Luke Howard

Luke Howard

Luke Howard (* 28. November 1772 in London; † 21. März 1864 in Tottenham) war ein britischer Pharmakologe, der sich mit Meteorologie beschäftigte. Er gilt als Wegbereiter der modernen Wolkenkunde.

Leben

Howard war ein Sohn von Robert Howard (1738–1812) und dessen Frau Elizabeth Leatham (1742–1816). Sein Vater war ein wohlhabender Weißblechfabrikant und der Hauptvertreter für die Einführung der Argand-Lampe in Großbritannien. Von 1780 bis 1787 wurde Howard an einer Grammar School in Burford (Oxfordshire) unterrichtet. Laut seiner Autobiografie beobachtete er während dieser Zeit die zahlreichen Nordlichter und merkwürdige Wolkenbildungen, die seine Phantasie anregten. In lebhafter Erinnerung blieben ihm der merkwürdige Höhenrauch und eine Meteorerscheinung von 1783.

Nach seiner schulischen Ausbildung begann Howard 1787 eine Lehre als Apotheker bei Olive Sims in Stockport. 1794 kehrte er nach London zurück und trat in eine Apothekerfirma in Bishopsgate ein. Sein Versuch, ein eigenes Unternehmen in der Fleet Street zu etablieren, scheiterte.

Im März 1796 wurde er Mitglied der Askesian Society.

Am 7. Dezember 1796 heiratete er Mariabella Eliot (1769–1852), mit der er acht Kinder hatte, vier Söhne und vier Töchter. 1812 zog die Familie nach Tottenham. Sie besaßen außerdem ein Landhaus bei Ackworth.

Von 1797 bis 1806 war er Partner von William Allen, dem Besitzer der Plough Court Pharmacy in der Lombard Street. Sie firmierten unter dem gemeinsamen Namen „Allen & Howard“. Howard wurde Leiter des Firmenlabors in Plaistow (Essex). 1807 verlegte er das Labor nach Stratford und wurde als „Luke Howard & Co.“ tätig. Das Unternehmen stellte pharmazeutische Chemikalien her. 1813 ging er eine Partnerschaft mit den Chemikern Joseph Jewell (1763–1846) und John Gibson ein („Howard, Jewell & Gibson“). 1824 wurde sein ältester Sohn Robert Howard (1801–1871) ein weiterer Partner der Firma („Howard, Jewell, Gibson & Howard“). Ende 1830 gingen Howard und Jewell in den Ruhestand. John Eliot Howard (1807–1883), Howards zweitältester Sohn, wurde neuer Partner des Unternehmens („Howard, Gibson & Co.“).

Gemeinsam mit Allen unterstützte er den Abolitionismus.

Howard organisierte Unterstützung für die unter der napoleonischen Fremdherrschaft in Kontinentaleuropa Leidenden. Für letzteren Zweck wurde er einer der beiden Sekretäre eines Londoner Hilfskomitees, das sich mit der Sammlung von Geld befasste. Als Dank für die Überweisung eines Betrags von 2500 Pfund Sterling für die deutsche Stadt Magdeburg und deren Umgebung wurde ihm und Robert Humphrey Marten am 18. Oktober 1815 anlässlich einer Gedenkfeier an die Völkerschlacht die Magdeburger Ehrenbürgerschaft verliehen.

Am 15. Oktober 1823 gehörte Howard zu den Gründungsmitgliedern der Meteorological Society of London.

Für die Rees’s Cyclopædia verfasste Howard nach eigener Angabe vier Beiträge. Von 1833 bis 1837 gab er die Quäker-Zeitschrift The Yorkshireman heraus, für die er zahlreiche Beiträge verfasste.

Werk

Klassifikation der Wolken

In seinem Vortrag On the modifications of clouds, den er im Dezember 1802 im Plough-Court-Laboratorium vor der Askesian Society in London hielt und der 1803 im Philosophical Magazine veröffentlicht wurde, führte Howard aus, dass man die Wolken sehr einfach in Kategorien einteilen könne. Er legte damit den Grundstein für die heutige Klassifikation der Wolken. Eine etwas früher erschienene Publikation Jean-Baptiste de Lamarcks zum gleichen Thema blieb unbedeutend.

Howard nutzte für sein Klassifikationssystem lateinische Namen:

Wetterbeobachtungen

Neben seiner Arbeit an der Erforschung von Wolken veröffentlichte Howard Arbeiten zu anderen meteorologischen Themen und war dabei unter anderem ein Pionier der Stadtklimatologie, mit dem ersten Lehrbuch des Fachgebiets überhaupt, dem zweibändigen The climate of London (1818–1820). Dieses basierte auf Wetterbeobachtungen, die Howard im Jahr 1806 begonnen und unter der Rubrik Meteorological register von 1807 bis 1809 in der Zeitschrift The Athenæum, a magazine of literary and miscellaneous information veröffentlicht hatte.

Als einer der Ersten ergänzte er dabei seine visuellen Beobachtungen auch durch Messung von Temperatur und Luftdruck. Er setzte diese Messungen bis 1830 fort, also über einen Zeitraum von fast 30 Jahren.

