
MBaer Merchant Bank AG war eine in Zürich domizilierte schweizerische Merchant Bank. Sie wurde 2018 durch Michael „Mike“ Bär, einen Urenkel des Bankgründers Julius Bär, zusammen mit Partnern gegründet und richtete sich an Unternehmer, deren Familien und deren Unternehmen.
Im Februar 2026 ordnete die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) die Liquidation der Bank an, nachdem sie in einem Enforcementverfahren schwere, systematische Mängel bei der Geldwäschereibekämpfung, in der Verwaltungsorganisation und im Risikomanagement festgestellt hatte. Die FINMA kam zum Schluss, dass die Bewilligungsvoraussetzungen der Gewähr für einwandfreie Geschäftstätigkeit und der angemessenen Verwaltungsorganisation nicht mehr erfüllt waren. Am 26. Februar 2026 hatte zudem das Financial Crimes Enforcement Network (FinCEN) des US-amerikanischen Finanzministeriums die Bank gestützt auf Section 311 des USA PATRIOT Act als „primäres Geldwäscherei-Risiko“ eingestuft.
Die Gesellschaft wurde am 19. Juli 2018 unter der UID CHE-404.436.605 in das Handelsregister des Kantons Zürich eingetragen; ursprünglich firmierte sie unter dem Namen Mibursus AG. Im Dezember 2018 nahm sie nach Erteilung der Bankbewilligung durch die FINMA unter der Firma MBaer Merchant Bank AG ihren operativen Betrieb auf. Sitz war an der Alfred-Escher-Strasse 50 in Zürich; das Aktienkapital betrug 42,1 Millionen Franken, Revisionsstelle war die BDO AG.
Geschäftsmodell waren das Merchant Banking, die Vermögensverwaltung sowie Family-Office-Dienstleistungen für Unternehmer und deren Familien.
Per Ende 2025 verwaltete die Bank gemäss Angaben der FINMA Kundenvermögen von rund 4,9 Milliarden Schweizer Franken, unterhielt knapp 700 Kundenbeziehungen und beschäftigte über 60 Mitarbeitende.
Im September 2024 eröffnete die FINMA ein Enforcementverfahren gegen die Bank und setzte eine Untersuchungsbeauftragte ein. Anlass waren Abklärungen bei Kundengruppen mit Bezug zu Russland-Sanktionen sowie in Verbindung mit Strafverfahren.
Die FINMA stellte im Verfahren fest, dass 80 Prozent der Geschäftsbeziehungen erhöhte Risiken aufwiesen und zuletzt 98 Prozent der entgegengenommenen Vermögenswerte von Hochrisikokunden stammten. Die Bank habe Empfehlungen ihrer Compliance-Abteilung mehrfach ohne nachvollziehbare Begründung übersteuert, die Hintergründe von Geschäftsbeziehungen und Transaktionen systematisch nicht hinreichend abgeklärt und ihre Meldepflicht nach dem Geldwäschereigesetz (GwG) teilweise gar nicht oder verspätet erfüllt. In mehreren Fällen habe sie Transaktionen für Kunden ausgeführt, die auf Sanktionslisten aufgeführt oder deren Vermögenswerte durch inländische Strafbehörden gesperrt waren; zudem bestünden konkrete Anhaltspunkte dafür, dass die Bank Kunden aktiv beim Umgehen behördlicher Vermögenssperren unterstützt habe.
Anfang Februar 2026 entzog die FINMA der Bank die Bewilligung und ordnete die Liquidation an. Eine dagegen gerichtete Beschwerde der Bank vor dem Bundesverwaltungsgericht hatte zunächst aufschiebende Wirkung. Am 27. Februar 2026 zog die Bank die Beschwerde zurück, womit die Liquidationsanordnung rechtskräftig wurde. Als Liquidatoren setzte die FINMA Daniel Staehelin und Lukas Bopp von der Anwaltskanzlei Kellerhals Carrard ein.
Am 26. Februar 2026 stufte das FinCEN die MBaer Merchant Bank gestützt auf Section 311 des USA PATRIOT Act als Finanzinstitut von primärem Geldwäscherei-Risiko ein und schlug Massnahmen zum Ausschluss vom US-amerikanischen Finanzsystem vor. Es war das erste Mal, dass eine Schweizer Bank auf dieser Liste erschien. Den US-Behörden zufolge wickelte die Bank seit ihrer Gründung Transaktionen für sanktionierte Personen aus Russland und Iran sowie für Strukturen im Umfeld des venezolanischen Staatsölkonzerns Petróleos de Venezuela (PDVSA) ab.
Die US-Behörden gaben an, dass 60 Millionen US-Dollar über die Mbaer gewaschen wurden. Sie kamen den Revolutionsgarden und der Quds-Einheit zugute. Auch wurde erwähnt, dass über MBaer Geld der iranischen Schattenflotte transferiert wurde.
