Manfred Erjautz

Manfred Erjautz (* 2. März 1966 in Graz) ist ein österreichischer bildender Künstler.

Leben und Werk

Skulpturale Akupunktur (2017), an der Fassade des Akademischen Gymnasiums Graz
Beschreibung der Installation von Manfred Erjautz an der Fassade des „Akademischen“, Graz (2017)

Manfred Erjautz besuchte von 1980 bis 1985 die Fachschulklasse für plastische Formgebung bei Heribert Nothnagel an der Höheren technischen Bundeslehranstalt (Ortweinschule) in Graz. Danach studierte er von 1985 bis zur Erlangung des Bildhauerei-Diploms 1990 an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Bruno Gironcoli. Erjautz ist Mitglied der Wiener Secession und von Forum Stadtpark.

Manfred Erjautz lebt in Wien und kooperiert mit einem Galeristen (2020).

Die Arbeiten von Erjautz verhandeln die Erfahrungen des Individuums innerhalb sich ständig verflechtender und gegenseitig irritierender Bereiche wie Innen und Außen, Privat und Öffentlich, und unternehmen kompensatorische Versuche, eine Positionierung der eigenen Person in diesen Feldern zu etablieren und damit einer konstatierten Überforderung entgegenzustellen.

Durch das Verwischen und gleichzeitige Definieren räumlicher Grenzen, von Realem und Fiktivem thematisiert Manfred Erjautz die Transitorik gewohnter Situationen und Empfindungen und entlarvt diese als temporäre Übereinkünfte. Die Konfrontation mit den gleichermaßen lebensnahen wie -fernen Figuren führt auf eine Zwischenebene, welche die Kluft zwischen Privatem und Kollektivem erkennen lässt. Sein Universum gleicht simulierten Systemen – Mythologien und anderen Ersatzrealitäten –, welche die Mechanismen der Gesellschaft exemplarisch vor Augen führen.

Bekannte Werke

  • Brunnenskulptur Das Erforschen der Dauer/Searching into permanence, vulgo Schneemann (2005), aus weißem Marmor im Hof des Priesterseminars, Graz, Bürgergasse 2.
  • Skulpturale Akupunktur, Installation dreier ausrangierter Grazer Straßenleuchten (verschiedener Leuchtmittelgenerationen: Leuchtstoffröhre, …) an der Fassade des Akademischen Gymnasiums Graz, Tummelplatz, 2017 bis zumindest September 2020. Die Befestigung erfolgte mittels einer rund 2 cm dicken Stahlplatte und 7 M40-Schrauben auf der dafür vom Putz befreiten 60 cm dicken Wand hinter der Tafel eines Klassenzimmers.
  • Die (vulgo:) Jesus-Uhr entstand 2012–2016. Der Torso mitsamt Beinen einer hölzernen Kruzifixfigur aus dem 19. Jahrhundert drehen sich als Stundenzeiger, die Arme dahinter (!) als – kürzere – Minuten- und Sekundenzeiger. Das kontinuierlich laufende Uhrwerk in einer würfeligen Box mit etwa 55 cm Seitenlänge wird durch einen Elektromotor angetrieben und ist präzise nach der Zeitzone für Mitteleuropa gesteuert. Das Getriebe läuft im Ölbad, Ausgleichsmassen im Werk kompensieren das Gewicht der Zeiger. Die etwa 70 cm aus dem Werk vorstehende Achse des Stundenzeigers liegt koaxial im Innersten der anderen zwei Zeigerachsen und überträgt mit 30 mm Durchmesser die größten Dreh- und Biegemomente. Als die Uhr auf Einladung von Bischof Hermann Glettler 2019 in der Spitalskirche in Innsbruck gezeigt wurde, löste sie ob der zerschnittenen Christusfigur Kontroversen aus.

Anerkennungen

Ausstellungen

Commons: Manfred Erjautz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Wolfgang Hilger: Erjautz, Manfred. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 34, Saur, München u. a. 2002, ISBN 3-598-22774-4, S. 385.
  2. ↑ Erjautz Manfred. In: Eugen Gross (Hrsg.): Die Grazer Ortweinschule: Bau – Kunst – Design, 1876–2001. Manumedia Schnider, Graz 2001, ISBN 3-902020-12-1, S. 98.
  3. ↑ Text (Auszug) zur Ausstellung ME/WE, Manfred Erjautz, © Secession, Wien 2002.
  4. ↑ Auszug aus einem Text von Dr. Gisela Fischer, Albertina, Wien 2010
  5. ↑ Archivierte Kopie (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive) Verborgene Kostbarkeiten und Kuriositäten 1. Unterwegs mit Reinhard A. Sudy. Reisepanorama. 21. Dezember 2012, abgerufen am 2. Jänner 2016. – Mit Text der Wandtafel zur Skulptur.
  6. ↑ http://www.streetsofgraz.at/doc.ccc?d=2915&x=ABCDEFGH Moderne Kunst in strenger Hülle. Streets of Graz. Reportagen. Andrea Dunst, September 2008, abgerufen am 2. Jänner 2016. – Zur Geschichte der Renovierung des Priesterseminars und Autofrei-Machung des Hofs.
  7. ↑ Gespräch Johannes Muhr mit Manfred Erjautz, Forum Stadtpark, Graz, 23. August 2020.