Manfred Gerstenfeld

Manfred Gerstenfeld (geboren 27. Juli 1937 in Wien; gestorben 25. Februar 2021 in Jerusalem) war ein israelischer Publizist, Historiker und Forscher zu Holocaust und Antisemitismus sowie langjähriger Vorsitzender des Präsidiums des Jerusalem Center for Public Affairs.

Leben

Manfred Gerstenfeld war ein Sohn des österreichisch-niederländischen Sozialarbeiters Rafael Gerstenfeld und der Mina Weiss. Nach dem Anschluss Österreichs 1938 geriet sein Vater in Schutzhaft. Der Familie gelang im August 1938 die Flucht in die Niederlande, wo sie sich ab 1942 vor der deutschen Judenverfolgung verstecken musste. Gerstenfelds Großvater Moshe Gerstenfeld wurde 1941 in Kolomea Opfer des Holocaust.

Gerstenfeld studierte ab 1954 Chemie in Amsterdam und arbeitete nach der Promotion ab 1961 als Forschungsassistent für organische Chemie an der Universität Amsterdam. Er heiratete 1962 die 1937 in Essen geborene Übersetzerin Marianne Schwarz, die die Haft im Konzentrationslager Bergen-Belsen überlebt hatte. Sie hatten zwei Kinder. Gerstenfeld studierte 1964/65 Ökonomie an der Erasmus-Universität Rotterdam. Er verfügte über ein Diplom als Oberschullehrer für Judaistik des Nederlands Israëlietisch Seminarium. Er war nebenamtlich Religionslehrer an der International School Eerde und bei der Jüdischen Gemeinde Amsterdam. Von 1963 bis 1967 war er Vorstandsvorsitzender der World Union of Jewish Students.

Er arbeitete ab 1964 in Paris und zog 1968 mit der Familie nach Israel. Unter anderem war er im Vorstand der Israel Corporation, einer der größten israelischen Investmentfirmen. Er war Redakteur der Jewish Political Studies Review und Mitherausgeber der Schriftenreihe Post-Holocaust and Anti-Semitism.

Nach den Anschlägen in Norwegen 2011 verurteilte Gerstenfeld im Zuge der Debatte um die ideologischen Hintergründe von Anders Breivik den seiner Meinung nach grassierenden Antisemitismus in Norwegen. Die „herrschende Elite“ Norwegens habe große Teile der Bevölkerung falsch über Israel informiert und damit die Ausbreitung von Antisemitismus begünstigt. Laut dem Sender TV2 behauptete Gerstenfeld 2009, dass Norweger „ein barbarisches und unintellektuelles Volk“ seien.

In der Kontroverse um Günter Grass’ Gedicht Was gesagt werden muss bezeichnete Gerstenfeld Zeitungen, welche das Gedicht abdruckten (Süddeutsche Zeitung, El País, The Guardian und Politiken) als ebenso „Teilzeit-antisemitisch“ wie Grass selbst.

Auszeichnungen

Schriften (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Im Gedenken an Manfred Gerstenfeld - ein jüdisches Universalgenie. In: Audiatur-Online. 25. Februar 2021, abgerufen am 9. November 2025.
  2. ↑ Gerstenfeld, Rafael, in: Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. München: Saur, 1980, S. 220
    Isaac Lipschits: Rafael Gerstenfeld: 1900–1976; een man van goede daden. Zutphen: Walburg Pers, 2004
  3. ↑ Manfred Gerstenfeld: Norway and Anti-Semitism. Frontpagemag, 16. August 2011.
  4. ↑ Israelsk statsviter kritiserer Norges Israel-syn, TV2.
  5. ↑ - Nordmenn er et barbarisk og uintelligent folkeferd. In: Dagbladet. 1. März 2009.
  6. ↑ Part-time anti-Semites. Ynet News, 23. April 2012.
Personendaten
NAME Gerstenfeld, Manfred
KURZBESCHREIBUNG israelischer Publizist, Vorsitzender des Präsidiums des Jerusalem Center for Public Affairs
GEBURTSDATUM 27. Juli 1937
GEBURTSORT Wien
STERBEDATUM 25. Februar 2021
STERBEORT Jerusalem