Er studierte Psychologie an der Universität Hamburg und schloss hier 1984 als Dipl.-Psych. ab. Seit 1988 spezialisierte er sich auf Klinische Psychologie und promovierte 1993 am Philosophischen Institut der Freien Universität Berlin. Er war seit 1990 auch approbierter Psychotherapeut für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. 2004 habilitierte er sich im Fachbereich Lebensqualität chronisch kranker Kinder und Jugendlicher und erhielt die Venia legendi für Kinder- und Jugendpsychotherapie und Psychosomatik an der Medizinischen Fakultät der Universität Ulm. 2007 absolvierte er eine Fortbildung in traumafokussierter kognitiver Verhaltenstherapie für Kinder und Jugendliche am Center for the Treatment and Research of Traumatic Stress, Allegheny General Hospital, in Pittsburgh.
Seine Berufstätigkeit begann in der Klinik für Kinder- und Jugendneurologie und -psychiatrie des Universitätsklinikums Berlin; danach wechselte er an die Universität Ulm, wo er zehn Jahre lang als Kinderpsychologe in der Kinder- und Jugendpsychiatrie tätig war. Im Jahr 2001 trat er der neu gegründeten Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Universität Ulm als deren erster leitender klinischer Psychologe bei; er baute auch eine Kinder- und Jugendpsychiatrische Institutsambulanz auf. Seit 2009 leitete er die Sektion für Psychotherapieforschung und Verhaltensmedizin sowie das Zentrum für Ausbildung und Kinder- und Jugendverhaltenstherapie an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie der Universität Ulm; 2014 wurde er hier zum ordentlichen Professor für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie berufen.
Seine Arbeitsschwerpunkte waren psychosoziale Aspekte chronischer körperlicher Erkrankung, psychosoziale Interventionsstudien, sozialpsychiatrische Versorgungsforschung, interdisziplinäre Versorgung von Risikokindern, Trauer, Verlust und psychische Gesundheit, Migration und Trauma sowie Palliativmedizin. Darüber hinaus befasste er sich mit Psychotherapietechniken und ihren -anwendungen, der psychosozialen und emotionalen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sowie mit Reproduktionsbiologie und Fruchtbarkeit. Zu seiner Arbeit gehörte auch die Evaluation von psychiatrischen Versorgungsangeboten sowie von Interventionen für Kinder und Jugendliche mit posttraumatischer Belastungsstörung. Für die Anwendung webbasierter Technologien zur Durchführung therapeutischer Interventionen im klinischen Alltag gründete er die Ulmer Online-Klinik und leitete mehrere Projekte und klinische Studien zur Online-Psychotherapie.
Ein weiteres seiner Forschungsgebiete betraf im Rahmen der The International Depression Epidemiological Study (TIDES) die Themen Depressionen und Angststörungen bei Mukoviszidose. Die Ergebnisse dieser Studien führten zur Gründung des Internationalen Komitees für Psychische Gesundheit. Er war als Mitglied des International Mental Health Guidelines Committee Mitautor der Leitlinien zur psychischen Gesundheit bei Mukoviszidose. Um die Umsetzung dieser Leitlinien zu gewährleisten und ihre Wirksamkeit europaweit zu evaluieren, gründete die Europäische Mukoviszidose-Gesellschaft 2016 die Arbeitsgruppe für psychische Gesundheit.
Ehrungen/Positionen
Vorstandsmitglied der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatherapie (DeGPT)
2007: Mitbegründer und stellvertretender Herausgeber der Fachzeitschrift „Child and Adolescent Psychiatry and Mental Health“ (CAPMH)
Privates
Er war verheiratet mit Heidi Goldbeck und Vater von drei Kindern. In seiner Freizeit verbrachte er gerne Urlaube und Segeltörns in Skandinavien. Er verstarb unerwartet mit 58 Jahren an einem Herzinfarkt während einer Vorstandssitzung der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatherapie.
Publikationen (Auswahl)
Monografien
Mit Elisa Pfeiffer: Traumafokussierte pädagogische Gruppenintervention für junge Flüchtlinge: Das Programm "Mein Weg" (Therapeutische Praxis). Hogrefe Verlag, Göttingen 2019, ISBN 978-3801729677.
Mit Annika Münzer; Miriam Rassenhofer; Jörg M. Fegert; Marc Allroggen: Ratgeber Sexueller Missbrauch: Informationen für Eltern, Lehrer und Erzieher (Ratgeber Kinder- und Jugendpsychotherapie). Hogrefe Verlag, Göttingen 2016, ISBN 978-3801716813.
