Dieser Artikel behandelt die Zubereitungsart von Kaffee; zu anderen Bedeutungen dieses Begriffes siehe Espresso (Begriffsklärung).
Espresso
Espresso[ˌɛsˈpʀɛso]ⓘ ist eine aus Mailand stammende Kaffeezubereitungsart, bei der heißes Wasser mit hohem Druck durch sehr fein gemahlenes Kaffeemehl aus gerösteten Kaffeebohnen gepresst wird. Das Verfahren ergibt einen konzentrierten Kaffee, auf dem sich eine dichte Schaumschicht– die Crema– befindet, die zu seinem Aroma beiträgt.
Espresso wird meistens in kleinen Portionen von nur 25–30ml getrunken und in dickwandigen, idealerweise vorgewärmten Tassen mit ungefähr 40ml Fassungsvermögen serviert. Manchmal und auf Wunsch wird Espresso auch in einem Glas serviert. Er wird meist gesüßt getrunken.
In Österreich, speziell in Wien, wird der Espresso auch als Mokka oder Kleiner Schwarzer bezeichnet. Die Bezeichnung Mokka wurde hier früher für den mit Karlsbader Kanne gefilterten schwarzen Kaffee verwendet und seit dem Aufkommen der Espressomaschinen auf diese Variante des kurzen schwarzen Kaffees erweitert.
Herkunft und Etymologie
Seine Wurzeln hat der Espresso in Italien, wo diese Art der Kaffeezubereitung um 1900 in Mailand aufkam. Dort wurde er vor der Einführung anderer Methoden ausschließlich mit Dampf zubereitet und in Bars nur am Tresen serviert.
Die Bezeichnung espresso geht auf zwischen 1840 und 1870 hergestellte sogenannte „Kaffeelokomotiven“ zurück. Deren Bezeichnung spielt auf die Analogie der Kaffeezubereitung mit Dampf und einer Dampflokomotive an. Der Mailänder Luigi Bezzera konnte auf die Popularität der Assoziation von Kaffee mit dampfbetriebenen Expresszügen zurückgreifen, als er 1901 die erste Maschine für caffè espresso patentieren ließ. Das Wort espresso ist demnach eine Entlehnung aus dem Englischen, wo die Bezeichnung express für Schnellzug seit Mitte des 19.Jahrhunderts belegt ist.
In verschiedenen Sprachräumen wird espresso mit „x“ geschrieben, etwa in Spanien (café expreso), Portugal (café expresso) und Rumänien (cafea expres).
Kaffeebohnen und Röstung
Espresso wird oft aus einer Kaffeebohnen-Mischung mit einem etwas höheren Robusta-Anteil hergestellt.
Robusta-Bohnen gelten als weniger aromatisch als Arabica-Bohnen, sie verleihen dem Espresso-Getränk aber einen volleren Körper und damit die für Espresso typische Schwere. Außerdem ist es mit einem Robusta-Anteil bei der Zubereitung wesentlich einfacher, eine gute Crema zu erzielen, als mit einer reinen Arabica-Mischung.
Espresso wird in der Regel aus dunkler gerösteten Mischungen hergestellt. Durch die dunkle Röstung verliert die Bohne einen Großteil ihrer geschmacklich wahrnehmbaren Säuren – deutlich mehr als bei der helleren Filterkaffeeröstung. Das ist gewollt, denn durch die Zubereitung unter hohem Druck lösen sich die Säuren überproportional schnell. Ein Espressogetränk aus hellem Kaffeemehl ist deutlich sauer. Dieser scheinbare Widerspruch zum traditionellen Espresso kann aber auch bewusst angestrebt werden: Helle Espressoröstungen mit fruchtigen Noten lagen zeitweise im Trend.
Mit zunehmendem Röstgrad kommt es auch zu einer Verschiebung im Bitterkeitsprofil. Während sich im Verlauf der Röstung (helle bis mittlere Röstgrade) zunächst „weiche“ Bitterelemente bilden, sind diese bei dunkleren Röstungsproben weitgehend abgebaut und es dominieren vermehrt gebildete „harsche“ Bitterelemente.
