Marc Richir

Marc Richir

Marc Richir (* 2. Februar 1943 in Couillet, Belgien; † 9. November 2015 in Avignon, Frankreich) war ein belgischer Philosoph, der der philosophischen Strömung der Phänomenologie zugeordnet wird.

Leben

Richir studierte Physik an der Universität Lüttich, wo er mit 21 Jahren sein Diplom erhielt. Anschließend arbeitete er für ein Jahr am Institut d'Astrophysique in Lüttich an der Seite von Albert Van de Vorst im Bereich Elektronenspinresonanz. Danach brach er sein Physikstudium ab und studierte Philosophie an der Université libre de Bruxelles. Ab 1968 arbeitete er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am belgischen Fund for Scientific Research (F.R.S.–FNRS) und lehrte Philosophie an der Université Libre de Bruxelles und an der Universität Paris VII.

1976 zog er mit seiner Familie nach Südfrankreich in einen Ort in der Vaucluse. Er starb am 9. November 2015 in Avignon an einer Krebserkrankung.

Richir hat u. a. Schriften von Eugen Fink, Edmund Husserl und Ludwig Binswanger ins Französische übersetzt.

Werk

Richir gilt als Vertreter einer phänomenologischen Metaphysik. Er veröffentlichte zahlreiche philosophiehistorische Untersuchungen zu Vertretern der phänomenologischen Bewegung in Deutschland und Frankreich, darunter detaillierte Auseinandersetzungen mit Texten von Husserl, Heidegger, Fink, Maurice Merleau-Ponty und Emmanuel Lévinas. Sein eigenes Werk besteht in einer Philosophie der Sinnbildung, die sich in der Tradition der transzendentalen Phänomenologie verortet und diese unter anderem mit der klassischen deutschen Philosophie von Kant und Fichte verbindet. In den Phänomenologischen Meditationen, seiner bislang einzigen ins Deutsche übersetzten Monografie, strebt Richir eine „Phänomenologie der fungierenden Sprache“ an, mit der er an Arbeiten von Fink und Merleau-Ponty anschließt und die im Dienste einer „architektonischen Umgestaltung der Phänomenologie“ stehen soll. Richir verfasste außerdem Schriften zum Strukturalismus und Poststrukturalismus, zur phänomenologischen Anthropologie und Psychopathologie sowie zu Politik, Literatur und Mythentheorie.

Archiv

Die Bergische Universität Wuppertal beherbergt seit März 2019 das neugegründete Marc-Richir-Archiv. Nachlassverwalter Richirs und Leiter des Archivs ist Alexander Schnell. Der Nachlass umfasst neben der Privatbibliothek Richirs einen umfangreichen Bestand seiner Manuskripte.

Schriften

Übersetzungen ins Deutsche

Literatur

Commons: Marc Richir – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Biographie Marc Richirs auf marc-richir.eu
  2. ↑ Mort du philosophe phénoménologue Marc Richir Nachruf, Philosophie Magazine, 9. November 2015, abgerufen am 6. April 2025
  3. ↑ Marc-Richir-Archiv (MRA), Institut für Transzendentalphilosophie und Phänomenologie, abgerufen am 6. April 2025
Personendaten
NAME Richir, Marc
KURZBESCHREIBUNG belgischer Philosoph
GEBURTSDATUM 2. Februar 1943
GEBURTSORT Couillet, Belgien
STERBEDATUM 9. November 2015
STERBEORT Avignon, Frankreich