Lungenemphysem

Klassifikation nach ICD-10
J43 Emphysem
J44 Sonstige chronische obstruktive Lungenkrankheit
– mit Emphysem
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)
Klassifikation nach ICD-11
CA21 Emphysem
CA21.0 McLeod-Syndrom
CA21.1 Panlobuläres Emphysem
CA21.2 Zentrilobuläres Emphysem
CA21.Y Sonstiges näher bezeichnetes Emphysem
CA21.Z Emphysem, nicht näher bezeichnet
ICD-11: Englisch • Deutsch (Vorabversion)

Als Lungenemphysem, Emphysem (der Lunge) oder (chronische) Lungenblähung wird eine irreversible Überblähung der kleinsten luftgefüllten Strukturen (Lungenbläschen, Alveolen) der Lunge bezeichnet. Es ist der gemeinsame Endpunkt einer Reihe von chronischen Lungenerkrankungen, wie der COPD.

Pathogenese

Emphysemlunge im Röntgen-Thorax

Eine Theorie besagt, dass es durch verschiedene Schadstoffe (Tabakrauch, Silikate, Fein- und Quarzstaub) oder durch körpereigene Proteasen (beim Alpha-1-Antitrypsin-Mangel) zu entzündlichen Veränderungen des Lungengewebes kommt. Die folgende Ansammlung von Leukozyten setzt Proteasen frei, einschließlich Elastasen. Diese zerstören die elastischen Fasern der Lunge. Weiterhin inaktivieren Sauerstoffradikale Alpha-1-Antitrypsin, das normalerweise Elastasen und andere Proteasen inaktiviert. Zusätzlich erhöht sich der Druck von außen auf die Bronchiolen (kleine Bronchien), die dann beim Ausatmen kollabieren, so dass die in den Alveolen enthaltene Luft gefangen bleibt (trapped air). Die Folge ist eine Überblähung der Lungen mit erhöhtem Luftgehalt der Lunge. Es gibt aber auch andere Vermutungen.

Damit kann weniger verbrauchte Luft ausgeatmet werden, weniger frische Luft kann einströmen. Im Extremfall werden aus vorher funktionstüchtigen Lungenbläschen große funktionslose „Emphysemblasen“. Endogen kann auch ein persistierendes Asthma bronchiale zu einem Lungenemphysem führen.

Letztlich verliert die Lunge ihre Elastizität und die enthaltene Luft kann nicht mehr vollständig entweichen.

Symptome

Generell liegt beim Lungenemphysem, bedingt durch die verminderte Gasaustauschfläche, eine chronische Atemnot vor, anfangs nur bei Belastung, im späteren Verlauf auch in Ruhe (Ruhedyspnoe). Der verminderte Sauerstoffgehalt des Blutes zeigt sich eventuell durch bläulich-rote Verfärbung (Zyanose) der Lippen, Fingerspitzen und Zehenspitzen. Der Hustenmechanismus kann gestört sein.

Der Umfang des Brustkorbes nimmt zu (Fassthorax mit waagerechtem Verlauf der Rippen). Im Spätstadium kommt es zu einer (Rechts-)Herzbelastung.

Diagnostik

In der körperlichen Untersuchung kommt es zu einem hypersonoren Klopfschall und einem abgeschwächten Atemgeräusch bei der Auskultation. Beide Befunde sind mit der Überblähung der Lunge zu begründen.

Im Röntgenbild (Röntgen-Thorax) zeigt sich das Lungenemphysem in einer verminderten Dichte des Lungengewebes. Das Zwerchfell kann tiefstehen. Zudem kann ein Tropfenherz ausgebildet sein.

Das Hochauflösende CT (HRCT) ist die sensitivste Methode, ein Lungenemphysem nachzuweisen.

In der Lungenfunktionsuntersuchung zeigt sich eine obstruktive Ventilationsstörung durch eine Abnahme der Einsekundenkapazität sowie eine Überblähung mit einer Erhöhung des Residualvolumens und der totalen Lungenkapazität.

Einteilung

Schema der menschlichen Lunge. 1: Luftröhre, 2: Lungenarterie, 3: Lungenvene, 4: Alveolargang (Bronchiolus terminalis), 5: Alveole, 6: Herzeinschnitt, 7: kleine Bronchien, 8: Tertiärbronchus, 9: Sekundärbronchus, 10: Hauptbronchus, 11: Kehlkopf
Pathologisches Präparat eines zentrilobulären Emphysems

Anatomisch gesehen verästeln sich die Luftwege immer weiter, bis sie schließlich in den sogenannten Lungenbläschen (Alveolen) enden, in denen dann letztlich der Gasaustausch stattfindet (bildlich weitgehend wie eine Traube vorzustellen). Die Lungenbläschen hängen an einem kleinen Bronchus (mehrere Bronchioli respiratorii laufen zu einem Bronchiolus terminalis zusammen). Das Lungenemphysem spielt sich weitgehend in diesem Bereich, also den Endungen der Luftwege, ab.

Man kann das Lungenemphysem (früher auch Lungenblähsucht genannt) folgendermaßen einteilen:

Mit Coils behandeltes Lungenemphysem. Die Coils wurden mittels Bronchoskopie eingesetzt.

Therapie

Der wichtigste Bestandteil der Therapie ist der sofortige Rauchstopp. Nur dadurch kann das Fortschreiten der Erkrankung beeinflusst werden.

Etymologie

Emphysem ist abgeleitet von griechisch ἐμφύσημα (emphýsema) „Blähung, Schwellung“.

Wiktionary: Lungenemphysem – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Ältere Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ D. Berger, D. Nolte: Die atemmechanischen Grundlagen des gestörten Hustenmechanismus beim Emphysempatienten. In: Atemwegs- und Lungenkrankheiten. Band 4, 1978, S. 178 ff.
  2. ↑ Klaus Holldack, Klaus Gahl: Auskultation und Perkussion. Inspektion und Palpation. Thieme, Stuttgart 1955; 10., neubearbeitete Auflage ebenda 1986, ISBN 3-13-352410-0, S. 89 f.
  3. 1 2 Gerd Herold: Innere Medizin. Hrsg.: Gerd Herold. Köln 2024, ISBN 978-3-9821166-3-1, S. 356 ff.
  4. ↑ G. Herold: Innere Medizin, Eigenverlag, 2007, S. 314 ff.
  5. ↑ Eintrag zu Emphysem, kongenitales lobäres. In: Orphanet (Datenbank für seltene Krankheiten)
  6. ↑ Renate Lüllmann-Rauch: Histologie: entenda, aprenda, consulte; 10 quadros. 2. Auflage. Guanabara Koogan, Rio de Janeiro 2006, ISBN 85-277-1183-4.
  7. ↑ H. Jantsch, G. Lechner: Radiologische Überwachung des beatmeten Patienten. In: J. Kilian, H. Benzer, F. W. Ahnefeld (Hrsg.): Grundzüge der Beatmung. Springer, Berlin u. a. 1991, ISBN 3-540-53078-9, 2., unveränderte Aufl. ebenda 1994, ISBN 3-540-57904-4, S. 134–168; hier: S. 150.
  8. ↑ Wiktionary: ἐμφύσημα