1 2 Olm! – Best of. RTL/Sony BMG Music Entertainment, DVD, 2003, EAN 0828765770194.
  6. 1 2 Hans Werner Olm – Best of Olm! 2. Sony Music Entertainment, DVD, 2004, EAN 0828766568394.
  7. ↑ Hans Werner Olm – Das Beste aus Olm unterwegs. Sony BMG Music Entertainment, 2 DVDs, 2008, EAN 0886973828991.
  8. ↑ 7 Zwerge - Der Wald ist nicht genug. Abgerufen am 24. Juli 2026.
  9. ↑ Familie Heinz Becker Staffel 7, Folge 6: Stau. imfernsehen GmbH & Co KG, 30. November 2019, abgerufen am 24. Juli 2026.
  10. ↑ Stefan Raab feiert großes Fest der Liebe. 20. Dezember 2005, abgerufen am 24. Juli 2026.
  11. ↑ Vollständige Besetzung und Crew-Mitglieder von Frei Schnauze Folge vom 21. April 2007. In: IMDb. Abgerufen am 24. Juli 2026.
  12. ↑ Tabaluga tivi Folge 507. imfernsehen GmbH & Co KG, abgerufen am 24. Juli 2026.
  13. ↑ Comedy Kneipe Folge 3. imfernsehen GmbH & Co KG, 5. Juni 2016, abgerufen am 24. Juli 2026.
  14. ↑ Luise Koschinsky im Trennungsinterview bei "taff" auf ProSieben: "Horst Schlämmer hat mich nur als Sexualobjekt ausgenutzt". 9. September 2007, abgerufen am 24. Juli 2026.
  15. ↑ Knorkator: KNORKATOR - Böse (Luise Koschinsky). 17. August 2009, abgerufen am 24. Juli 2026.
  16. ↑ Knorkator: KNORKATOR - Rette sich wer kann (OFFICIAL VIDEO). 15. August 2019, abgerufen am 24. Juli 2026.
  17. 1 2 Die offizielle Frühstyxradio-Chronik. Abgerufen am 24. Juli 2026.
  18. ↑ Neue Nominierte, neuer Name für Hit-Radio Antenne. DWDL de GmbH, abgerufen am 24. Juli 2026.
  19. ↑ Barbara Jänichen WELT: Hans Werner Olm feiert mit 120 Gästen seinen 50. Geburtstag. In: Welt. Abgerufen am 24. Juli 2026.
  20. ↑ Silke Böttcher: Das Wunschkonzert. 1. Februar 2010, abgerufen am 24. Juli 2026.
  21. 1 2 Show Must Go Olm - Hans Werner Olm | Release Info. Abgerufen am 24. Juli 2026.
  22. ↑ Susanne Rahlf: Hans Werner Olm in der Empore: Komm zum Kuscheln, Luise! 2. Mai 2014, abgerufen am 24. Juli 2026.
  23. ↑ Lübbe Audio: Luise Koschinsky, Ein Pullover voll Frau. 12. Mai 2014, abgerufen am 24. Juli 2026.
  24. ↑ Volle Kanne – Service täglich Folge 3447. imfernsehen GmbH & Co KG, 28. Januar 2014, abgerufen am 24. Juli 2026.
  25. ↑ Hans Werner Olm - Live! 25. November 2002, abgerufen am 24. Juli 2026.
  26. ↑ Luise Koschinsky: In Liebe Luise Tracks & Reviews | AllMusic. Abgerufen am 24. Juli 2026.
  27. ↑ Trullatrill - Luise singt Tradischenells. Abgerufen am 24. Juli 2026.
  28. ↑ Nach unten ging bei Olm immer was. 4. März 2005, abgerufen am 24. Juli 2026 (deutsch).
  29. ↑ ZMI-Newsletter 3/2021 der Justus-Liebig-Universität Gießen, S. 11. Abgerufen am 24. Juli 2026.
  30. ↑ Vulgär, verspielt, verstörend: Luise Koschinsky im E-Werk. In: Werra-Rundschau, 6. Mai 2025.