Mao-Sprachen

Nicht zu verwechseln mit der Mao-Sprache (Indien), der südlichen Mao-Sprache oder dem ISO-639-2/B-Code für Māori.

Die meisten Mao-Sprachen gehören zu den omotischen Sprachen innerhalb der afroasiatischen Sprachfamilie. Highland Gwama ist die einzige Koman-Sprache (aus der nilo-saharanischen Sprachfamilie), deren Sprecher sich selbst als Mao bezeichnen. Die Sprecher der anderen verwandten Koman-Sprachen der Region – Lowland Gwama und Komo (sowie Uduk und Opo) – bezeichnen sich nicht als Mao. Die omotischen Mao Sprachen, die in West-Äthiopien und im Sudan gesprochen werden, lassen sich wie folgt klassifizieren:

Die Anfillo-Sprache (südliches Mao) gehört nicht zu dieser Gruppe, sondern wird als omotische Gonga-Sprache klassifiziert.

Die Mao-Sprachen sind die am schlechtesten dokumentierte Untergruppe des Omotischen Sprachen. Die bahnbrechende Arbeit von Bender (1975) und neuere Forschung von u. a. Ahland (2012), Küspert (2015). Küspert-Rakotondrainy (2023) haben due Situation jedoch deutlich vernbesseeert. Mit dem Hozo Wörterbuch (Küspert 2025) liegt zum ersten Mal eine umfangreiche Wortsammlung in Papierform, digital und als Telefon-App (Hozo Dictionary) vor.

Phonologie

Die phonologischen Eigenschaften der Mao-Sprachen sind sehr ähnlich, was es Fleming 1988 ermöglicht hat, das Konsonantensystem des Proto-Mao zu rekonstruieren, das im Wesentlichen dem moderner Mao-Sprachen entspricht. Nach Fleming besaß das Proto-Mao drei Reihen von Plosiven (bilabial, alveolar, velar), die jeweils ein stimmloses, ein stimmhaftes und ein ejektives Phonem umfassten. Die einzige Affrikate war tsʾ, an Frikativen sind zumindest š und h rekonstruierbar. Auffällig ist das pränasalierte mb. Für einige Konsonanten sind Beschränkungen in der Position innerhalb einer Wurzel bekannt: ʔ und h sollen nur initial, n nur medial und r sowie l nur final vorgekommen sein.

Die Mao-Sprachen besitzen etwa 5–6 Vokale, für das Ganza werden auch nasale Vokale und ein distinktiver Akzent (pä'li „genau“ – 'päli „Mädchen“) angegeben; das Bambassi ist dagegen eine Tonsprache: káɸɛ́ „Vogel“, šáawà „Sand“.

Morphologie und Syntax

Zu den Personalpronomina liegen verschiedene, teilweise widersprüchliche Sammlungen von Paradigmen vor. Nach ihnen unterscheiden die Personalpronomina die Numeri Singular und Plural, und im Ganza auch zwei Genera. Je nach syntaktischer Verwendung lassen sich mehrere Gruppen von Pronomina unterscheiden: „abhängige“ und „unabhängige“ Subjektspronomina, Possessivpronomina und einige durch Suffixe gebildete weitere Kasusformen. Substantive kennen die Numeri Singular und Plural, letzterer kann durch ein Suffix markiert werden. Auch für die Definitheit und diverse Kasus werden Endungen verwendet; die Genera Maskulinum und Femininum werden formal nicht unterschieden.

Soweit die spärlichen Informationen erkennen lassen, besitzen die Mao-Sprachen Konjugationssysteme, die einen für das Omotische untypischen Aufbau haben. Im Hozo, Sezo und Bambassi erfolgt die Personalkonjugation entweder durch abhängige oder durch unabhängige Pronomina, die vor dem Verbalstamm stehen und von diesem durch Adverbien getrennt werden können. Die Tempora werden durch diverse prä- und postverbale Klitika sowie ein in vielen Tempora auftretendes Morphem š(ɛ), dessen Grundbedeutung unklar ist:

Wie in anderen omotischen Sprachen kann das Verb im Imperfekt redupliziert werden:

Im Ganza stehen normalerweise offensichtlich Tempusmarker und Personalaffix in dieser Reihenfolge vor dem Verbalstamm, die umgekehrte Stellung ist jedoch angeblich auch möglich. Einige nicht-temporale Kategorien wie Subjunktiv und Interrogativ werden nach der Analyse von Bender durch Suffixe, die hinter dem Verbalstamm stehen, ausgedrückt:

Der Imperativ hat in allen vier Mao-Sprachen getrennte Formen für Singular und Plural, die durch Suffixe getrennt werden. Der Plural hat in drei Sprachen ein m-Element gemeinsam:

Im Hozo sind auch negierte Imperative mit einem Infix -kəz- belegt.

Derivation erfolgt mit diversen Suffixen, aber auch durch Komposition: Sezo ɔɔb-maʷ schreiben-Person „Schriftsteller“; Sezo: miinsʾɛ „schneiden“, miinsʾ-ɪšɛ „schneiden lassen“.

Als Kopula dienen einzelne Partikeln, besonders š. Die Negation wird nicht durch die Verbalkonjugation, sondern durch eine Partikel ausgedrückt.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Klaus-Christian Küspert: The Mao and Komo Languages in the Begi – Tongo area in Western Ethiopia: Classification, Designations, and Distribution. In: Linguistic Discovery. Band 13, Nr. 1, 2015, ISSN 1537-0852, doi:10.1349/ps1.1537-0852.a.447.
  2. ↑ Auch Northeren Mao oder Mawes Asse
  3. ↑ Part II: The Hozo language in the Dictionary | Hozo Language. 25. Februar 2026, abgerufen am 10. Oktober 2026 (englisch).