Mit dem Röstvorgang entsteht aus dem Naturprodukt der Ausgangsstoff. Bis 150°C verlieren die Bohnen Wasser, ab 160°C beginnt die Röstung, bei der eine Vielzahl chemischer Reaktionen abläuft. Je Kilogramm Bohnen entstehen bis zu 12Liter bzw. 24Gramm CO2. Bei Temperaturen von 160°C bis 240°C führt dieses Gas wegen der relativ dicken Zellwände zu einem Überdruck von bis 25bar in den Zellen und die gewünschten Prozesse laufen ab. Vor allem reagieren die Aminosäuren und die einfachen Zucker (Galactose, Glucose, Arabinose und Saccharose) und Trigonellin und Chlorogensäuren werden abgebaut, dazu Lipide und Koffein kaum verändert. Für Espresso werden dunkler geröstete Sorten bevorzugt, da der Gehalt an adstringierend schmeckenden Chlorogensäuren geringer ist und die Abbauprodukte des Trigonellin das Röstaroma verstärken. Nebenbei entsteht das VitaminNicotinsäure (Niacin, Vitamin B3) und ein guter Espresso kann 15% des Tagesbedarfs decken.
Während des Röstvorgangs finden Decarboxylierungen statt und das entstandene CO2 in der Bohne ist ein Schutzgas für die Aromastoffe, die vor der Oxydation durch den Luftsauerstoff geschützt sind. Daher schmeckt ein Espresso mit frisch gemahlenen Bohnen sehr aromatisch.
Zubereitung
Mahlen
Espressomühle (rechts)
Bei der Zubereitung von Espresso werden die Kaffeebohnen besonders fein gemahlen. Die Korngröße sollte bei 0,3mm bis 0,4mm liegen, während beispielsweise für Filterkaffee 0,4mm bis 0,6mm reichen. Es gibt Kaffeemühlen speziell für Espresso (Espressomühlen).
Das Mehl muss eine besonders gleichmäßige Körnung aufweisen.
Die gleichmäßige Mahlung gilt allgemein als Qualitätsmerkmal von Kaffeemühlen. Mit Mahlscheiben als Mahlwerk wird eine gleichmäßigere Körnung erreicht als mit einem Schlagmahlwerk.
Brüht man einen Espresso aus Mehl, dessen Partikel ungleichmäßig groß sind, sind zwei Szenarien denkbar: Ist der Brühvorgang auf die kleinen Partikel abgestimmt, dann werden die Aromen der dickeren Partikel nicht optimal gelöst und gelangen nicht in den Espresso. Ist der Vorgang hingegen auf die größeren Partikel abgestimmt, dann lösen sich aus den kleinen Partikeln gegen Ende des Brühvorgangs unerwünschte Bitterstoffe, die den Geschmack des Kaffees beeinträchtigen.
Die richtige Einstellung des Mahlwerks ist wichtig. Eine feine Körnung ist zweckmäßig, damit beim Brühen mehr Stoffe extrahiert werden. Bei einer zu feinen Körnung wird der Espresso bitter, auch die Crema verschwindet wieder.
Brühen
Ein Kaffeestampfer dient zum Festdrücken des Kaffeemehls im Sieb
Zur Zubereitung eines guten cremigen Espressos wird eine Siebträger-Espressomaschine benötigt. Vorab wird das Kaffeemehl in das Sieb des Siebträgers gefüllt, vollflächig verteilt und festgedrückt. Für das Festdrücken wird ein stempelförmiger Kaffeestampfer (englischtamper) verwendet.
In der Espressomaschine wird 88°C bis 94°C heißes Wasser bei einem Ausgangsdruck von etwa 9bar durch das Kaffeemehl gepresst. Dabei werden die Aromastoffe und andere Inhaltsstoffe aus dem Kaffeemehl extrahiert. Aus 7–9Gramm Kaffeemehl entstehen rund 25ml Espresso.
Die Durchlaufzeit sollte etwa 25Sekunden betragen. Läuft die passende Wassermenge schneller durch die Maschine, wird der Espresso fade und sauer. Läuft das Wasser zu lange durch das Kaffeemehl, lösen sich hingegen zu viele Bitterstoffe. Beeinflusst wird die Durchlaufzeit im Wesentlichen durch den Mahlgrad des Kaffeemehls sowie durch den Brühdruck der Maschine, den Anpressdruck des Kaffeemehls an das Sieb, die Lochanzahl und Lochgröße des Siebes und die Kaffeepulvermenge.