Mit Seven lectures on meteorology (1837) ist er zudem der Autor des ersten Lehrbuchs der Meteorologie.

Rezeption durch Goethe

Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach machte Johann Wolfgang von Goethe Ende 1815 auf Howards Artikel Versuch einer Naturgeschichte und Physik der Wolken, der 1815 in den Annalen der Physik erschien, aufmerksam. Der von Ludwig Wilhelm Gilbert bearbeitete Artikel beruhte auf Howards Beitrag Cloud für die Rees’s Cyclopædia, der 1812 im von William Nicholson herausgegebenen Journal of natural philosophy, chemistry and the arts nachgedruckt worden war. Das führte in den folgenden Jahren zu einer intensiven Auseinandersetzung mit Howards Klassifikation und deren eigener praktischer Nutzung. Ende 1817 entstand der Aufsatz Camarupa, in dem Goethe sich zum ersten Mal mit Howards Wolkenklassifikation beschäftigte, der allerdings erst postum veröffentlicht wurde. Sein erster öffentlicher Artikel dazu mit dem Titel Wolkengestalt nach Howard beruhte hauptsächlich auf seinem vom 23. April bis 31. Mai 1820 auf der Reise nach und in Karlsbad geführtem „Wolkentagebuch“.

1820 veröffentlichte Goethe das Gedicht Howard’s Ehrengedächtnis, in dem er in vier Strophen die Wolkenformen in poetischer Form beschrieb. Goethe schickte das Gedicht an seinen Londoner Korrespondenten Johann Christian Hüttner (1766–1847), der eine Übersetzung durch John Bowring veranlasste und eine Veröffentlichung plante. In einem Brief vom 23. Februar 1821 erbat Hüttner dazu von Goethe einige weiterführende Erläuterungen. Im März 1821 verfasste Goethe nicht nur die erwünschte Erläuterung, sondern auch drei weitere Strophen zum Gedicht und übersandte die Ergänzungen Anfang April 1821 an Hüttner. Hüttner veranlasste eine Übersetzung ins Englische, diesmal vom Faust-Übersetzer George Soane (1790–1860). Die erste Veröffentlichung in deutscher und englischer Fassung erfolgte im Juli-Heft von Gold’s London Magazine. Sie erschienen ebenfalls 1822 im ersten Band von Goethes Zur Naturwissenschaft überhaupt.

In einem Brief vom 25. September 1821 bat Goethe Hüttner um nähere Informationen über Howards Leben. Hüttner vermittelte das Anliegen Goethes an Howard, das dieser zunächst als einen Scherz abtat. Im Februar 1822 sandte Howard einen autobiographischen Abriss an Hüttner, der ihn an Goethe weiterleitete. Zwischen dem 10. und 12. April 1822 fertigte Goethe die Übersetzung an. Howards Autobiografie eröffnete den zweiten Teil des zweiten Bandes von Goethes Zur Naturwissenschaft überhaupt.

Goethe bat Johannes Friedrich Posselt, den Direktor der Sternwarte in Jena, eine Rezension von Howards The climate of London zu verfassen. Diese erschien, mit Ergänzungen durch Goethe, 1823 im zweiten Band von Goethes Zur Naturwissenschaft überhaupt.

Ehrungen

Am 8. März 1821 wurde Howard als Mitglied („Fellow“) in die Royal Society gewählt.

Für herausragende Beiträge auf dem Gebiet der Stadtklimatologie verleiht die International Association for Urban Climate (IAUC) seit 2004 den Luke Howard Award.

Anlässlich des 250. Geburtstags Howards widmete ihm die Royal Meteorological Society im November 2022 eine Sonderausgabe ihrer Zeitschrift Weather.

Am 1. Februar 2024 gab die Royal Mail im Rahmen der Briefmarkenserie Weather Forecasting eine Sondermarke zu Howards Ehren heraus.

Schriften (Auswahl)

