| Dagesch: Trope in der hebräischen Vokalisation | |
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| (kein unicode Zeichen) |
| שִׁיר הַֽמַּעֲלֹות הִנֵּה מַה־טֹּוב וּמַה־נָּעִים שֶׁבֶת אַחִים גַּם־יָֽחַד׃ |
| Hebräischer Bibeltext mit vier starken und einem leichten Dagesch sowie einem Schuruq (Ps 133,1 EU) |
Das (auch: der) Dagesch (hebräisch דָּגֵשׁ), Plural Degeschim, ist ein diakritisches Zeichen im vokalisierten hebräischen Text. Es wird als Punkt geschrieben, der ins Innere eines Konsonantenzeichens gesetzt wird, um eine Verdoppelung des Konsonanten oder aber eine harte, d. h. nicht spirantisierte Aussprache der Buchstaben Beth, Gimmel, Daleth, Kaph, Pe, Taw anzuzeigen.
Es gibt zwei weitere diakritische Zeichen, die als Punkt in hebräischen Schriftzeichen erscheinen, die nicht mit dem Dagesch verwechselt werden sollten:
Dagesch, Mappiq und der Punkt im Schuruq werden in Unicode nicht unterschieden und haben die gemeinsame Position U+05BC.
Steht das Dagesch in einem Konsonanten inmitten eines Wortes nach einem in der Regel kurzen Vokal, so zeigt es an, dass dieser Konsonant verdoppelt ist. Ein solches Dagesch heißt starkes Dagesch (דגש חזק Dagesch chasaq, lat. Dagesch forte). Es ändert bei den meisten Konsonanten zumindest heute nichts an der Aussprache; in manchen Traditionen der Aussprache des biblischen Hebräisch werden solche Konsonanten aber hörbar geminiert. Die Konsonantenverdopplung ist vor allem für die Aufteilung in Silben wichtig: die vorangehende Silbe endet im Doppelkonsonanten und die folgende beginnt bereits dort. „Silben“ sind dabei nicht unbedingt tatsächliche Sprechsilben, sondern dienen dazu, die Vokalisationszeichen und gegebenenfalls das Dagesch richtig zu setzen.
Die Konsonanten Alef, He, Chet, Ajin und Resch tragen nie ein Dagesch. Oft wird dann der vorangehende Vokal gedehnt, damit Vokallänge und Konsonantenverdoppelung wieder zusammenpassen, z. B. minnazrat („aus Nazaret“) mit kurzem i und starkem Dagesch im Nun, aber mechevron („aus Hebron“) mit langem e, weil das Chet kein Dagesch nimmt. Dass die langen Vokale heute meist doch kurz gesprochen werden, steht auf einem anderen Blatt.
Starkes Dagesch steht hauptsächlich
Am Wortende fällt starkes Dagesch fast immer weg, erscheint aber geminiert (mit Dagesch) oder doppelt (als zwei gleiche Konsonanten) in abgeleiteten Wortformen (z. B. unten die Formen von לב lev, deutsch ‚Herz‘).

Die Konsonanten Bet, Gimmel, Dalet, Kaf, Pe und Taw (kurz Begadkefat oder in Israel auch Begedkefet genannt) kennen zwei Aussprachen: als Plosive [b], [g], [d], [k], [p], [t] oder, spirantisiert, als Frikative [v], [ɣ], [ð], [x], [f], [θ]. Steht ein Dagesch in einem dieser Buchstaben, wird dieser immer als Plosiv ausgesprochen.
In der heutigen israelischen Aussprache ist die Spirantisierung nur noch bei Bet, Kaf und Pe möglich, während Gimmel, Dalet und Taw immer Plosive darstellen.
Die Aussprache eines Schluss-Taw als [s] in hebräischen Lehnwörtern im Jiddischen und Deutschen (jidd. Schabbes für israelisch-hebr. schabbat, jidd./dt. Stuss für schtut) rührt von der aschkenasischen Aussprache des Hebräischen in Osteuropa her und zeigt, dass auch Taw in einer Phase der antiken hebräischen Sprachentwicklung in manchen Positionen (vorübergehend) ein Frikativ gewesen sein muss, der sich im Aschkenasischen gehalten hat.
Wie die hebräischen Laute allgemein und die Begadkefat-Laute im Besonderen bei der Übernahme hebräischer Namen in die europäischen Sprachen wiedergegeben wurden, hing maßgeblich vom griechischen Alphabet und seinen Möglichkeiten ab. Da es dort z. B. keinen Vet entsprechenden Buchstaben gab, wurde dieser wie Bet mit dem Buchstaben Beta wiedergegeben; ins Lateinische wurde dies analog als B übertragen.
Die Regeln für die Begadkefat-Aussprache – mit oder ohne Dagesch? – wurden von den Masoreten festgelegt, deren grammatische Regeln sich im Laufe des Mittelalters durchsetzten und noch heute den Standard bilden; ältere die Begadkefat-Buchstaben betreffende Aussprachetraditionen gingen verloren. Antike Transkriptionen hebräischer Namen und Textstücke in griechischer Schrift zeigen ein widersprüchliches Bild, das dem masoretischen Standard nicht entspricht.
Die oben beschriebene Aussprache eines Begadkefat als Plosiv tritt nicht nur bei starkem Dagesch auf, sondern oft auch sonst am Wort- oder Silbenanfang. Auch diese Aussprache wird mit Dagesch bezeichnet. Ein solches Dagesch heißt dann leichtes Dagesch (hebr. דגש קל Dagesch qal, lat. Dagesch lene). Für die Unterscheidung Bet–Vet, Kaf–Chaf und Pe–Fe ist es nicht wichtig zu wissen, um welche Sorte Dagesch es sich handelt. Leichtes Dagesch wird gegebenenfalls auch bei Gimmel, Dalet und Taw gesetzt, obwohl es bei diesen Buchstaben keinen Unterschied in der Aussprache anzeigt.
