
Margaret J. Hambling (* 23. Oktober 1945 in Sudbury) ist eine britische Künstlerin. Obwohl sie in erster Linie Malerin ist, erlangte sie vor allem durch ihre Skulpturen Bekanntheit. Ihre drei bekanntesten öffentlichen Werke sind ein Denkmal für Oscar Wilde im Zentrum von London (1998), eine Skulptur in Form einer Jakobsmuschel am Strand von Aldeburgh, die Benjamin Britten gewidmet ist (2003) sowie eine Statue für Mary Wollstonecraft (2020). Alle drei Werke wurden kontrovers diskutiert.
Maggi Hambling wurde als jüngstes von drei Kindern von Harry Hambling, einem Mitarbeiter der örtlichen Barclays Bank, und Marjorie Rose Harris geboren, die am 10. Mai 1933 geheiratet hatten.
Hambling wuchs in Hadleigh auf, einer kleinen Marktstadt, wo die Familie in einem mit Blauregen bedeckten georgianischen Haus lebte. Sie ging in die private Mädchenschule Amberfield School in Nacton. Ihre Kunstlehrerin erkannte ihr künstlerisches Talent früh. Ab 1960 studierte sie an der Kunstschule East Anglian School of Painting and Drawing bei Cedric Morris und Arthur Lett-Haines, beides angesehene Maler, die die 1920er Jahre in Paris verbrachten und mit Juan Gris, Fernand Léger und Marcel Duchamp bekannt waren. Diese Schule, an der bereits Lucian Freud unterrichtet wurde, befand sich am Rande von Hadleigh. Auch Kathleen Hales, die Schöpferin von Orlando (The Marmalade Cat), hatte ihr eigenes Zimmer im Haus. Es wurde von Cedric Morris und Arthur Lett-Haines geleitet, beides angesehene Maler, die die 1920er Jahre in Paris verbrachten und sich, genauer gesagt, mit Juan Gris, Fernand Léger und Marcel Duchamp vermischt hatten. Von 1962 bis 1964 studierte Hambling an der Ipswich School of Art bei Laurence Self und Colin Moss, von 1964 bis 1967 an der Camberwell School of Arts & Crafts, an der Hambling besonders von Robert Medley beeinflusst wurde und schließlich an der Slade School of Fine Art in London, wo sie 1969 ihren Abschluss machte. Hier liebäugelte Maggi Hambling auch mit Konzeptkunst und arbeitete zwei Jahre lang zusammen mit anderen an einem audiovisuellen Werk.
5 Jahre nachdem Maggi Hamblings Vater mit 60 Jahren in Rente ging, fing auch er an zu malen. Er brachte es auf sieben Einzelausstellungen seiner Arbeiten, stellte zweimal auf der Sommerausstellung der Royal Academy of Arts aus und zeigte seine Werke auch in einigen gemeinsamen Ausstellungen zusammen mit seiner Tochter Maggi.
Seit 1969 unterrichtet Maggi Hambling Malerei und Zeichnen am Morley College in London. Sie war außerdem am Wimbledon College of Arts tätig.
Seit 1983 steht Maggi Hambling in einer Liebesbeziehung zur Malerin Tory Lawrence, mit der sie seit 1984 in einem viktorianischen Haus in der Altstadt von Clapham mit Loft Studio wohnt und arbeitet. Ein weiteres Haus der beiden Künstlerinnen, ein Cottage auf dem Land, befindet sich in Saxmunham. 1994 hinterließ ihr Lady Gwatkin, die Maggi Hambling bewunderte und 1988 ein Gemälde von ihr kaufte, das Haus.
Anlässlich der Eröffnung der Francis-Bacon-Ausstellung in der Londoner Hayward Gallery am 4. Februar 1998 begegnete Maggi Hambling Henrietta Moraes, die in den 1950er und 1960er Jahren eine Muse für Künstler wie Lucian Freud und Francis Bacon war. Einige Tage später bat Moraes Hambling um 400 Pfund, um Rechnungen bezahlen zu können und Hambling schlug ihr vor, für sie Modell zu stehen. Im Mai 1998 begann Moraes jeden Montag für Hambling Modell zu stehen und bereits bei der zweiten Sitzung schrieb Maggi Hambling in ihr Skizzenbuch „I have become Henrietta's subject, rather than she mine“. Es entwickelte sich bis zum Tod von Henrietta Moraes Anfang 1999 eine kurze aber intensive Liebschaft. Als Henrietta Moraes starb, zeichnete Hambling sie an diesem Nachmittag in der Leichenhalle des Krankenhauses und einige Tage später erneut in ihrem Sarg.
Im Jahre 2006 schloss sich Maggi Hambling dem Widerstand gegen ein völliges Rauchverbot an öffentlichen Orten in Großbritannien an. Bei einer Pressekonferenz im Unterhaus versammelten sich prominente Raucherinnen und Raucher, um Vorschläge zum Rauchverbot in allen lizenzierten Räumlichkeiten zu kritisieren. Obwohl Maggi Hambling selbst erst mit 59 Jahren das Rauchen aufgab, unterstützte sie die Kampagne und setzte sich für die Wahlfreiheit ein. Im Jahre 2014 war Mary Hambling eine der mehr als 200 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich in einem offenen Brief an die Menschen in Schottland wandten und sie aufforderten, sich gegen die Unabhängigkeit auszusprechen.