Während der kurzen Brühzeit werden unerwünschte Inhalts- und Geschmacksstoffe vermieden. Die bei der Röstung in den Bohnen verbliebenen Lipide werden durch das heiße Wasser geschmolzen und bilden zwischen den durchströmten Kaffeeteilchen eine Emulsion mit Tröpfchen zwischen 0,5µm und 10µm. In dieser Emulsion können sich die Aromastoffe lösen und in der heißen Flüssigkeit verbleiben, ohne sich zu verflüchtigen. Die Fettmenge in einem Espresso beträgt ca. 1g.
Typische Werte
Das Istituto Nazionale Espresso Italiano‚Nationales Institut für italienischen Espresso‘ empfiehlt die folgenden Kriterien:
Notwendige Menge an gemahlenem Kaffee = 7g ± 0,5g
Wassertemperatur am Ausgang des Aggregats = 88°C ± 2°C
Volumen in der Tasse (einschließlich Crema) = 25ml ± 2,5ml
Fehler bei der Zubereitung
Fehler
Ursache
Geschmack
Bitterer Geschmack
zu hohe Brühtemperatur, Bohnen zu fein gemahlen oder zu stark komprimiert, zu lange Durchlaufzeit, zu viel Kaffeemehl, zu hoher Druck
Saurer Geschmack
zu saures Wasser, zu niedrige Brühtemperatur, Bohnen zu grob gemahlen, zu weiches Wasser, zu helle Röstung, zu kurze Durchlaufzeit, falsche Kaffeesorte (Filterkaffeeröstung statt Espressoröstung)
Bohnen zu grob gemahlen oder zu wenig komprimiert, Kaffee zu alt, Tasse oder Maschine verunreinigt
Crema zu dunkel
Bohnen zu fein gemahlen oder zu stark geröstet, Brühtemperatur zu hoch
Crema zu hell
Bohnen zu alt oder zu grob gemahlen oder zu wenig komprimiert, Brühtemperatur zu niedrig
Crema hat keinen Stand
Tasse zu kalt oder zu heiß, Wasserdruck zu niedrig
Koffeingehalt
Während der kurzen Brühzeit werden nur etwa 75% des Koffeins aus dem Kaffeemehl gelöst. Dennoch ist die Konzentration von Koffein beim Espresso höher als bei gewöhnlichem Filterkaffee, da bei der Zubereitung viel weniger Wasser verwendet wird (typischerweise 25–30ml Wasser beim Espresso, jedoch 125ml beim Filterkaffee). Wegen der kleinen Portionsgröße ist die Koffeinmenge pro Tasse Espresso geringer als pro Tasse Filterkaffee.
Die Espressomaschine wurde von dem Mailänder Ingenieur Luigi Bezzera entwickelt. Bezzera gilt als Erfinder der Espressomaschine. Während der Prototyp des französischen Edouard Loysel de Santais bereits auf der Weltausstellung 1855 in Paris vorgestellt wurde, ging die erste Serienproduktion von Bezzera erst 1901 in die Läden Italiens und bald in alle Welt.
Typen
Man unterscheidet bei Espressomaschinen zwischen den folgenden Konstruktionen.
Handhebelmaschinen: Bei ihnen wird manchmal, jedoch nicht notwendigerweise eine starke Feder vorgespannt, die das Wasser durch einen Kolben und den Siebträger drückt; der Druck kann jedoch auch rein manuell mit einem Handhebel erzeugt und so die Schaumigkeit reguliert werden (Pavoni); typischerweise werden sie in massiver Bauweise aus Messing, Kupfer und Chrom und mit nostalgischem Design gebaut.
Halbautomaten unterscheiden sich von Hebelmaschinen durch eine eingebaute Pumpe (oft eine Vibrationspumpe, Rotationspumpe bei Festwasseranschluss), die den Druck erzeugt; typischerweise bestehen bei vielen Haushaltsmaschinen nur der Brühkessel und das Gehäuse aus massivem Metall, bei den Leitungen und Zuführungen werden dagegen Kunststoff-Schläuche verbaut.
Vollautomaten sind Maschinen mit einem kompletten Zubereitungssystem aus Mühle, Stampfbehälter, Membranen und Pumpen, die Bohnen aus einem Behälter entnehmen, mahlen, pressen und brühen; typischerweise besitzen sie keinen sichtbaren Siebträger und bestehen– bis auf sichtbare Teile– fast ganz aus Kunststoff und haben ein modern-technisches Design mit Schaltern oder Tastern und LC- oder LED-Displays.
Darüber hinaus unterscheidet man Einkreis- und Zweikreis-Maschinen.
