Lüül

Lüül (2016)

Lüül, bürgerlich Lutz Graf-Ulbrich, früher Ulbrich (* 30. November 1952 in Berlin-Charlottenburg), ist ein deutscher Gitarrist, Sänger, Texter und Komponist.

Leben

Mitte der 1960er Jahre gründete Ulbrich gemeinsam mit Christopher Franke, Michael Günther und Lutz Ludwig Kramer die Band The Agitation, die sich später in Agitation Free umbenannte und, mit mehreren Besetzungswechseln, bis 1974 bestand. Durch regelmäßige Auftritte im Zodiak-Club von Thomas Kessler, der für ihn eine Art Mentor wurde, entstanden weitreichende Kontakte über die Szene von West-Berlin hinaus. Das Beat Studio, von Agitation Free mit initiiert, wurde der Ursprung der „Berliner Schule der Elektronischen Musik“. Touren führten durch Europa und bis nach Ägypten. Agitation Free traten im kulturellen Beiprogramm der Olympischen Sommerspiele 1972 in München auf.

Nach der Auflösung von Agitation Free lebte er eine Zeitlang in Frankreich und begleitete als Tour-Gitarrist Manuel Göttsching in der Band Ash Ra Tempel. Auf einer Frankreich-Tour lernte er die Sängerin Nico kennen, die für einige Jahre seine Lebensgefährtin wurde. Durch Nico kam er in Kontakt mit dem französischen Film-Avantgardisten Philipe Garrel, zu dessen Film Le berceau de cristal Ulbrich mit Göttsching die Musik beisteuerte. In dieser Zeit trat er als Tour-Musiker von Nico auf und begleitete sie in Europa, USA und Kanada. Auch mit Ash Ra Tempel, inzwischen mit Schlagzeuger Harald Großkopf zu Ashra geworden, ging er auf Tourneen in Europa und spielte diverse Alben ein.

Bereits seit seiner Jugend schrieb er eigene Songs und spielte diese Anfang der 1980er Jahre im Studio ein. Mit seinem Song Morgens in der U-Bahn von seinem Debütalbum Lüül, an dessen Produktion Christoph Franke und Harald Grosskopf beteiligt waren, konnte er 1982 einen Achtungserfolg erringen. Als Musiker gründete Lüül zu dieser Zeit auch das Rocktheater Reineke Fuchs mit und komponierte für andere Theaterproduktionen. Weitere Solo-Alben erschienen. 1995 wirkte er beim Dokumentarfilm Nico-Icon von Susanne Ofteringer mit.

Von 1995 bis Ende 2022 war er Mitglied der 17 Hippies, bei denen er Banjo und Gitarre spielte und mit denen er die Filmmusik für Andreas Dresens Film Halbe Treppe und zahlreiche Alben einspielte. Mit ihnen spielte er weltweit über 2000 Konzerte in 25 Ländern. 2022 engagierte er sich für die Partei dieBasis und trat bei Coronaverharmlosern auf.

2006 erschien seine Autobiografie Lüül – ein Musikerleben zwischen Agitation Free, Ash Ra Tempel, der Neuen Deutschen Welle und den 17 Hippies. 2016 erschien sein Buch Nico – im Schatten der Mondgöttin, auch in englischer Übersetzung. Lutz Ulbrich wurde auch die Ehre zuteil, im Tokyo Tower Wax Museum ausgestellt zu sein. Eine Japan-Tournee mit Agitation Free 2007 wurde zum Comeback für weitere Konzerte. Gelegentlich ist er Gastmusiker bei den Elektronikern Fanger/Schönwälder, mit denen er einige Alben einspielte. 2023 gründete er die Bigband Der Wilde Ballon. Seit 2026 ist er Teil von ELF - Eisbrenner, Lüül, Fischer Rodrian.

Diskografie

Solo und als Lüül & Band

Mit Agitation Free

Mit den 17 Hippies

Mit Ash Ra Tempel/Ashra

Mit Fanger & Schönwälder feat. Lutz Graf-Ulbrich

Auszeichnungen

Literatur

Commons: Lüül – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Robert Klages: Weil sie unter „2G“-Regeln auftraten: Musiker Lüül pausiert bei den „17 Hippies“. In: Tagesspiegel. 27. Juni 2022, abgerufen am 15. Juni 2024.
Personendaten
NAME Lüül
ALTERNATIVNAMEN Graf-Ulbrich, Lutz (wirklicher Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Gitarrist, Sänger, Texter und Komponist
GEBURTSDATUM 30. November 1952
GEBURTSORT Berlin-Charlottenburg