Eines der berühmtesten Werke von Maggi Hambling ist die 2003 geschaffene Skulptur The Scallop, die am Strand von Aldeburgh steht und dort als Tribüne mit Blick auf die Wellen und als Unterschlupf fungiert. Die Skulptur in Form einer Jakobsmuschel wurde von Maggi Hambling zum Gedenken an Benjamin Britten angefertigt. Sie besteht aus einem Paar übergroßer, fast vier Meter hoher Jakobsmuschelschalen aus Stahl, die von einer örtlichen Gießerei von Sam und Dennis Pegg, einem Team aus Vater und Sohn, aus einem etwa 10 Zentimeter großen Modell der Künstlerin hergestellt und die anschließend am Strand von Aldeburgh installiert wurden. Der Rand der Hauptschale ist mit den Worten "I hear those voices that will not be drowned" durchbrochen, die Benjamin Brittens Oper Peter Grimes entnommen wurden. Benjamin Britten verbrachte den größten Teil seines Lebens in Aldeburgh. Die wilde Küste inspirierte ihn zu einigen seiner beliebtesten Werke, darunter die Oper Peter Grimes. Die Skulptur wurde am Samstag, 8. November, um 12 Uhr vom ehemaligen Kulturminister Chris Smith enthüllt. Die Kosten für die Herstellung des Kunstwerks, £75,000 wurden durch Hunderte privater Einlagen, einen kleinen Betrag aus Geldern des Arts Council und durch einen Sonderverkauf von 60 ihrer Gemälde zu je 250 £ aufgebracht. Das Kunstwerk führte bei einer Gruppe der örtlichen Gemeinde zu Beschwerden und einer Petition mit 1000 Unterschriften, die beklagt, dass das monströse Werk die Sicht versperre und ein Schandfleck sei.
“There is a large groundswell of opinion against the siting of the sculpture on a beautiful empty stretch of beach. We do not object to the sculpture, but it is in the wrong place and should not have been out there.”
Andere wiederum begrüßten die Skulptur, da sie eher die Sicht verbessere, eine passende Erinnerung an Britten darstellen würde und somit den Tourismus ankurbeln könnte.
“It is superbly sited and, whatever the weather or the state of the sea, it always blends in with the natural beauty of the scene.”
In den ersten drei Monaten des Jahres 2004 wurde die Skulptur zweimal zerstört, indem Farbe darüber gegossen wurde. In der Lokalzeitung wurde eine Umfrage durchgeführt, um zu entscheiden, ob die Skulptur verschoben werden sollte. Zwei Drittel der Befragten sprach sich für den Verbleib der Skulptur am bisherigen Platz aus. Kontroversen und Vandalismus gingen jedoch weiter. In den Folgejahren wurde das Werk regelmäßig mit Graffiti-Slogans wie „IT’S AN OLD TIN CAN“ oder „HAPPY NEW YEAR“ beschmiert.
Maggi Hambling beschreibt ihr Werk so:
“The juxtaposition of the sculpture to the sea is crucially important - the way the undulations of the shell echo the waves and the whole point is a conversation with the sea.”
“An important part of my concept is that at the centre of the sculpture, where the sound of the waves and the winds are focused, a visitor may sit and contemplate the mysterious power of the sea.”

Nicht weniger kontrovers diskutiert ist die 2020 geschaffene Skulptur Mary Wollstonecraft, eine feministische Philosophin des 18. Jahrhunderts. Die Skulptur ist aus versilberter Bronze gegossen und stellt eine nackte Frau dar, die mit Kraft aus der Verschmelzung anderer weiblicher Körper hervorgeht. Das Werk steht im Newington Green im Norden Londons, da Wollstonecraft hier ihre Wurzeln hatte und hier im Alter von 25 Jahren ein Mädcheninternat eröffnete. Die Figur der Statue entsteht aus organischer Materie und ist von Wollstonecrafts Anspruch inspiriert, „the first of a new genus“ zu sein. Auf dem Sockel der Skulptur ist ihr berühmtestes Zitat zu sehen: „I do not wish women to have power over men but over themselves“. Eine Petition mit 4000 Unterschriften befürwortete ein Denkmal für Wollstonecraft, welches durch ein 10 Jahre dauerndes Fundraising mit dem Ziel 143.000 £ zu erreichen, finanziert wurde. Auch dieses Werk wurde kontrovers diskutiert, da es Mary Wollstonecraft nackt darstelle und sie somit sexualisiere.
Hambling argumentierte dagegen:
“The point is that she has to be naked because clothes define people. We all know that clothes are limiting and she is everywoman. She’s everywoman and clothes would have restricted her. Statues in historic costume look like they belong to history because of their clothes. It’s crucial that she is ‘now’. The whole sculpture is called ‘for Mary Wollstonecraft’ and that’s crucially important. It’s not an idea ‘of’ Mary Wollstonecraft naked… the sculpture is for now.”
Maggi Hamblings Werk tendiert zu einer expressionistischen Malweise. Manche ihrer Porträts wurden noch während der Sitzungen fertiggestellt, manche erst zu einem späteren Zeitpunkt aus dem Gedächtnis vollendet.

Der Kunstkritiker John Berger schrieb über Maggi Hambling
“If there's one adjective to describe Maggi, it is courage. She is unflinching. She looks at people, sees their shortcomings and their pain, but she doesn't look away.”
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hambling, Maggi |
| ALTERNATIVNAMEN | Hambling, Margaret J. |
| KURZBESCHREIBUNG | britische Künstlerin |
| GEBURTSDATUM | 23. Oktober 1945 |
| GEBURTSORT | Sudbury |