Bei Einkreisern existiert nur ein Wasserweg und die Temperatur muss zwischen Brühwasser- und Dampfbezug umgeschaltet werden, was zu Wartezeiten durch Aufheizen oder Herunterkühlen führt.
Zweikreiser verfügen dagegen über je einen eigenen Kreislauf für Dampf und Brühwasser. So kann gleichzeitig Brühwasser und Dampf zum Milchschäumen bezogen werden.
Variationen
Italienische Variationen
Espressovariationen
Mischung und die Namen in den jeweiligen Ländern:
7 g Kaffee + 25 ml Wasser = portugiesischbica, spanischcafé solo, italienischcaffè, deutschespresso, in Italien ist dies, was in Deutschland als Espresso verstanden wird.
7 g Kaffee + 25 ml Wasser + kühlen und rühren = italienischgranita di caffè (granita = fein gestoßen): gefrorener Espresso. Durch Rühren wird die Eisblockbildung verhindert. Es entstehen Espressokristalle.
7 g Kaffee + 25 ml Wasser + Wasser und Zucker + eisig kühlen = italienischcaffè freddo: mit Wasser verlängerter, stark gesüßter und eisgekühlter Espresso. Er wird meist nur in den Sommermonaten in italienischen Bars serviert.
7 g Kaffee + 25 ml Wasser + 25–50 ml heißes Wasser = italienischcaffè americano: Ein Espresso wird nachträglich mit derselben oder doppelten Menge heißen Wassers gemischt. Wird in umgekehrter Reihenfolge der Espresso auf das Wasser gegeben, sodass die Crema erhalten bleibt, nennt man dies auch Long Black.
Andere Mengen:
7 g Kaffee + 15 ml Wasser = portugiesischitaliana, italienischcaffè ristretto, deutschEspresso ristretto (ristretto = eng, beschränkt): ein sehr konzentrierter und damit starker Espresso (geringere Wassermenge: 15ml).
7 g Kaffee + 50 ml Wasser = portugiesischbica cheia, italienischcaffè lungo, deutschEspresso lungo (lungo = lang): ein verlängerter Espresso mit der doppelten Wassermenge bei gleicher Kaffeemenge.
14 g Kaffee + 50 ml Wasser = portugiesischbica dupla, italienischcaffè doppio, deutschdoppelter Espresso (doppio = doppelt): die zweifache Menge Espresso, d.h. 50ml.
14 g Kaffee + 30 ml Wasser = portugiesischbica dupla curta, italienischristretto doppio, deutschdoppelter Ristretto: die zweifache Menge eines Ristretto, effektiv ein Espresso mit doppelt so viel Kaffeepulver zubereitet.
Espresso mit verschiedenen Zutaten und Serviermethoden
Mit Spirituosen
7 g Kaffee + 25 ml Wasser + Spirituose = portugiesischcafé com cheirinho, italienischcaffè corretto: Caffè corretto (auch Espresso corretto), ein „verbesserter“ Kaffee, der mit Spirituosen, in der Regel mit einem Schuss Grappa, „korrigiert“ wird.
Espresso mit Vanilleeis (Affogato)
Mit Speiseeis
Affogato, meistens serviert mit einer Kugel Vanilleeis, gelegentlich auch mit anderen Milcheissorten wie Nuss- oder Schokoladeneis.
Mit wenig Milch
7 g Kaffee + 25 ml Wasser + kleiner Schluck geschäumter Milch = italienischcaffè macchiato caldo oder Macchiato, mitunter espresso macchiato caldo (= warmer befleckter Espresso). In Italien gießt man den Espresso zur Verfeinerung oft mit einem kleinen Schluck Milchschaum auf. Der Macchiato caldo wird häufig mit einer kleinen Haube aus aufgeschäumter Milch gekrönt.
7 g Kaffee + 25 ml Wasser + kleiner Schluck kalter Milch = portugiesischbica pingada, italienischcaffè macchiato freddo, auch espresso macchiato freddo. Der Macchiato freddo wird mit einem kleinen Schluck kalter Milch „befleckt“.
Mit mehr Milch
Cappuccino: Der Cappuccino besteht aus einem Espresso, zu dem geschäumte Milch gegeben wird. Nach kurzer Zeit setzt sich die Schaumschicht oben ab. Der Name des Cappuccinos leitet sich vermutlich von den Kapuzinern ab. Er spielt auf den braunen Habit der Kapuziner (italienischcappuccini) im Zusammenhang mit der Milchschaumhaube an.