Bücher

Zeitschriftenbeiträge

Rees’s Cyclopædia

Sonstige

Als Herausgeber

Literatur

Ältere

Neuere

Einzelnachweise

  1. ↑ Luke Howard: Luke Howard an Goethe. In: Zur Naturwissenschaft überhaupt. Band 2, Teil 2, Cotta, Stuttgart/Tübingen 1823, S. 9–10 (online).
  2. ↑ Ernest Charles Cripps: Plough Court, the story of a notable pharmacy, 1715–1927. Allen & Hanburys, London 1927, S. 23–34 (online).
  3. ↑ Arthur Walter Slater (Hrsg.): Autobiographical memoir of Joseph Jewell, 1763–1846. In: Camden miscellany. Band 22, 1964, S. 113–161 (doi:10.1017/S0068690500002725).
  4. ↑ Bernard Burke: A genealogical and heraldic history of the landed gentry of Great Britain & Ireland. 9. Auflage, Band 1, Harrison & sons, London 1898, S. 763 (online).
  5. ↑ Howards & Sons Ltd. In: Lesley Richmond, Julie Stevenson, Alison Turton (Hrsg.): The pharmaceutical industry. A guide to historical records. Aldershot, Ashgate 2003, ISBN 0-7546-3352-7.
  6. ↑ Maren Ballerstedt, Peter Petsch, Matthias Puhle (Hrsg.): „Zum Wohle der Stadt …“ Magdeburger Ehrenbürger. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2012, ISBN 978-3-89812-963-3, S. 172–173 und 229.
  7. ↑ R. Corless: A brief History of the Royal Meteorological Society. In: Royal Meteorological Society (Hrsg.): Weather. Band 5, Nr. 3, 1950, S. 78–83 (doi:10.1002/j.1477-8696.1950.tb01151.x).
  8. ↑ A. W. Slater: Luke Howard, F.R.S. (1772–1864) and his relations with Goethe. In: Notes and Records of the Royal Society of London. Band 27, Nr. 1, 1972, S. 130.
  9. ↑ Jean-Baptiste Lamarck: Sur la forme des nuages. In: Annuaire météorologique. Nr. 3, Paris 1802, S. 149–164 (online).
  10. ↑ Manfred Wenzel (Hrsg.): Goethe-Handbuch Supplemente. Band 2: Naturwissenschaften. J. B. Metzler, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-476-00043-9, S. 207.
  11. ↑ Gisela Nickel: Neues von „Camarupa“. In: Jochen Golz, Bernd Leistner, Edith Zehm (Hrsg.): Goethe-Jahrbuch. 2000. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar/Stuttgart 2001, S. 118–123 (doi:10.1007/978-3-476-02786-3_11).
  12. ↑ Johann Wolfgang von Goethe: Wolkengestalt nach Howard. In: Zur Naturwissenschaft überhaupt. Band 1, Heft 3, 1820, S. 97–123 (online).
  13. ↑ Manfred Wenzel (Hrsg.): Goethe-Handbuch Supplemente. Band 2: Naturwissenschaften, J. B. Metzler, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-476-00043-9, S. 214.
  14. ↑ Johann Wolfgang von Goethe: Howard’s Ehrengedächtnis. In: Zur Naturwissenschaft überhaupt. Band 1, Heft 3, 1820, S. 124–125 (online).
  15. ↑ Manfred Wenzel (Hrsg.): Goethe-Handbuch Supplemente. Band 2: Naturwissenschaften, J. B. Metzler, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-476-00043-9, S. 216.
  16. ↑ Hüttner an Goethe, 23. Februar 1821. In: Goethes Werke. 4. Abteilung, Band 34, Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1905, S. 366 (online).
  17. ↑ Goethe an Hüttner, 4. April 1821. In: Goethes Werke. 4. Abteilung, Band 34, Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1905, S. 182 (online).
  18. ↑ Gold’s London magazine. Band 4, Nr. 19, 1821.
  19. ↑ Johann Wolfgang von Goethe: Howard’s Ehrengedächtnis / In Honour of Howard. In: Zur Naturwissenschaft überhaupt. Band 1, Heft 4, 1822, S. 322–326 (online).
  20. ↑ Johann Wolfgang von Goethe: Goethe zu Howards Ehren / Lines by Goethe in honour of Howard. In: Zur Naturwissenschaft überhaupt. Band 1, Heft 4, 1822, S. 326–329 (online).
  21. ↑ Karl-Heinz Bernhardt: Johann Wolfgang von Goethes Beziehungen zu Luke Howard und sein Wirken auf dem Gebiet der Meteorologie. In: Proceedings of the International Commission on History of Meteorology. Band 1, 2004, S. 31.
  22. ↑ Manfred Wenzel (Hrsg.): Goethe-Handbuch Supplemente. Band 2: Naturwissenschaften, J. B. Metzler, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-476-00043-9, S. 218.
  23. ↑ Luke Howard: Luke Howard an Goethe. In: Zur Naturwissenschaft überhaupt. Band 2, Teil 2, Cotta, Stuttgart/Tübingen 1823, S. 7–19 (online).
  24. ↑ Manfred Wenzel (Hrsg.): Goethe-Handbuch Supplemente. Band 2: Naturwissenschaften, J. B. Metzler, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-476-00043-9, S. 216.
  25. ↑ Dr. Fr. P.: [Rezension]: The Climate of London, by Luke Howard, in two Volumes. London, 1818. In: Zur Naturwissenschaft überhaupt. Band 2, Heft 1, Cotta, Stuttgart/Tübingen 1823, S. 59–64 (online).
  26. ↑ Eintrag zu Howard; Luke (1772–1864) im Archiv der Royal Society, London
  27. ↑ The Luke Howard Award, abgerufen am 29. Januar 2026.
  28. ↑ Weather. Band 77, Nr. 11, November 2022 (Inhalt).
Commons: Luke Howard – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Personendaten
NAME Howard, Luke
KURZBESCHREIBUNG englischer Pharmakologe und Meteorologe
GEBURTSDATUM 28. November 1772
GEBURTSORT London
STERBEDATUM 21. März 1864
STERBEORT Tottenham