Bei der Gründung 2018 amtete Søren Mose (zuvor Saxo Bank) als Präsident des Verwaltungsrats; weitere Gründungsmitglieder waren Marcel Aellen und Rajesh Bothra. Marcel Aellen rückte bereits im Dezember 2018 zum Vizepräsidenten auf und übernahm im September 2020 das Präsidium.
Im Dezember 2025 schied Aellen aus dem Verwaltungsrat aus (SHAB Nr. 233 vom 2. Dezember 2025). Mit Wirkung ab Januar 2026 wurde Philippe Monti (zuvor Vizepräsident) zum Präsidenten und Michèle Hess zur Vizepräsidentin gewählt (SHAB Nr. 16 vom 26. Januar 2026). Weiteres Mitglied des Verwaltungsrats war Thomas Frick, der zuvor langjährig für die Sberbank (Switzerland) tätig gewesen war; ebenfalls im Verwaltungsrat eingetragen war Fabian Markus Tschan.
Nach dem rechtskräftigen Bewilligungsentzug schieden die verbleibenden Verwaltungsräte gestaffelt aus dem Handelsregister aus: Michèle Hess am 15. April 2026 (SHAB Nr. 71), Fabian Tschan am 17. April 2026 (SHAB Nr. 73) und Philippe Monti am 21. April 2026 (SHAB Nr. 75).
Bei der Gründung amtete der Bankgründer Michael Bär als Chief Executive Officer (CEO); Mitgründer und Leiter des Wealth Managements war Paul-Michel von Merey, Gründungs-Chief Financial Officer Melanie Chopard. Chopard hatte zuvor zwei Jahre in der Projektgesellschaft Madala AG den Aufbau des Finanzressorts verantwortet.
Im Januar 2024 trat Annett Viehweg als Chief Risk Officer in die Bank ein; sie war zuvor unter anderem Chefin der Moskauer Niederlassung der Deutschen Bank gewesen und hatte ab 2017 die Sberbank (Switzerland) AG als CEO geleitet, bis diese im Gefolge des Ukraine-Kriegs ihre Geschäftstätigkeit in der Schweiz einstellen musste. Per 1. Januar 2025 übernahm Viehweg von Michael Bär das Amt der CEO. Bär selbst konzentrierte sich fortan auf das Merchant Banking und die Kundenbeziehungen. Im Rahmen derselben Reorganisation wurden Hendrik Weber-Grellet zum Chief Risk Officer (zusätzlich mit Aufsicht über die Compliance) und Irina Buholzer-Hinova zur Chief Operating Officer bestätigt. Paul von Merey und Frank Grundler schieden im weiteren Verlauf aus der Bank aus.
Mehrere Funktionen in der Geschäftsleitung waren mit Personen besetzt, die zuvor bei der Sberbank (Switzerland) AG tätig gewesen waren. CEO Annett Viehweg hatte die Sberbank (Switzerland) AG bis zu deren Rückzug aus dem Schweizer Markt als CEO geleitet; Chief Risk Officer Hendrik Weber-Grellet war dort als Head Credit für den Aufbau des Kreditportfolios und des Risikomanagement-Rahmenwerks zuständig gewesen, bevor er über die TradeXBank zur MBaer wechselte. Die Neue Zürcher Zeitung berichtete in der Folge, insgesamt seien mindestens sechs ehemalige Sberbank-Manager zur MBaer gewechselt.
Mit Inkrafttreten der Liquidation am 27. Februar 2026 setzte die FINMA Daniel Staehelin und Lukas Bopp (beide Kellerhals Carrard, Basel) als Liquidatoren ein.
In ihrer Verfügung kam die FINMA zum Schluss, der Fall wiege ausserordentlich schwer; die Bewilligungsvoraussetzungen der Gewähr für einwandfreie Geschäftstätigkeit und der angemessenen Verwaltungsorganisation seien nicht mehr erfüllt. Die systematischen Mängel seien unter den gegebenen Umständen aus Sicht der FINMA „nicht korrigierbar“ gewesen.
Parallel zum Verfahren gegen die Bank eröffnete die FINMA in vier Fällen Verfahren gegen natürliche Personen, die im Zusammenhang mit den untersuchten Sachverhalten möglicherweise für Verstösse gegen das Aufsichtsrecht verantwortlich seien. Die Namen dieser Personen wurden von der FINMA nicht öffentlich gemacht.
Am 2. April 2026 bestätigte Bundesanwalt Stefan Blättler, dass sich auch die Bundesanwaltschaft mit dem Fall MBaer befasse: „Der Fall liegt bei uns.“ Zu diesem Zeitpunkt war ein formelles Strafverfahren noch nicht eröffnet; die Bundesanwaltschaft führte vorerst eine Voruntersuchung durch. Die internationale Dimension des Falls mit Kundenbeziehungen in Russland, Venezuela und Iran begründet die Zuständigkeit der Bundesanwaltschaft für eine allfällige Strafverfolgung.