Latte macchiato (deutschgefleckte Milch): ist ein italienisches Kindergetränk, das fast ausschließlich aus warmer Milch besteht, der etwas Espresso untergemischt wird. In Deutschland hat sich eine abgewandelte Form unter diesem Namen entwickelt. Diese besteht aus drei Schichten: einer untersten Schicht heißer Milch (2⁄3), einer obersten Schicht geschäumter Milch (1⁄3) und einem Espresso, der vorsichtig (über einen Löffelrücken) durch den Milchschaum hindurchgegossen wird. Da die kühlere fetthaltige Milch eine höhere Dichte als der heiße Espresso hat, schwimmt der Kaffee auf der Milch. Bei pflanzlichem Milchersatz fördern Hefe- und Sojaanteile die Schäum- und Schwimmfähigkeit.
Caffè Latte: Ein oft zu Hause zum Frühstück getrunkener Milchkaffee, der meist in einer Schale serviert wird. Zu Hause wird er nicht aus klassischem Espresso, sondern mit Kaffee aus einer Espressokanne zubereitet, der mit heißer Milch aufgefüllt wird. Selten wird zusätzlich Milchschaum verwendet.
Mit Schokolade oder Kakao
Marocchino: Der Marocchino wird mit einem Teelöffel Schokolade, Espresso, Milchschaum und reinem Kakaopulver zubereitet. Die geschmolzene Schokolade wird mit kreisenden Bewegungen an der Glasinnenwand verteilt und mit einem Espresso aufgegossen. Zwei bis drei Teelöffel Milchschaum werden abschließend mit viel Kakaopulver bestäubt.
Bicerin: Eine Espressovariante aus Turin; sie besteht zu gleichen Teilen aus Espresso und heißer Schokolade. Den Abschluss bildet eine Haube aus leicht geschlagener Sahne.
Espresso im Glas
Espresso im traditionellen Glas serviert
Manche bevorzugen es, den Espresso aus dem Glas zu trinken. Beim Espresso im Glas (italienisch: caffè in vetro) kann man die Farbe des Kaffees und die Crema besser sehen. Andererseits kühlt das Getränk im Glas schneller ab.
Portugiesische Variationen
Bica: Entspricht dem einfachen Espresso.
Garoto: Espresso und Milch zu etwa gleichen Teilen, wird in einer Espressotasse serviert
Cafe Pingado: Entspricht dem Espresso mit einem kleinen Schuss Milch.
Italiana: Entspricht einem kurzen Espresso.
Galão und Meia de leite: Entsprechen einem Milchkaffee oder Cappuccino.
Spanische Variationen
Café soloCarajillo mit Brandy, in einem traditionellen Glas
Café solo (spanischsolo‚allein‘): entspricht dem einfachen Espresso.
Café cortado oder meist nur cortado (= gekürzt, geschoren, geschnitten): In dieser spanischen Variante trinkt man den Espresso ebenfalls mit wenig Milch, jedoch mit mehr als beim Espresso macchiato.
Cortado leche y leche: kanarische Spezialität, wie Cafe cortado mit zusätzlicher Verwendung einer gesüßten Creme aus Kondensmilch. Wird im Glas serviert.
Café Bombón: gezuckerte Kondensmilch im Glas und darauf einen Espresso, auch cortado con leche condensada.
Carajillo: In Spanien war es früher unter Arbeitern Tradition, morgens vor der Arbeit einen Espresso mit Anislikör zu trinken. Wie der cortado wird dieser carajillo nicht aus Tassen, sondern aus kleinen hitzebeständigen Gläsern getrunken. In spanischen Bars wird unter carajillo üblicherweise ein Espresso mit spanischem Brandy verstanden.
Café con hielo (spanischcon hielo‚mit Eis‘) oder café del tiempo (spanisch für ‚Kaffee der Jahreszeit‘): Bestellt man in Spanien einen café con hielo erhält man eine übliche Espressotasse und zusätzlich ein weiteres, mit Eiswürfeln gefülltes Glas. Der Espresso wird gegebenenfalls gesüßt und in das Glas mit den Eiswürfeln gegossen und getrunken.
Romano (Südamerikanisch/Spanisch): Espresso und eine kleine Scheibe Zitrone
Barraquito: Diese kanarische Spezialität besteht aus gesüßter Kondensmilch, einem Spritzer Orangenlikör und einer Zitronenzeste. Darauf wird der Espresso gefüllt, so dass sich die Flüssigkeiten nicht vermischen. Darauf wird eine Milchhaube gesetzt und mit etwas Zimtpulver bestäubt.
