Marcel Bohnert (* 1979 in Schwerin) ist ein deutscher Oberstleutnant der Bundeswehr und Autor.
Nach dem Abitur 1997 trat Bohnert als Unteroffizieranwärter in das Heer der Bundeswehr ein. 2002 wechselte er in die Laufbahn der Offiziere des Truppendienstes und durchlief die Ausbildung zum Offizier der Panzergrenadiertruppe.
Bohnert nahm an Auslandseinsätzen im Kosovo (1999/2000) und als Kompaniechef einer Infanteriekompanie in Afghanistan (2011/2012) teil. In Kundus war er für sechs Monate Chef einer Kampfeinheit im Unruhedistrikt Char Darah und dabei u. a. verantwortlich für die Operation Tür in Isa Khel, bei der Teile eines während des Karfreitagsgefechtes zerstörten Gefechtsfahrzeuges geborgen wurden.
Von 2004 bis 2008 studierte Bohnert an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg und an der Central Connecticut State University Pädagogik mit dem Schwerpunkt Psychologie. Im Anschluss absolvierte Bohnert von 2015 bis 2017 die Ausbildung zum Offizier im Generalstabsdienst (Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst National) an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Dabei wurde er durch den Generalinspekteur der Bundeswehr Volker Wieker mit dem Bestpreis Primus inter pares ausgezeichnet.
Bohnert leitete danach die Sachgebiete Neue Medien im Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr sowie Social Media im Bundesministerium der Verteidigung. Dabei war er an einer Guerilla-Marketing-Aktion der Bundeswehr auf der Digitalkonferenz re:publica beteiligt und als Projektleiter für eine Webserie über das Kommando Spezialkräfte eingesetzt.
Bohnert gilt als Experte für Soziale Medien der Bundeswehr und zählt zu den Verfassern der Social Media Guidelines der Bundeswehr sowie des Deutschen Bundeswehrverbandes. Im Spiegel wurde er als Vordenker und „Social Media Pionier“ der Bundeswehr bezeichnet. 2023 war er für mehrere Monate als Militärberater für Information Warfare in der Operation Inherent Resolve in Bagdad im Irak eingesetzt.
2022 und 2023 hat Bohnert im damaligen Territorialen Führungskommando der Bundeswehr als Teamleiter am Operationsplan Deutschland mitgewirkt. Ende 2025 trat er in Strausberg eine Verwendung bei der Europäischen Ausbildungsmission für ukrainische Soldaten an.
| Zeitraum | Einsatz | Einsatzort | Tätigkeit | |
|---|---|---|---|---|
| 11/1999 – 05/2000 | KFOR | Prizren | Gruppenführer | |
| 06/2011 – 01/2012 | ISAF | Kundus | Kompaniechef | |
| 03/2023 – 07/2023 | CJTF-OIR | Bagdad | Militärberater |
Von 2021 bis 2025 war er Stellvertreter des Bundesvorsitzenden im Deutschen Bundeswehrverband. Gemeinsam mit dem Bundesvorsitzenden Andre Wüstner trat er seit Russlands Überfall auf die Ukraine für eine zügige Reaktivierung der Wehrpflicht ein.
Bohnert gilt als wesentlicher Treiber für die Einführung des Nationalen Veteranentages und hat mit dem Deutschen Bundeswehrverband 2024 den ersten deutschen Veteranenkongress ausgerichtet. Zudem ist er gemeinsam mit Jan Hecht, einem der wenigen Träger des Ehrenkreuzes der Bundeswehr für Tapferkeit, Initiator des Autorenpreises Veteranenliteratur, der am ersten Nationalen Veteranentag erstmalig am Bundestag verliehen wurde.
Darüber hinaus ist er Begründer und Wegbereiter der Gruppe der Frauen im Deutschen Bundeswehrverband.
Bohnert ist Autor zahlreicher Buch- und Zeitschriftenbeiträge, u. a. veröffentlicht er regelmäßig im Jahrbuch Innere Führung. 2014 gehörte er zu den Herausgebern des Buchbands Armee im Aufbruch, welches kontrovers diskutiert wurde, da sich einige Autoren darin gegen die Prinzipien der Inneren Führung aussprechen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung lobte es als „das wichtigste soldatische Selbstbekenntnis der vergangenen Jahrzehnte“.
Bohnert selbst vertrat bereits vor dem Erscheinen von Armee im Aufbruch die der Konzeption entgegenstehende Ansicht, das Soldatsein sei ein Beruf sui generis. Zudem betont er immer wieder das Kämpfen als Kernauftrag und Alleinstellungsmerkmal von Streitkräften. In neueren Publikationen sucht er nach einer Auflösung des Widerspruchs zwischen kämpferischer Praxis und humanistischem Leitbild, wobei er die Kampferfahrungen als Korrektiv der Theorie betrachtet.
2017 kritisierte Bohnert in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die ausbleibenden öffentlichen Wortmeldungen der Generalität zum durch die damalige Bundesministerin der Verteidigung erhobenen Vorwurf der Haltungs- und Führungsschwäche in der Bundeswehr. Er war laut FAZ „seit Jahren der erste Soldat, der sich in dieser Deutlichkeit öffentlich zu Wort gemeldet hat“.
Seine postgraduierte Masterarbeit mit dem Titel Lehren aus Afghanistan wurde durch das German Institute for Defense and Strategic Studies ausgezeichnet und 2022 in einem Sammelband veröffentlicht.
Seit 2025 ist er neben Carlo Masala, Anton Hofreiter, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Sönke Neitzel, Nora Bossong, Peter Neumann, Timon Radicke und Peter Tauber Leading Voice im Podcast Der Sicherheitsrat.
Seit 2026 wird er als Non-Resident Fellow beim Institut für Sicherheitspolitik an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel geführt.
Das NDR-Magazin Panorama berichtete im Juli 2020 über Likes von Bohnert in Sozialen Medien für einen Sympathisanten der Identitären Bewegung sowie Vorträge in rechten Organisationen. Bohnert wurde u. a. in der Bild und im Spiegel dazu interviewt. Dabei distanzierte er sich von allen Rechtsextremen und gab an, schlicht unaufmerksam gewesen zu sein und Vorträge im gesamten verfassungsmäßigen politischen Spektrum gehalten zu haben. Medial verteidigt wurden Bohnerts Tätigkeiten u. a. in der Welt sowie in Cicero und Focus, welche den Panorama-Bericht u. a. als Gesinnungsjagd bezeichneten.
Ein Disziplinarverfahren der Bundeswehr wurde im Februar 2022 ohne Nachweis eines Dienstvergehens eingestellt. Eine Untersuchung des Militärischen Abschirmdienstes endete ebenfalls mit einem Freispruch.
Im Februar 2021 war Bohnert einer der Initiatoren der Online-Initiative #WirGegenExtremismus, der sich verschiedene soldatische Verbände wie der Reservistenverband, der Bundeswehrverband und Veteranenverbände anschlossen. Mit #WeAgainstExtremism wurde die Aktion international erweitert.
| Einsatzmedaille Bronze (EUMAM UKR) | |||
| Deutsches Sportabzeichen Gold Bicolor mit der Zahl „20“ | |||
| EU-Einsatzmedaille (EUMAM UKR) |
Bohnert hat mit seiner Lebenspartnerin eine Tochter.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bohnert, Marcel |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Offizier (Oberstleutnant) und Autor |
| GEBURTSDATUM | 1979 |
| GEBURTSORT | Schwerin |