Mit Annika Münzer; Miriam Rassenhofer; Jörg M. Fegert; Marc Allroggen: Sexueller Missbrauch (Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie). Hogrefe Verlag, Göttingen 2016, ISBN 978-3801716806.
Mit Judith Nestler: Soziale Kompetenz: Training für lernbehinderte Jugendliche SOKO. Beltz, Weinheim 2009, ISBN 978-3621276856.
Herausgeberschaften
Mit Jörg M. Fegert; Ute Ziegenhain: Traumatisierte Kinder und Jugendliche in Deutschland: Analysen und Empfehlungen zu Versorgung und Betreuung (Studien und Praxishilfen zum Kinderschutz). Beltz Juventa, Weinheim 2013, ISBN 978-3779922667.
Mit Anke de Haan; Dunja Tutus; Rita Rosner; Markus A. Landolt: Do dysfunctional posttraumatic cognitions play a mediating role in trauma adjustment? Findings from interpersonal and accidental trauma samples of children and adolescents. In: European Journal of Psychotraumatology, 2019, 10 (1).
Mit Cedric Sachser; Lucy Berliner; Tonje Holt; Tine K. Jensen; Nathaniel Jungbluth; Elizabeth Risch; Rita Rosner: International development and psychometric properties of the Child and Adolescent Trauma Screen (CATS). In: Journal of affective disorders, 2017, 210, S. 189–195.
Mit Alexandra L Quittner; Janice Abbott; Anna M. Georgiopoulos; Beth Smith; Sarah E. Hempstead; Bruce Marshall; Kathryn A. Sabadosa; Stuart Elborn; EPOS Trial Study Group: International committee on mental health in cystic fibrosis: cystic fibrosis foundation and European cystic fibrosis society consensus statements for screening and treating …. In: Thorax, 2016, 71 (1), S. 26–34.
Mit Matthias Domhardt; Annika Münzer; Jörg M. Fegert: Resilience in survivors of child sexual abuse: A systematic review of the literature. In: Trauma, Violence, & Abuse, 2015, 16 (4), S. 476–493.
Mit Alexandra L. Quittner; Janice Abbott; Alistair Duff; Patrick Lambrecht; Amparo Solé; Marijke M Tibosch; Agneta Bergsten Brucefors; Hasan Yüksel; Paola Catastini; Laura Blackwell; Dave Barker: Prevalence of depression and anxiety in patients with cystic fibrosis and parent caregivers: results of The International Depression Epidemiological Study across nine countries. In: Thorax, 2014, 69 (12), S. 1090–1097.
Mit Sylvia H. Oswald; Katharina Heil: History of maltreatment and mental health problems in foster children: A review of the literature. In: Journal of pediatric psychology, 2010, 35 (5), S. 462–472.
Mit Melissa A. Alderfer; Barbara H: Fiese; Jeffrey I. Gold; J. J. Cutuli; Grayson N. Holmbeck; Christine T. Chambers; Mona Abad; Dante Spetter; Joän Patterson: Evidence-based assessment in pediatric psychology: Family measures. In: Journal of pediatric psychology, 2008, 33 (9), S. 1046–1061.
Mit Tim G. Schmitz; Tanja Besier; Peter Herschbach; Gerhard Henrich: Life satisfaction decreases during adolescence. In: Quality of Life Research, 2007, 16 (6), S. 969–979.
Mit Christine Babka: Development and evaluation of a multi-family psychoeducational program for cystic fibrosis. In: Patient Education and Counseling, 2001, 44 (2), S. 187–192.
Mit Tim G. Schmitz; C. Buck: Lebensqualität von Jugendlichen und Erwachsenen mit Mukoviszidose. In: Monatsschrift Kinderheilkunde, 1999, 147 (9), S. 823–829.
Weblinks
Lutz Goldbeck auf Google Scholar, abgerufen am 5. Juli 2026.
Lutz Goldbeck auf Science Direct, abgerufen am 5. Juli 2026.
Lutz Goldbeck auf research.com, abgerufen am 5. Juli 2026.
Einzelnachweise
↑Lutz Goldbeck auf Südwest Presse, abgerufen am 4. Juli 2026.
↑Joerg Fegert, Benedetto Vitiello, Janice Abbott:Obituary for Lutz Goldbeck. In: Child and Adolescent Psychiatry and Mental Health. Band12, Nr.1, 3.Januar 2018, ISSN1753-2000, S.2, doi:10.1186/s13034-017-0199-7 (englisch).