Lutz Goldbeck

Lutz Goldbeck (* 25. November 1958 in Bad Oldesloe; † 30. Oktober 2017 in Ulm) war ein deutscher Klinischer Psychologe, Psychotherapeut und Professor an der Universität Ulm.

Leben

Er studierte Psychologie an der Universität Hamburg und schloss hier 1984 als Dipl.-Psych. ab. Seit 1988 spezialisierte er sich auf Klinische Psychologie und promovierte 1993 am Philosophischen Institut der Freien Universität Berlin. Er war seit 1990 auch approbierter Psychotherapeut für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. 2004 habilitierte er sich im Fachbereich Lebensqualität chronisch kranker Kinder und Jugendlicher und erhielt die Venia legendi für Kinder- und Jugendpsychotherapie und Psychosomatik an der Medizinischen Fakultät der Universität Ulm. 2007 absolvierte er eine Fortbildung in traumafokussierter kognitiver Verhaltenstherapie für Kinder und Jugendliche am Center for the Treatment and Research of Traumatic Stress, Allegheny General Hospital, in Pittsburgh.

Seine Berufstätigkeit begann in der Klinik für Kinder- und Jugendneurologie und -psychiatrie des Universitätsklinikums Berlin; danach wechselte er an die Universität Ulm, wo er zehn Jahre lang als Kinderpsychologe in der Kinder- und Jugendpsychiatrie tätig war. Im Jahr 2001 trat er der neu gegründeten Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Universität Ulm als deren erster leitender klinischer Psychologe bei; er baute auch eine Kinder- und Jugendpsychiatrische Institutsambulanz auf. Seit 2009 leitete er die Sektion für Psychotherapieforschung und Verhaltensmedizin sowie das Zentrum für Ausbildung und Kinder- und Jugendverhaltenstherapie an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie der Universität Ulm; 2014 wurde er hier zum ordentlichen Professor für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie berufen.

Seit 2012 war er Sachverständiger für die schriftlichen Staatsprüfungen für Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten am im Mainzer Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen.

Werk

Seine Arbeitsschwerpunkte waren psychosoziale Aspekte chronischer körperlicher Erkrankung, psychosoziale Interventionsstudien, sozialpsychiatrische Versorgungsforschung, interdisziplinäre Versorgung von Risikokindern, Trauer, Verlust und psychische Gesundheit, Migration und Trauma sowie Palliativmedizin. Darüber hinaus befasste er sich mit Psychotherapietechniken und ihren -anwendungen, der psychosozialen und emotionalen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sowie mit Reproduktionsbiologie und Fruchtbarkeit. Zu seiner Arbeit gehörte auch die Evaluation von psychiatrischen Versorgungsangeboten sowie von Interventionen für Kinder und Jugendliche mit posttraumatischer Belastungsstörung. Für die Anwendung webbasierter Technologien zur Durchführung therapeutischer Interventionen im klinischen Alltag gründete er die Ulmer Online-Klinik und leitete mehrere Projekte und klinische Studien zur Online-Psychotherapie.

Ein weiteres seiner Forschungsgebiete betraf im Rahmen der The International Depression Epidemiological Study (TIDES) die Themen Depressionen und Angststörungen bei Mukoviszidose. Die Ergebnisse dieser Studien führten zur Gründung des Internationalen Komitees für Psychische Gesundheit. Er war als Mitglied des International Mental Health Guidelines Committee Mitautor der Leitlinien zur psychischen Gesundheit bei Mukoviszidose. Um die Umsetzung dieser Leitlinien zu gewährleisten und ihre Wirksamkeit europaweit zu evaluieren, gründete die Europäische Mukoviszidose-Gesellschaft 2016 die Arbeitsgruppe für psychische Gesundheit.

Ehrungen/Positionen

Privates

Er war verheiratet mit Heidi Goldbeck und Vater von drei Kindern. In seiner Freizeit verbrachte er gerne Urlaube und Segeltörns in Skandinavien. Er verstarb unerwartet mit 58 Jahren an einem Herzinfarkt während einer Vorstandssitzung der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatherapie.

Publikationen (Auswahl)

Monografien
Herausgeberschaften
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge

Einzelnachweise

  1. ↑ Lutz Goldbeck auf Südwest Presse, abgerufen am 4. Juli 2026.
  2. ↑ Joerg Fegert, Benedetto Vitiello, Janice Abbott: Obituary for Lutz Goldbeck. In: Child and Adolescent Psychiatry and Mental Health. Band 12, Nr. 1, 3. Januar 2018, ISSN 1753-2000, S. 2, doi:10.1186/s13034-017-0199-7 (englisch).
  3. ↑ LUTZ GOLDBECK – EIP. Abgerufen am 3. Oktober 2026 (englisch).
  4. ↑ A. Kevin Webb, Mandy Bryon: The International Depression Epidemiological Study (TIDES): unfinished business? In: Thorax. Band 69, Nr. 12, Dezember 2014, ISSN 1468-3296, S. 1067–1068, doi:10.1136/thoraxjnl-2014-206200, PMID 25389138 (englisch, Online [abgerufen am 3. Oktober 2026]).
  5. ↑ Lutz Goldbeck | European Cystic Fibrosis Society (ECFS). Abgerufen am 3. Oktober 2026 (englisch).
  6. ↑ Traueranzeige Lutz Goldbeck „Lumika“ auf Flensburger Tageblatt vom 26. Januar 2019, abgerufen am 4. Juli 2026.
Personendaten
NAME Goldbeck, Lutz
KURZBESCHREIBUNG deutscher Klinischer Psychologe und Hochschullehrer
GEBURTSDATUM 25. November 1958
GEBURTSORT Bad Oldesloe
STERBEDATUM 30. Oktober 2017
STERBEORT Ulm