MS Wissenschaft mit der Ausstellung „Digital unterwegs“ im Jahr 2014 (hier in Bremen) | ||||||||||||||||
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Die MS Wissenschaft ist ein Binnenschiff, das außer als Gütermotorschiff seit Anfang der 2000er-Jahre regelmäßig auch als Ausstellungs- und Wissenschaftsschiff genutzt und unter diesem Namen für Wanderausstellungen im Rahmen der Wissenschaftsjahre eingesetzt wird. Dabei fährt das Schiff für mehrere Monate im Jahr durch Deutschland und mittlerweile auch Österreich und zeigt in zahlreichen Städten als „schwimmendes Science Center“ passend zum jeweiligen Wissenschaftsjahr wechselnde Ausstellungen mit Exponaten, die Verständnis für Wissenschaft und Forschung schaffen sollen. In der übrigen Zeit fährt das Schiff als „normales“ Gütermotorschiff mit dem Namen Charon und zeitweise auch als Ausstellungsschiff mit kommerziellen Ausstellungen.
Das Schiff wurde 1969 auf der damaligen Elfring-Werft in Haren (Ems) als Johann-Welker-Schiff gebaut und zunächst für kurze Zeit von der werfteigenen Elka-Reederei als Vera betrieben. Nach einem Verkauf in die Niederlande war das Schiff als Van Uden 24 unterwegs, seit 1987 fährt es als Jenny. Das Schiff war ursprünglich 85 Meter lang und wurde 1989 auf 105 Meter verlängert. 2012 wurde es auf 100 Meter verkürzt. Angetrieben wird es von einem Sechszylinder-MWM-Motor mit einer Leistung von 809 kW. Weiterhin verfügt das Schiff über ein Bugstrahlruder. Das Steuerhaus ist in der Höhe verstellbar.
Seit April 2016 wird das Schiff trotz höheren Preises mit dem synthetischen Gas-to-Liquid-Kraftstoff (GtL) anstatt dem in der Binnenschifffahrt üblichen Dieselkraftstoff nach DIN EN 590 betrieben, um eine Reduzierung der Luftschadstoffe zu erreichen.
Der Laderaum des Schiffes, der für Ausstellungs- und Veranstaltungszwecke genutzt werden kann, ist rund 75 Meter lang und 7,8 Meter breit sowie überdacht innen bis zu 3,8 bzw. 4,0 Meter hoch, wobei die Überdachung mit Lukendeckeln individuell erfolgen kann. Von der Gesamtfläche von knapp 600 Quadratmeter sind rund 530 Quadratmeter für Ausstellungen und Veranstaltungen verfügbar. Die übrige Fläche wird für die Treppe in den Laderaum, eine Toilettenanlage und ein Café im hinteren Bereich sowie einen Notausgang im vorderen Bereich des Laderaums benötigt. Als zusätzlich nutzbarer Bereich steht ein Teil der Fläche auf den Lukendeckeln mit einer Belastbarkeit von 500 Kilogramm pro Quadratmeter zur Verfügung; die nutzbare Fläche beträgt rund 355 Quadratmeter.
2018 wurde auf dem Schiff das „Leit- und Assistenzsysteme zur Erhöhung der Sicherheit der Schifffahrt auf Inlandwasserstraßen“ (LAESSI) erprobt. Das System umfasst eine Brückenanfahrwarnung zur Vermeidung von Kollisionen von Steuerhaus oder Masten mit Brücken, einen Anlegeassistenten, der beispielsweise Abstände zu Kaimauern oder anderen Schiffen anzeigt, einen Bahnführungsassistenten zur Entlastung des Schiffsführers bei der Streckenfahrt und eine Conning-Anzeige, die beispielsweise die Bewegung des Schiffes, die Ruderlage und die Motorendrehzahl anzeigt.
Eigner des Schiffes war bis 2025 das Binnenschiffer-Ehepaar Albrecht und Karin Scheubner. Das Schiff wurde bis 2011 außerhalb der Zeit, in der es als Wissenschafts- bzw. Ausstellungsschiff unterwegs war, als Partikulierschiff von der in Würzburg ansässigen MSG eG befrachtet. Neuer Eigner ist seit 2025 die Heyen MS Charon OHG (Michael Heyen und sein Vater Eilert Heyen).
Der Einsatz des Binnenschiffs als Wissenschaftsschiff geht auf eine Idee der Universität Bremen zurück, die das Schiff 2002 als „Geoschiff“ mit der Ausstellung „Abenteuer Meeresforschung“ auf Reisen schickte. Da die Ausstellung auf dem Binnenschiff bei den Besuchern gut ankam, übernahm die Initiative Wissenschaft im Dialog (WiD) der deutschen Wissenschaft das Konzept und realisiert seit 2003 jährlich eine Ausstellung auf dem Schiff im Rahmen des jeweiligen Wissenschaftsjahres. In den ersten Jahren wurde das Schiff dabei jeweils nach dem Thema des Wissenschaftsjahres benannt, seit 2006 unternimmt das Schiff die Ausstellungsreisen unter dem Namen „MS Wissenschaft“.
Die MS Wissenschaft besucht bei ihren Touren jeweils zahlreiche Städte in ganz Deutschland, die von ihr im Binnenschifffahrtsbereich und insbesondere auf Binnenwasserstraßen erreichbar sind. Als erste ausländische Stadt stand 2005 die über den Rhein erreichbare Binnenhafenstadt Basel in der Schweiz auf dem Tourplan. Seit 2010 werden jeweils auch einige an der Donau liegende Städte im Nachbarland Österreich besucht sowie 2026 mit Stettin eine Stadt in Polen.
Bis zum Jahr 2011 war die MS Wissenschaft ein Projekt der in der Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH (gGmbH) tätigen Initiative Wissenschaft im Dialog. Finanziert wurde das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie in einigen Jahren von unterschiedlichen Stiftungen. Seit 2012 ist das BMBF Veranstalter der MS Wissenschaft, während die Wissenschaft im Dialog gGmbH seitdem das Ausstellungsschiff als Generalunternehmer realisiert. Der Großteil der Exponate wird jeweils von wissenschaftlichen Instituten und Einrichtungen beigesteuert.
Für den Einsatz als MS Wissenschaft wird das Binnenschiff jedes Jahr umgebaut. Der Laderaum wird dabei zu einem Ausstellungsraum, der über eine vor dem Steuerhaus angebrachte Treppe erreicht werden kann. Im zum Ausstellungsraum umfunktionierten Laderaum befindet sich neben der Ausstellung ein Empfangsbereich sowie ein kleines Café.
Im Jahr 2010 wurde die Jenny als Ausstellungsschiff im Rahmen der Initiative Deutschland – Land der Ideen zum „Ausgewählten Ort 2010“ gekürt.