Weitere Variationen
Insbesondere durch amerikanische Kaffeehausketten wie Starbucks wurden zahlreiche Neuschöpfungen auf den Markt gebracht, häufig in Variationen mit Milch und Sirupsorten diverser Geschmacksrichtungen. Oft wird versucht, durch die Namensgebung italienische Assoziationen zu wecken:
Caffè moca: Diese Variante besteht aus 1⁄3 Espresso, 2⁄3 heißer Milch und 1–2 Esslöffel Schokoladensirup oder flüssiger Schokolade, dazu einer Milchschaum- oder Sahnehaube. In der Regel wird der Caffè moca in einem hohen Glas serviert
Micro moca: Diese Variante besteht aus 1⁄2 Espresso, 1⁄2 heißer Milch und 1⁄2 Teelöffel Kakao oder flüssiger Schokolade, dazu einer Milchschaum- oder Sahnehaube, der Micro moca wird in einer Espressotasse serviert
Preis „al banco“: In Italien legt die jeweilige Kommune den Maximalpreis eines Espresso an der Bar (al banco‚im Stehen‘ am Tresen) fest. Dieser lag im Jahr 2020 in ganz Italien bei maximal 1,20Euro.
Preis „coperto“: Erst wenn man seinen Espresso im Sitzen am Tisch einnimmt, kommt eine Servicegebühr (coperto) hinzu und an besonderen touristischen Orten wie am Markusplatz in Venedig eventuell ein erwarteter Obolus für die Livemusik.
Freiwilliger Sozialpreis, Sospeso („Aufgehobener“). Espresso mit sozialem Mehrwert, also ein Espresso für einen guten Zweck. Der ist in der neapolitanischen Tradition des Helfens begründet. Wenn man einen erfolgreichen Tag hatte oder einfach einen sozialen Beitrag leisten will, trinkt man einen Sospeso– man trinkt einen Espresso und bezahlt zwei. Wer sich selbst keinen Espresso leisten kann, kann nach diesem „Aufgehobenen“ fragen und ihn kostenlos trinken. Menschen, denen es finanziell schlecht geht, können dadurch am sozialen Leben teilhaben.
In einer Espressokanne kann trotz ihres Namens kein Espresso zubereitet werden, denn in ihr entsteht nur ein Druck von rund 1,5bar. Für die Zubereitung von Espresso ist ein viel höherer Druck nötig (etwa 9 bar). Espressomaschinen erzeugen diesen hohen Druck mittels einer Pumpe.
Ingrid Niemeier, Jost Niemeier: Espresso, von A bis Z, vom kleinen Schwarzen und allem, was dazu gehört. Heel, Königswinter 2002, ISBN 3-89880-104-7.
Karl Petzke, Sara Slavin, Carolyn Miller, Jennifer Morla, Sandra Cook: Espresso. Kultur und Küche. Mit Fotos von Karl Petzke (Originaltitel: Espresso, übersetzt von Gitta Mohrdieck). Hädecke Verlag, Weil der Stadt 2005, ISBN 3-7750-0449-1.
↑Jeffrey T. Schnapp: The Romance of Caffeine and Aluminum. In: Critical Inquiry, Nr. 28, 2001, S. 244–269, doi:10.1086/449039 (online bei researchgate.net), hier S. 250.
↑Helle Kaffeeröstungen sind im Trend. In: manager magazin. (manager-magazin.de[abgerufen am 19.Juli 2022]).
↑Simone Blumberg, Oliver Frank, Thomas Hofmann:Quantitative Studies on the Influence of the Bean Roasting Parameters and Hot Water Percolation on the Concentrations of Bitter Compounds in Coffee Brew. In: Journal of Agricultural and Food Chemistry. Band58, Nr.6, 24.März 2010, ISSN0021-8561, S.3720–3728, doi:10.1021/jf9044606 (englisch).
12Dieser Brühdruck von etwa 9 bar ist der bei der Extraktion wirkende Druck. Er ist nicht zu verwechseln mit dem maximal möglichen Pumpendruck der Vibrationspumpe von z.B. 15bar. Der Brühdruck kann an der Maschine (durch ein Bypassventil) eingestellt werden, ist aber bei Haushaltsmaschinen meist bereits voreingestellt.