Das leichte Dagesch steht nur am Wortanfang oder am Silbenanfang nach ruhendem Schwa (Schwa quiescens), also nie inmitten eines Wortes nach einem Vokal wie ein starkes Dagesch.
Die verschiedenen Arten von Schwa und die Folgen für leichtes Dagesch im nachfolgenden Begadkefat gehorchen folgenden Regeln:
Nach ruhendem oder schwebendem Schwa wird unterschieden:
Hier sind Beispiele für die wichtigsten Fälle, in denen starkes oder leichtes Dagesch steht. Die Spalte „Wortform“ enthält die vokalisierte Schreibung; sie ist für biblisches und modernes Hebräisch gleich. In der Spalte „Dagesch?“ wird für die Konsonanten mit starkem Dagesch und für alle Begadkefat der Grund angegeben, warum ein Dagesch steht oder keines. Die Übersetzung mit deutschem Perfekt oder Futur ist im biblischen wie im modernen Hebräisch eine mögliche Bedeutungsvariante.
Die Umschrift ist zum leichten Lesen für deutsche Leser gedacht. Ein Akut bezeichnet die betonte Silbe; sonst ist die letzte Silbe betont. Um den Einfluss des Dagesch auf die Aussprache zu zeigen, ist starkes Dagesch durch Verdoppelung des Konsonanten dargestellt und es sind alle bewegten Schwa als „ᵉ“ oder „ë“ wiedergegeben – letzteres, wenn sie auch in heutiger israelischer Aussprache als kurzer e-Laut gesprochen werden. Man erhält also eine traditionelle, der tiberiensischen ähnliche Aussprache, wenn man alle „ᵉ“ und „ë“ mit ausspricht und die doppelten Konsonanten, besonders die Sonoranten, deutlich länger spricht (nicht jedoch zweimal). Für die moderne Aussprache lässt man die „ᵉ“ weg und spricht die doppelten Konsonanten wie einfache aus.
| Wurzel | Wortform | Dagesch? | Umschrift | Übersetzung |
|---|---|---|---|---|
| כתב katav schreiben |
כּוֹתְבִים | כ: Anfang – ת: kein – ב: bewegt | kotᵉvim | Schreibende (masc pl) |
| כָּתַבְתִּי | כ: Anfang – ת: kein – ב: kein – ת: ruhend | katávti | ich habe geschrieben | |
| כָּתַבְתְּ | כ: Anfang – ת: kein – ב: kein – ת: ruhend | katavt | du (fem) hast geschrieben | |
| כָּתְבָה | כ: Anfang – ת: kein – ב: bewegt | katᵉva | sie hat geschrieben | |
| יִכְתְּבוּ | כ: kein – ת: ruhend – ב: bewegt | jichtëvu | sie werden schreiben | |
| כִּתְבוּ | כ: Anfang – ת: kein – ב: schwebend | kitvu | schreibt! | |
| הִכְתִּיב | כ: kein – ת: ruhend – ב: kein | hichtiv | er hat diktiert | |
| הִתְכַּתַּבְתֶּם | ת: kein – כ: ruh. – ת: stark – ב: kein – ת: ruh. | hitkattavtem | ihr habt einander geschrieben | |
| כְּתוּבִים | כ: Anfang – ת: bewegt – ב: kein | kᵉtuvim | Schriften | |
| הַכְּתוּבִים | כ: stark – ת: bewegt – ב: kein | hakkᵉtuvim | die Schriften | |
| לִכְתוּבִים | כ: kein – ת: schwebend – ב: kein | lichtuvim | zu Schriften | |
| לִכְתֹּב | כ: kein – ת: ruhend – ב: kein | lichtov | zu schreiben | |
| בִּכְתֹב | ב: Anfang – כ: kein – ת: schwebend – ב: kein | bichtov | beim Schreiben | |
| מִכְּתֹב | כ: stark – תִ: bewegt – ב: kein | mikkᵉtov | vom Schreiben | |
| מִכְתָּב | כ: kein – ת: ruhend – ב: kein | michtav | Brief | |
| כלב kelev Hund |
כַּלְבּוֹ | כ: Anfang – ב: ruhend | kalbo | sein Hund |
| כְּלָבִים | כ: Anfang – ב: kein | kᵉlavim | Hunde | |
| כַּלְבֵי הַיַּלְדָּה | כ: Anfang – ב: schwebend – י: stark – ד: ruhend | kalvé hajjalda | die Hunde des Mädchens | |
| לבב lev Herz |
לֵב | ב: kein | lev | Herz |
| לִבּוֹת | ב: stark – ת: kein | libbot | Herzen | |
| לְבָבוֹת | ב: bewegt – ב: kein – ת: kein | lëvavot |
stark: starkes Dagesch
Anfang: leichtes Dagesch wegen Wortanfang
ruhend: leichtes Dagesch nach ruhendem Schwa
bewegt: kein Dagesch nach bewegtem Schwa
schwebend: kein Dagesch nach schwebendem Schwa
Nach dem bisher Gesagten steht starkes Dagesch nie im Anfangskonsonanten eines Wortes, leichtes dagegen immer, falls dieser Konsonant ein Begadkefat ist. Beides gilt für moderne Texte uneingeschränkt, für die traditionelle Vokalisierung der Bibel jedoch nur, wenn das vorangehende Wort einen trennenden Akzent hat. Trägt jedoch das vorangehende Wort einen verbindenden Akzent und endet auf Vokal, dann werden beide Wörter gemeinsam betrachtet und es gibt ein paar Abweichungen für den Anfangskonsonanten des zweiten Wortes: