MCMC-Verfahren

Markow-Chain-Monte-Carlo-Verfahren (kurz MCMC-Verfahren; seltener auch Markow-Ketten-Monte-Carlo-Verfahren) sind eine Klasse von Algorithmen, die zufällige Stichproben aus Wahrscheinlichkeitsverteilungen ziehen. Dies geschieht auf der Basis der Konstruktion einer Markow-Kette, welche die erwünschte Verteilung als ihre stationäre Verteilung aufweist. Der Zustand der Kette nach einer großen Zahl von Schritten wird dann als Stichprobe der erwünschten Verteilung benutzt. Die Qualität der Stichprobe steigt mit zunehmender Zahl der Schritte.

Die Animation zeigt approximierte Bayessche Inferenz mit dem Metropolis-Hastings-Algorithmus. Aus 100 Beobachtungen einer Variable werden Informationen über die Verteilung der latenten Variable gewonnen. Die Likelihood , sowie die Proposal Verteilung für neue Stichproben als nächstes Kettenglied ist als Normalverteilung gegeben. Angenommen wird ein gleichverteilter Prior . Mit jedem akzeptierten Kettenglied nähert sich der approximierte Posterior der wahren Verteilung von an.
Konvergenz des Metropolis-Hastings-Algorithmus; die blaue Verteilung soll durch die orange approximiert werden.

Üblicherweise gelingt es leicht, eine Markow-Kette mit den erwünschten Eigenschaften zu konstruieren. Das Schwierigere ist, zu ermitteln, wie viele Schritte nötig sind, um Konvergenz zur stationären Verteilung mit akzeptablem Fehler zu erreichen, also den Algorithmus so zu gestalten, dass möglichst effektiv unabhängige Systemzustände generiert werden. Eine gute Kette mit einer gut gewählten Anfangsverteilung wird schnell konvergieren, d. h., die stationäre Verteilung wird schnell erreicht. Bei typischer Anwendung von MCMC-Verfahren kann die Zielverteilung nur näherungsweise erreicht werden, da es immer einen gewissen Resteffekt der Anfangsverteilung gibt. Stichproben, welche mit MCMC-Algorithmen generiert werden, weisen typischerweise hohe Autokorrelationen auf. Daher wird der Fehler des Mittelwerteschätzers bei Verwendung des Standardfehlers unterschätzt.

Anwendungsgebiete

Häufige Anwendungen dieser Algorithmen finden sich bei der numerischen Berechnung mehrdimensionaler Integrale. Diese finden sich z. B.

Beispiel

Angenommen, wir können eine diskrete Gleichverteilung auf simulieren. Dies entspricht dem Wurf einer fairen Münze mit , wobei „1=Kopf“ und „0=Zahl“ sein soll. Nun wollen wir aber eine Verteilung auf simulieren mit und . Dazu definieren wir eine Markow-Kette, bei der alle Übergangswahrscheinlichkeiten simuliert werden können (sprich 0,5, 0 oder 1 sind) und die die Verteilung als stationäre Verteilung hat. Folgendes Vorgehen bildet eine Markow-Kette, welche die Voraussetzungen erfüllt: Befindet man sich im Zustand 1, gehe nach 2. Befindet man sich im Zustand 2, wirf eine Münze. Zeigt sie Kopf, gehe zu 3, ansonsten verharre in der 2. Befindet man sich im Zustand 3, wirf eine Münze. Zeigt sie Kopf, gehe zu 1, ansonsten verharre in der 3. Diese Markow-Kette wird durch die folgende Übergangsmatrix beschrieben:

.

Da alle Einträge der Matrix positiv sind ab , ist die Markow-Kette irreduzibel und aperiodisch. Daher konvergiert die Markow-Kette für jede beliebige Startverteilung gegen die stationäre Verteilung

Für die Simulation starten wir nun im Zustand 1. In der Tabelle findet sich jeweils der Simulationsschritt in der ersten Spalte, dann die exakte Aufenthaltswahrscheinlichkeit für den Zustand 1 in der 2. Spalte:

Diese konvergiert nach Voraussetzung gegen 0,2. In der letzten Spalte steht die relative Häufigkeit des Zustandes 1, gemittelt über eintausend Simulationen. Diese nähert sich nach mehreren Simulationsschritten der stationären Verteilung an. Lässt man also die Simulation lange laufen, so ist die so erhaltene Stichprobe verteilt.

Schritte Relative Häufigkeit der 1
in Tausend Simulationen
011
100
200
30,250,228
40,250,271
50,18750,173
60,18750,176
70,20310,236
80,20310,180
90,19920,202
100,19920,171
110,20020,205
120,20020,198
130,20000,190
140,20000,206

Normiert man die Summe der Einträge des linksseitigen Eigenvektors von zum Eigenwert 1, so erhält man die Wahrscheinlichkeiten der Zustände der stationären Wahrscheinlichkeitsverteilung der Markow-Kette: hier 0,2, 0,4, 0,4.

Algorithmen (Auswahl)

Beispiele für MCMC-Verfahren sind:

Siehe auch

Literatur

Fachliteratur (Originalarbeiten)

Fachbücher

Einzelnachweise

  1. ↑ Sudipto Banerjee, Bradley P. Carlin, Alan E. Gelfand: Hierarchical Modeling and Analysis for Spatial Data. Chapman and Hall/CRC, 2014, ISBN 978-0-429-13717-4, doi:10.1201/b17115 (englisch, taylorfrancis.com [abgerufen am 4. Juli 2023]).
  2. ↑ Ankur Gupta, James B. Rawlings: Comparison of parameter estimation methods in stochastic chemical kinetic models: Examples in systems biology. In: AIChE Journal. Band 60, Nr. 4, April 2014, S. 1253–1268, doi:10.1002/aic.14409, PMID 27429455 (englisch).