Manuscripta Mediaevalia

Erste Seite der Handschrift C des Nibelungenlieds (um 1220–1250). Badische Landesbibliothek, Karlsruhe (Codex Donaueschingen 63).

Manuscripta Mediaevalia war ein Webportal und ermöglichte mit seiner Marburger Datenbank den ortsunabhängigen und kostenfreien Zugang zu den Ergebnissen der Katalogisierung und Digitalisierung mittelalterlicher Handschriften im deutschen Sprachraum. Die oftmals nicht mehr oder unvollständig überlieferten Bestände mittelalterlicher Bibliotheken wurden so virtuell greifbar.

Portal

Das „Handschriftenforum“ Manuscripta Mediaevalia bot unter einer einheitlichen Benutzeroberfläche den Zugang zu wissenschaftlichen Beschreibungen und digitalen Bildern mittelalterlicher Handschriften aus verschiedenen öffentlichen Bibliotheken in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Es machte zuletzt (Stand 2017) Digitalisate von und Beschreibungen zu mehr als 120.000 Handschriften hauptsächlich aus deutschen Bibliotheken verfügbar. Bestandsübersichten, sortiert nach Bibliotheken und deren Standorten, boten Orientierung über die Bestände mittelalterlicher Handschriften. Auf Basis der national standardisierten Weise der Katalogisierung war eine strukturierte Suche, etwa nach Autorennamen, Bibliotheksstandorten oder Textanfängen möglich. Die Navigation durch das Register der ikonographischen Themen bot einen übersichtlichen, hierarchisch strukturierten Zugang zu den Darstellungen in 2.500 illuminierten Handschriften.

Das Portal wurde von wissenschaftlichen Bibliotheken mit überregionaler Bedeutung sowie dem Bildarchiv Foto Marburg aufgebaut und gepflegt.

Zum 11. Dezember 2023 wurde Manuscripta Mediaevalia weitgehend abgeschaltet und funktional durch das Handschriftenportal abgelöst. Permalinks sollten weitergeleitet werden, allerdings waren Ende 2023 viele Bestände noch nicht migriert, so dass die Weiterleitung nicht möglich war. Stand 2025/26 betrifft dies Kataloge der Staatsbibliothek zu Berlin, der Universitätsbibliothek Frankfurt, der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, des Historischen Archivs der Stadt Köln, der Bayerischen Staatsbibliothek, der Stadtbibliothek Trier und der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel. Stand 2026 kann auf diese Kataloge noch nicht über das HSP, aber weiterhin via Manuscripta Mediaevalia zurückgegriffen werden.

Die Zahl der Handschriftenbeschreibungen auf Manuscripta Mediaevalia, die auf entsprechende Seiten des Handschriftenportals weiterleiten sollen, wird auf 120.000 geschätzt. Stand Juli 2026 sind geschätzt 17.400 dieser Weiterleitungen noch nicht eingerichtet.

Träger

Träger von Manuscripta Mediaevalia waren die Staatsbibliothek zu Berlin, das Bildarchiv Foto Marburg und die Bayerische Staatsbibliothek München. Die Entwicklung und der Ausbau von Manuscripta Mediaevalia wurden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt. Technischer Betreiber des Portals war das Bildarchiv Foto Marburg.

Einzelnachweise

  1. ↑ Handschriftenportal. In: handschriftenzentren.de, Juli 2017, abgerufen am 8. Februar 2024.
  2. ↑ Das Handschriftenportal macht’s möglich: Abschaltung von Manuscripta Mediaevalia zum Jahresende. 20. November 2023, abgerufen am 5. Dezember 2023.
  3. ↑ Klaus Graf: Die Stümper des Handschriftenportals killten tausende Permalinks in Manuscripta Mediaevalia. In: archivalia, 20. Dezember 2023, abgerufen am 24. Januar 2024.
  4. ↑ Bestände / Kataloge. Übersicht über die Bestände und Kataloge im HSP. 21. März 2025, abgerufen am 8. Juli 2026.
  5. ↑ Christof Rolker: Ist Manuscripta mediaevalia reif zur Abschaltung? In: Mittelalter, 19. September 2026. Abgerufen am 21. September 2026 (doi:10.58079/16t0b).